Cruda Sorte im Interview

Cruda Sorte

Zum Anlass ihres neuen Albums „Nekrolog“ haben wir dem Berliner Black Metal Duo „Cruda Sorte“ ein paar Fragen zur Band, zum Entstehungsprozess von Nekrolog und den Plänen im Jahr 2016 gefragt. Aber lest selbst.

Hallo und herzlichen Dank, das ihr uns die Möglichkeit gebt euch ein paar Fragen zu stellen. Ihr steht mittlerweile mehr als 10 Jahre für melancholischen und düsteren Untergrund Black Metal. Sicherlich gibt es hier aber den Ein- oder anderen der noch nichts über euch weiß. Cruda Sorte ist…?
Wir haben zu danken für Euer Interesse an unserer Gruppe!
Cruda Sorte ist eine Band, die ich vor dem Hintergrund des Depressive Suicidal Black Metal im Jahr 2005 ins Leben rief. Nachdem 2006 Ohyra am Schlagzeug mit ins Boot geholt wurde, haben wir zwei Demos veröffentlicht, kehrten aber nach seinem anschließenden Ausstieg in die Inaktivität zurück.
M.v.V. hat bei beiden Demos bereits am Sound mitgewirkt und war Ende 2011 bereit, bei unveröffentlichtem Material am Schlagzeug mitzuwirken. Gewissermaßen war das der Startschuss für die jetzt noch anhaltende Phase mit der Split und der nun abgeschlossenen Trilogie. Persönlich denke ich auch, dass wir uns spürbar von den DSBM-Wurzeln verabschiedet haben.

Was bedeutet denn Cruda Sorte? Wie kamt ihr zu diesem klangvollen Namen?

Cruda Sorte kommt aus der italienischsprachigen Opernarie „Lascia ch’io pianga“ von Georg Friedrich Händel und bedeutet „Grausames Schicksal“. In dieser Arie kommt die Zeile „Mia Cruda Sorte“ vor. Ich erinnere mich noch daran, dass ich tatsächlich erst „Mia Cruda Sorte“ verwenden wollte, aber ein guter Freund mir davon abriet.
Seinerzeit war ich noch bei Düsterwald (ab 2009 Withered) aktiv, wollte aber gern harscheren und roheren Black Metal machen. Bevor also nur ein Ton oder eine Textzeile fertig war, stand der Projektname mehr oder weniger fest. Verbunden mit meiner damaligen Zuneigung zum DSBM macht natürlich „Grausames Schicksal“ auch Sinn, wenngleich wir ansonsten keinerlei Berührungspunkte mit Händel oder dieser Arie hatten.

Ihr habt mit Nekrolog die Trilogie um Innozenz und Tollwutkult abgeschlossen. Wie waren denn die bisherigen Rückmeldungen zum Album?
So lang ist es ja noch nicht draußen, aber die Rückmeldungen waren bisher fast ausschließlich positiv, sowohl von externen Hörern als auch Freunden in unserem Umfeld. Vielen sagt diese doomige Marschrichtung scheinbar zu und auch das neue Soundgewand.
Auch wir sind nach wie vor extrem zufrieden mit dem Album. Es ist für uns ja schon seit Juli, oder so, fertiggestellt, wurde also auch das ein oder andere Mal gehört und weiß immer noch zu gefallen.
Insgesamt bin ich sehr überrascht, dass das Album bei manchen regelrechte Begeisterung auslöst – das hatten wir bislang noch nie erlebt.

Die neue Scheibe ist qualitativ nochmal eine ganze Ecke hochwertiger produziert als die bisherigen Releases. Wie kam es dazu?
Wir haben uns einfach sehr viel mehr Zeit genommen.
Schon während der Aufnahmen – also lange vor dem Mischen und Mastern – haben wir darauf geachtet, einen passenden Sound zu kreieren. „Nekrolog“ ist bei der Trilogie der melancholische, nachdenkliche, aber auch düstere Abschluss. Bereits bei den Proben war uns klar, dass wir diese Beklommenheit und Düsternis nicht auf dem Album einfangen können, wenn wir alles an einem Abend aufnehmen, es in ein 08/15 BM-Klanggewand stecken und veröffentlichen. Daher haben wir uns dieses Mal für jedes Instrument viel mehr Zeit genommen. Das Mischen selbst nahmen wir erst einige Wochen nach den Aufnahmen in Angriff. Dabei verzichteten wir auf Einstellungen, die wir seit „Nature Of Suffering“ immer verwendet hatten.
Hexenwerk war es also nicht, auch kein professionelles Studio – einfach nur viel mehr Zeit.

