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Ewig.Endlich. im Interview

 

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Ewig.Endlich. haben mit ihren kürzlich veröffentlichten Songs, für die kommende Split mit Kings of Forlorn Lands, bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Grund genug für mich, mit Sänger Simon und Gitarrist Maik ein Interview zu führen. Was dabei herausgekommen ist? Lest selbst

Hallo Maik, hallo Simon! Vielen Dank erst einmal an euch, dass ihr Zeit nehmen konntet, uns die eine oder andere Frage zu beantworten. Ihr habt gerade den zweiten Track „Abend“ veröffentlich, welcher auf der kommenden Split EP mit „Kings of Folorn Lands“ zu finden sein wird, veröffentlicht. Wie waren die Kritiken und Meinungen zu euren beiden, erst kürzlich releasten Songs?
Maik: Ja, die waren wirklich überraschend positiv! Wir haben schon ein bisschen damit gerechnet, dass die Stücke ganz gut ankommen, weil wir auch alle einfach total dahinter stehen. Aber so viel positives Feedback… das war echt nicht abzusehen.
Simon: Vor allem die Art und Weise nicht. Ein paar Leute haben uns geschrieben, dass die Texte sie berühren und ihnen etwas bedeuten. Und ein befreundeter Musiker hat sich sogar für ein Lied bedankt! Dass war schon ganz besonders.

Wer versteckt sich denn eigentlich hinter Ewig. Endlich. und wie kam es zur Gründung?
Maik: Unser anderer Gitarrist Sören und ich haben uns ursprünglich einfach aus einer Laune heraus im Herbst 2014 zum Jammen getroffen. Ich spiel mit Sören jetzt schon seit 2011 zusammen in verschiedenen Bands, zuletzt in einer Prog Metal-Band. Und wir hatten eigentlich immer den geheimen Wunsch, mal so völlig unverkopfte Musik aus dem Bauch heraus zu spielen – ohne jemanden mit Gitarrensoli beeindrucken zu müssen und so. Dass daraus mal eine Band werden würde, war eigentlich nie geplant. Unseren Trommler Benjamin habe ich an der Uni in einem Kurs über Musikwirtschaft kennen gelernt. Wir haben ihn dann zu einer Probe eingeladen und hatten schon als Trio von Anfang an einen guten Draht zu einander. Dann bin ich auf die Idee gekommen, Simon zu fragen, ob er noch einmal Lust hätte, über die Musik rüber zu keifen. Wir haben nämlich auch eine gemeinsame, musikalische Vergangenheit….
Simon: Ja, ein eher merkwürdiges Thrash-/Melodic Death-Projekt.
Maik: …und ich wusste, dass er nicht „Nein“ sagen würde.
Simon: Und dann bin ich mal zur Probe gekommen und das hat mich irgendwie sofort gepackt. Ich hatte sofort Bilder im Kopf und Textideen und dann ging das Songwriting auch recht schnell. Eine Woche vor unserem ersten Auftritt hat Sören spontan einen Freund von sich mitgebracht, Marius. Er hat sich nach wenigen Minuten musikalisch total integriert, hat dann live sofort alle Stücke mitgespielt und ist zu unserer großen Freude dann auch geblieben.

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War der Name Ewig.Endlich. von Anfang an fester Bestandteil des Projekts? Wie kamt ihr denn überhaupt auf diesen klangvollen Namen?
Maik: Der Namen kam mir so in unserer Findungsphase, als wir noch nicht wussten, ob wir jetzt eine Band werden oder uns nur regelmäßig zum Spielen treffen. Ich habe so über dies und das nachgedacht und da fielen mir diese beiden Wörter ein. Und mir fiel auf, dass sie sich eigentlich gegenseitig ausschließen, aber auch von einander abhängig sind. Schließlich lässt sich das eine nicht ohne das andere erklären.
Simon: Und die Wörter sind sich ja auch erstaunlich ähnlich.
Maik: Allerdings sind sie das! Und dann habe ich diesen Namen einfach mal in den Raum geworfen und alle fanden ihn gut.
Simon: Ja, und als wir darüber gesprochen haben, kamen mir die Ideen für den ersten Songtext. Da habe ich diese Gedanken aufgegriffen. Die habe ich dann für den Text von „Menschenkind“ verwendet, da gibt es diese Stelle: „Ohne Endlichkeit keine Ewigkeit“ etc.. Und dieses Lied beschreibt uns und unser Leitmotiv eigentlich ganz gut. Auch eben durch diese beiden Begriffe, die sich ja, wie Maik eben sagte, abstoßen und anziehen. Und bei uns geht es ja eigentlich immer irgendwie um Verfall und Neubeginn, Verlust und Hoffnung. Und da passte das ganz hervorragend.

