TRVEFRYKT ZINE

Interview mit Ravachol (Aether)

aether

Ravachol (Aether) hat sich die Zeit genommen und uns für ein Interview zur Verfügung gestanden.
Was dabei herausgekommen ist? Seht selbst!


Hallo Ravachol, vielen Dank erst mal, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Du bist der Kopf des One Man Projektes „Aether“, könntest du uns vielleicht erzählen, wer du bist und wie es zur Gründung von „Aether“ kam?

Ich bin nicht nur der Kopf, ich bin auch der Körper. Ich kann nicht viel sagen über mich; Ravachol ist ein Alter Ego im traditonellsten Sinne, ich bin ein Stück imaginärer Spiegel der Person, die mich spielt. Was die Sache nicht weniger real werden lässt. Trotzdem möchte ich betonen, dass ich als Ravachol geschlechts- und nationalitätslos bin. Nur für wenige Momente möchte ich beispielsweise auf Deutsch schreiben und sprechen, um den antinationalistischen Gedanken hinter Aether zu verdeutlichen.

Was den Anfang von Aether betrifft, nunja, ich habe seit jeher die Möglichkeit eines Soloprojektes als eine der klassischen Traditionen des Black Metal begriffen.
Es gibt nicht so viele Genre, in denen so etwas funktioniert.
Ich habe auch schon vor fast 10 Jahren angefangen, ganz alleine irgendwelche Geräusche zu machen, habe viel mit Noise und Drone experimentiert.
Aber irgendwann in diesem Jahr habe ich immer mehr Material geschrieben, dass ich großartig fand. Ich habe das Material verwirklicht, ihm Atmosphäre, ein Skelett und eine Haut gegeben und es hat funktioniert.

Was hat es mit dem Namen „Aether“ auf sich?
Da dein Projekt sehr künstlerisch ist, bin ich mir fast sicher,
dass hinter „Aether“ ein tieferer Sinn steckt.

Ich denke, da gibt es verschieden Bedeutungen, deren jeweilige Interpretationshoheit man für sich entscheiden muss.
Das aller wichtigste ist, dass Aether sehr viel Atmosphäre aufbaut, allein das Wort, dessen bildliche Assoziationen ich als Lichtspiele, kosmische Nebel und irgendeinen dunklen Film über allem beschreiben würde. Das ist wirklich das wichtigste. Nachgeordnet kann man dann erörtern, was denn ein Äther ist, das die wissenschaftliche Beschäftigung mit Äther nur ein gutes hatte, den Äther aus dem Reich der Wissenschaft zu verbannen und so weiter und so fort.

Letztlich steckt in nichts ein tieferer Sinn – davon abgesehen, dass du hier von Bedeutung sprichst. Das wichtige ist, dass man es fühlen kann, wir sprechen hier ja von Musik und Kunst und nicht von Begriffen, die man nur aus den Begriffen selbst verstehen darf.

Verfolgst du mit deinen Songs ein striktes Konzept?

Nein, nicht wirklich. Ich möchte, dass sie nach Aether klingen, habe mir einige kleinere Stilmittel zueigen gemacht, aber im Prinzip schreibt Ravachol konzeptlos.


Dein Demo Metamorphosis I bestach durch rauen Black Metal und eine verbitterte und düstere Atmosphäre, wie kam es dazu, dass du in deinem zweiten Tonträger „Altar“ ausschließlich Ambient und Noise machst?

Ich habe, wie ich weiter oben schon erwähnte, vor Aether schon viel Noise und experimentelle Sachen versucht. Ich denke, dass Altar schon nicht wirklich Aether ist, aber doch etwas wie ein Zitat von Aether. Wir hören auf diesen beiden Songs einige Melodien, die tatsächlich Aether sind, in der Mischung mit all den Geräuschen und Soundwänden, klingen sie am Ende nur wie ein Zitat, das jemand leise flüstert, wie eine Fußzeile, die schon ganz abgewetzt ist.
Ich habe hier nichts dekonstruiert, ich habe ein Stück von Aether nochmal erzählt, aber konnte nichts dafür, dass das Stück von so vergilbt, verstaubt und vernebelt war.

Thema Songwriting, worum geht es in deinen Lyrics?

Ich schreibe keine Lyrics. Der Gesang ist rein instrumentell.

Arbeitest du derzeit schon an neuen Songs?

Tatsächlich, ja.

Orientierst du dich bei deinen neuen Projekten an „Metamorphosis I“ oder eher an „Altar“? Oder schlägst du vielleicht eine ganz andere Richtung ein?

Ich denke, ich will einen Nachfolger an „Metamorphosis I“ anschließen, der sich auch kompositorisch wieder an melodischen lofi-BM orientieren wird. Genaueres möchte ich jedoch noch nicht verraten.

Gibt es Pläne in Zukunft Live aufzutreten?

Nicht wirklich. Ich denke, wenn eine gewisse Nachfrage bestehen würde, könnte ich mich arrangieren.

Du stehst offen gegen menschenverachtende Werte wie Sexismus, Faschismus, Homophobie ein. Was hältst du von der deutschen Black Metal Szene, in der diese Einstellung leider noch viel zu selten vertreten wird?

Ich denke die deutsche Black Metal Szene ist ein erzkonservativer Haufen von authoritären Charakteren, die gar nicht gemerkt haben, wie burgeoise sie geworden sind, wie kleinbürgerlich und spießig, wenn sie mit der ganzen Familie mit Wohnmobilen auf Festivals fahren, sich jegliches Angebot an ihrer angeblichen Subkultur von großkapitalistischen Firmen sponsorn lassen, gar nicht merken, wie viel (schlechte) Popmusik sie da eigentlich konsumieren und dass ihre als am Boden geblieben idealisierten „Helden“ längst auf der ganz anderen Schneide der Schere sitzen.

Das heisst nun nicht, dass die ganze Szene sexistisch, faschistisch und homophob ist, sondern dass sie diesen Ideologien Tür und Tor weit aufgesperrt haben, obwohl sie immer von sich selbst dachten, dass sie gegen eine genau solche Gesellschaft angekämpft hätten.

Welche KünstlerInnen, MusikerInnen, DichterInnen, MalerInnen inspirieren oder beeinflussen dich?

Weniger die Kunstschaffenden als die PhilosophInnen.

Möchtest du noch ein paar abschließende Worte an unsere LeserInnen geben?

Ich bin mir nicht sicher, was ich sagen sollen könnte. Greift weiter nach dem Regenbogen.

Nochmals vielen Dank, dass du uns die Möglichkeit gegeben hast, dein Projekt etwas näher kennenzulernen. Viel Erfolg weiterhin!


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