Auch instrumentell habt ihr auf Nekrolog überrascht. Diese beklemmende Atmosphäre, die man von euch gewohnt ist, habt ihr aufrechterhalten können, doch was hat euch dazu bewegt das Tempo an einigen Stellen zu drosseln und diesen unüberhörbaren Doomeinfluss mit einzubringen?
Vorrangig wohl das Bedürfnis, den Abschluss der Trilogie musikalisch einzufangen. War „Tollwutkult“ – dem Titel entsprechend – eher rasend, roh und wild, sollte es dieses Mal eher das Gegenteil sein, eher nachdenklicher, trister. Attribute, die sich vorzüglich mit eher schwermütigen Riffs ausdrücken lassen.
Zudem sicherlich auch mein in den letzten Jahren gewachsenes Interesse am Doom Metal. Zu den Anfangszeiten von Cruda Sorte war ich da immer sehr skeptisch und es konnte mir nicht schnell genug sein, aber die Mächtigkeit, Kraft und Dichte der Riffs einiger Doom-Künstler haben mich irgendwann einfach nur noch begeistert und umgehauen! Ich werde auch nicht müde, die herausragende Qualität von The Gault und deren Album „Even As All Before Us“ herauszustellen! Die dort versprühte dichte Atmosphäre ist einfach nur unbeschreiblich.
Wir haben allerdings auch schon mit „Declaratio“ auf „Innozenz“ einen recht doomigen Track gehabt, der schon ein wenig in die derzeitige Richtung zeigt.

Wie ist das Album überhaupt entstanden? Wie lange habt ihr insgesamt daran gearbeitet?
Wir sind da ganz klassisch und haben uns des Öfteren im Proberaum getroffen, he he – im Ernst: es ist meist so, dass ich über ‘nen gewissen Zeitraum einige Riffs schreibe und dann mit M.v.V. im Proberaum schaue, ob die auch gemeinsam funktionieren. Kompliziert war hier allerdings, dass ich fast das ganze Album mit dem Bass komponiert habe und sich die Proben daher etwas schwieriger gestalteten. Der Rest kommt dann durch Jammen, Rumprobieren und Zufälle zu Stande – generell bin ich ein riesiger Freund von spontanen Einfällen und krummen Noten bzw. Läufen.
Aber auch hier spielt wieder der Faktor Zeit mit rein, sodass wir am Ende gute zehn Monate mit dem Schreiben, Proben, Aufnehmen und Mischen von „Nekrolog“ gearbeitet haben.

Wer von euch ist für die Lyrics verantwortlich? Die Texte haben mich schon auf den anderen Tonträgern schwer in ihren Bann gezogen. Auch Nekrolog konnte hier definitiv wieder punkten.
Vielen Dank! Es freut uns sehr, wenn auch die inhaltliche Komponente unserer Musik hervorgehoben wird.
Die Texte schreibe ich seit dem ersten Demo größtenteils alleine, aber schon damals hat Ohyra konzeptionell mitgewirkt. Einige Zitate oder Zeilen stammen auch aus externen Quellen und M.v.V. hat lyrisch gewissermaßen bei „Barathrvm“ auf der „Innozenz“ mitgewirkt. Obwohl ich dafür weitestgehend alleine verantwortlich bin, würde ich die Texte nicht verwenden, wenn M.v.V. mit bestimmten Aspekten seine Probleme hätte.
Ich will mich da gar nicht über den grünen Klee loben, aber wir haben selbst schon festgestellt, dass man die Texte durchaus verschiedenartig aufnehmen und interpretieren kann, was ich persönlich ganz interessant finde.