Die beiden Tracks sind von der Grundstimmung ziemlich verschieden. So ist „Schwarz und Stern“ melancholisch, düster und am Ende hin voller Hoffnung. „Abend“ wiederum ist apokalyptisch, fies und ein ganzes Stück härter. Vielleicht könnt ihr unseren Lesern ein paar Worte zu den beiden Liedern erzählen. Worum geht es in euren Lyrics und was wollt ihr mit den beiden Stücken zum Ausdruck bringen?
Maik:
Zu dem Zeitpunkt, als wir mit den Aufnahmen angefangen haben, hatten wir sieben fertige Stücke. Bei „Schwarz und Stern“ wussten wir sofort, dass es dabei sein sollte.
Simon: Und „Abend“ funktioniert einfach live immer besonders gut. Als wir die beiden Stücke dann aufgenommen haben, merkten wir, dass die beide ganz schön düster sind. Dabei haben wir auch sehr viel positivere Lieder. Wie du gerade schon sagtest, „Schwarz und Stern“ hat einen versöhnlichen Ausblick. „Abend“ wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir bei Ewig. Endlich. sehr oft vorgehen: Wir bringen Ideen in den Proberaum mit und jammen. Wenn uns etwas gefällt, machen wir an dem Punkt weiter. Und bei allen Fragmenten, die später zu Stücken wurden, war es so, dass ich sofort eine Stimmung oder ein Bild im Kopf hatte. Das war im Fall von „Abend“ ein Weltuntergangsszenario. Und als ich die ersten Textideen notiert hatte, war mir klar, dass es um eine nukleare Katastrophe geht. Mich hat da beim Schreiben ein Artikel inspiriert, in dem es darum ging, welche Auswirkungen es hätte, wenn über Berlin eine Atombombe explodieren würde. Da ging es unter anderem darum, wie Elefanten im Zoo von der Hitzewelle innerhalb von Sekunden gehäutet würden oder Stahlträger verbogen und sogar schmelzen würden. Das passte alles sehr gut zu der Musik. Und so abwegig ist dieses Horrorszenario ja leider auch gar nicht – immerhin gibt es weltweit noch über 17.000 atomare Sprengköpfe. Da fand ich, dass ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und vor allem mehr Empörung bei dem Thema nicht schaden würden.
Maik: Ja und „Schwarz und Stern“ ist exemplarisch für die andere Herangehensweise, die wir beim Songwriting bei Ewig. Endlich. haben: Die gesamte Musik dafür ist an einem Tag entstanden. Das Lied ist ziemlich persönlich und quasi die Verarbeitung eines sehr düsteren Tages. Ich bin als Gitarrist und Komponist ein totaler Stimmungsmensch.
Simon: Ja und Maik kam dann mit diesem eigentlich fast fertigen Stück an und erzählte einiges darüber und zeigte mir dann ein altes Gedicht von Else Lasker-Schüler aus dem Jahr 1912. Und wir fanden beide, dass es zu der Thematik und der Musik gut passt. Deswegen haben wir es in das Stück integriert. Es ist im Mittelteil als Sample zu hören. Und den Text habe ich dann als moderne Interpretation ihres Gedichts verfasst, als Weiterführung.

Simon
Simon

Maik: Wir machen ja alles, was wir musikalisch so tun, in erster Linie einmal für uns selbst. Und es tut uns allen einfach gut, Gedanken weiterzudenken und musikalisch zu verarbeiten, ob positiv oder negativ. Es ist uns wichtig, unsere Gedanken durch die Musik auch mitzuteilen.
Simon: Sehr wichtig sogar! Weil wir denken: Sobald man etwas sagt, trägt man eine Verantwortung dafür. Vor allem dann, wenn mehrere zuhören – wie in der Musik also ganz besonders. Auch wenn nur Wenige zuhören: Man ist ja immer Sprachrohr. Und da ist es uns wichtig, Assoziationen zu wecken, irgendwie zum Nachdenken anregen und dem Hörer etwas Positives mitzugeben. Und auch Wut kann ja etwas Gutes sein. Aber eben kein rassistischer, sexistischer oder anderweitig menschenverachtender Dreck. Das ist uns schon sehr wichtig.