Ihr habt ja auch direkte Querverweise zum Label „EternalRabiesKvlt“, welches für qualitative Black Metal Releases im Underground steht. Könnt ihr vielleicht ein paar Worte zum Label sagen und ob hier 2016 weitere Releases warten?
Danke Dir erneut, es freut uns sehr, wenn unsere kleinen Veröffentlichungen wahrgenommen und wertgeschätzt werden!
Ja, es ist richtig, dass wir direkt bei Eternal Rabies Kult involviert sind. Als sich 2014 keiner wirklich für „Innozenz“ interessieren, wir das aber irgendwie verfügbar machen wollten, haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und ERK geründet. Durch verhältnismäßig günstige Herstellungskosten von Kassetten war das denn auch das Format unserer Wahl. Wir haben uns zwar nicht auf den Black Metal Untergrund spezialisiert, aber durch unsere Zuneigung zu dem Genre ist das natürlich naheliegend. Ich würde aber nicht ausschließen, dass wir hier mal auch genrefremde Bands aufnehmen.
ERK ist aber kein Label, wo man große Massen an Veröffentlichungen oder hohe Stückzahlen erwarten kann. Wir machen alles alleine, bis auf vielleicht die Beteiligung am ReRelease des Kvltyst-Demos und den ein’ oder anderen Überspielauftrag. Ich kann zumindest sagen, dass tatsächlich für 2016 einige Sachen geplant sind, ich mich da aber lieber noch so lange bedeckt halte, bis es spruchreif ist. Es gibt aber ‘n paar feine Tapes in den Startlöchern!

Gerüchten zufolge wird man euch dieses Jahr auch Live erleben können. Was genau habt ihr da geplant und wie wollt ihr eure Musik bei einem Gig umsetzen?
Wir würden schon gerne live auftreten und hatten das für Cruda Sorte nie gänzlich und grundsätzlich ausgeschlossen. Es war nur bislang recht unwahrscheinlich, da zum einen das Interesse fehlte und es zum anderen mit zwei Leuten recht schwierig ist.
Spruchreif ist aktuell aber auch noch nichts. Wir haben zwar einige Angebote und sind dabei, ein Line Up auf die Beine zu stellen, aber es ist noch nichts zu hundert Prozent sicher.
Musikalisch würden wir uns aber wohl auf die Trilogie beschränken und die Titel für die Live-Darbietung entsprechend umarrangieren.

Wird man 2016 noch weitere Tracks von Cruda Sorte hören? Wie geht es jetzt allgemein nach der Trilogie weiter?
Puh, das ist leider gar nicht so einfach zu beantworten. Klar, wir würden, wenn es denn klappen sollte, unsere Energie sehr gerne auf die Liveaktivitäten legen. Ich denke, dass würde unsere Ressourcen auch schon zur Genüge strapazieren.
Aber völlig unabhängig davon, weiß ich aktuell nicht, ob es noch weitere Musik von Cruda Sorte geben wird. Ursprünglich war geplant, das Projekt nach der Split mit Veineliis zu begraben und dann kam doch die Trilogie. Diese hat mich die letzten zwei Jahre in kreativer Hinsicht absolut eingebunden, sodass ich in erster Linie froh und erleichtert bin, das abschließen und andere Ideen realisieren zu können, die teilweise mit Metal gar nichts mehr am Hut haben. Da muss ich schauen, ob das wirklich unter Cruda Sorte noch Sinn machen würde. Zudem gibt es auch im Privaten einige Veränderungen, wo wir etwas abwarten müssen.
Ich denke also, dass es in diesem Jahr kein neues Material von uns geben wird, aber man weiß ja nie, was passiert.

Wir kommen langsam zum Schluss. Wollt ihr vielleicht noch was loswerden?

Wir möchten uns an dieser Stelle für die bisherigen Rückmeldungen und den positiven Zuspruch zu „Nekrolog“, aber auch „Innozenz“ und „Tollwutkult“ bedanken. Vielleicht sieht man sich in diesem Jahr bei dem ein’ oder anderen unserer Konzerte.

Vielen Dank nochmal und viel Erfolg weiterhin!
Wir haben zu danken! Viel Erfolg auch für Euer Magazin!

 

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