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Maik

Gibt es besondere Künstler, die euch musikalisch beeinflusst haben?
Maik:
Wie gesagt komme ich ja eigentlich eher aus dem progressiven Bereich, Simon hatte immer ein starkes Faible für Liedermacher, Protestlieder und solche Dinge. Jeder bringt bei uns etwas anderes ein. Das ist sehr erfrischend.
Simon: Eine gemeinsame Schnittmenge haben wir aber natürlich schon.
Maik: Klar, „Downfall of Gaia“, „Omega Massif“ und „Fall of Efrafra“ sind zum Beispiel so Gruppen, die wir alle sehr mögen.
Simon: Ende 2013 haben Sören, Maik und ich gemeinsam zum ersten Mal „Amenra“ live gesehen. So etwas haben wir vorher noch nie erlebt und ich glaube, dass uns das alle sehr gepackt hat.
Maik: Definitiv. Eine gemeinsame Liebe von Sören, Benjamin und mir ist übrigens auch Post Rock, was in einzelnen Passagen unserer aufgenommenen Stücke wahrscheinlich auch durchscheint. Simon und ich versuchen auch immer wieder hier und da ein bisschen Black Metal einzustreuen.
Simon: Genau. Mit Black Metal meinen wir die Musik, also dieses Hypnotische, die typische Spielart und so. Fans vieler Merkmale der Black Metal-Kultur sind wir jetzt aber nicht – Suicidal Depressive Black Metal und so… nee, da machen wir lieber so Gutmenschen-Black Metal.

Und wer inspiriert euch inhaltlich?
Simon:
Literatur generell. Wir lesen alle sehr gerne. Mit einigen Bandkollegen teile ich eine große Liebe für Hermann Hesse, in dessen Sprachrepertoire ich gerne wildere. Das macht immer einen großen Spaß, moderne Themen in dieses romantische Grundgerüst einzubetten. Ich glaube, uns diente bisher für fast jedes Stück irgendeine Literaturvorlage als Inspiration. Theodor Storm, Till Lindemann… Else Lasker-Schüler hatten wir schon erwähnt…
Maik: Und generell der Expressionismus. Viele unserer Texte funktionieren ja wie die Gedichte dieser Epoche. Formlos, in einem Stück und mit mehr Gefühl als…
Simon: …Verstand?
Maik: Auch. Als der gesamte Barock, wollte ich sagen. Und dieses Assoziative gefällt uns sehr.
Simon: Ja, genau. Bilder, die eine Identifikationsoberfläche bieten. Die Zeile „Wir wandern jede Nacht über die weiße Ebene“ in „Schwarz und Stern“ ist da ein gutes Beispiel. Die kam mir beim Jammen und sie passte einfach so zur Musik. Und ich wusste sofort, dass dieser Text an die Stelle gehört. Ich glaube, dass jeder bei diesen Zeilen Bilder im Kopf und eine Vorstellung hat – und dass diese bei jedem anders ist. Das ist auch gut so! Und das macht uns sehr viel Spaß.

Die Aufnahmen wurden von Nikita, dem Gitarristen der deutschen Black Metal-Band „Der Weg einer Freiheit“ gemastert. Wie kam es zu diesem Kontakt? Und: War von Anfang an klar, das Ganze professionell abmischen zu lassen?
Maik:
Auf Nikita bin ich über einen gemeinsamen Bekannten gekommen und habe mitbekommen, dass er auch als Produzent und Tontechniker arbeitet. Wir alle finden seine Arbeit sehr cool, vor allem bei „Der Weg einer Freiheit“. Und wir haben uns gedacht: Wenn jemand unsere Grundstimmung, mit den deutschen Texten und allem richtig gut rüberbringen kann, die Klänge versteht und auf den Punkt bringt, dann ist das auf jeden Fall Nikita Kamprad. Und wir wussten sehr schnell, dass wir im Falle einer professionellen Herangehensweise gerne mit ihm zusammenarbeiten wollen. Die beiden Aufnahmen sind jetzt semi-professionell. Aufgenommen haben wir, Nikita hat die Stücke gemastert und gemixt. Aber für die Albumaufnahme ist er auf jeden Fall unser Mann.
Simon: Wir haben ihn einfach angeschrieben und waren auch echt erstaunt, wie entspannt und unkompliziert das alles verlief. Wir haben auch viel Lob für unseren Sound bekommen und wir selbst sind damit auch überglücklich. Ich glaube, der Mann kann in unsere Köpfe schauen.
Maik: Ja, den Eindruck hatte ich auch.

Ihr werdet demnächst, wie schon erwähnt, eine Split mit den Jungs von „Kings of Folorn Lands“ veröffentlichen. Welche Umstände haben zu dieser Zusammenarbeit geführt?
Maik:
Wir kennen die Kings sehr gut und schätzen sie sehr. Vor allem das Mastermind Julian ist ein ganz feiner Kerl, mit dem man immer superentspannt zusammenarbeiten kann…
Simon: …und da sich beide Bands gerade in der Recording-Phase befanden, passte es einfach gut, sich zusammenzutun.
Maik: Letztlich hat Julian das bei einem gemeinsamen Konzert einfach angesprochen, da gab es nicht mehr viel zu überlegen.

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Live konntet ihr schon den einen oder anderen Gig spielen. Was ist für euch bei einem Auftritt am Wichtigsten und was zeichnet Ewig. Endlich. bei einem Konzert aus?

Simon: Wir haben wahnsinnig viel Spaß am Spielen und das soll das Publikum natürlich auch merken. Ich persönlich finde sehr gut, was Dee Snider von Twisted Sister mal gesagt hat: „Wenn ein Frontmann nach einem Konzert noch in der Lage ist, irgendetwas anderes zu tun, hat er sein Publikum betrogen“. Ich bin kein guter Musiker und mag es als Zuschauer einfach immer, wenn auf der Bühne etwas passiert und die Musiker offensichtlich selber Spaß an ihrer Musik haben.
Maik: Und wie schon gesagt ist das sehr emotionale Musik – für uns zumindest. Wenn die Leute vor der Bühne auch mitgehen und sie das irgendwie berührt, ist das für uns das Größte. Für mich persönlich ist es immer so etwas wie ein Rausch in dem ich mich befinde – definitiv anders, als bei meinen vorherigen Bands. Danach brauche ich erst einmal ein paar Minuten, um mich und meine Emotionen zu sortieren.

Wie war die bisherige Resonanz zu bereits gespielten Shows? Konntet ihr eure Fans zufrieden stellen?
Maik:
Ich glaube schon, dass die Menschen auf unseren Konzerten Spaß haben. Aber von Fans würde ich jetzt noch nicht reden! Zu unseren ersten Konzerten sind natürlich viele Freunde, befreundete Musiker etc. gekommen, die uns ohnehin schon positiv gesonnen waren.
Simon: Jetzt allmählich erst schreiben uns auch Leute, die wir nicht persönlich kennen, dass unsere Musik ihnen etwas bedeutet und sie uns mal live sehen möchten und das ist natürlich fantastisch. Jetzt wird es wirklich interessant.

Wird man euch 2016 auch außerhalb Nordrhein-Westfalens erleben können? Tour, Konzerte, Festivals. Was bringt das neue Jahr für euch mit sich?
Simon: Ja, hoffentlich alles! Wir haben dieses Jahr vor, noch viel öfter zu spielen und sind ständig auf Gig-Suche. Wir hoffen also, dass mit etwas steigender Bekanntheit sich auch noch mehr Auftrittsmöglichkeiten ergeben. Aber einige interessante Auftritte sind jetzt schon gesetzt und so wie es aussieht, werden wir spätestens im Herbst eine Mini-Tour außerhalb von NRW spielen.

Arbeitet ihr derzeit eigentlich schon an neuem Material? Falls ja: Was ist denn da geplant?
Maik: Wir haben neulich in Düsseldorf auf einem Festival zum ersten Mal ein einstündiges Set spielen dürfen. Einige Stücke haben wir da also schon im Repertoire. Allerdings ist dieses Jahr auch ein Album geplant. Deshalb schreiben wir gerade noch an weiteren Stücken und werden dann in ein paar Monaten die Auswahl treffen und entscheiden, welche Stücke auf unserem Debutalbum zu hören sein werden.

Eure Möglichkeit, unseren Lesern noch etwas mitzuteilen:
Simon: Wir sind sehr froh, dass es Magazine wie dieses gibt und vor allem Menschen, die es lesen. Es wäre toll, wenn wir darüber neue Hörer erreichen würden und einige davon zu unseren Konzerten kommen würden. Und wenn jemand Lust hat, uns zu buchen oder mit uns zusammen irgendwo zu spielen wäre das natürlich super.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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