TRVEFRYKT ZINE

Bonjour Tristesse im Interview

bonjour tristesse

Bonjour Tristesse haben vergangenes Jahr ihr Debütalbum „Par un sourire“ noch einmal neu herausgebracht und sind aktuell dabei, ein neues Album aufzunehmen. Grund genug, mit Mastermind Nathanael, der auch der Kopf hinter Thränenkind und Bassist bei Heretoir ist, einmal persönlich zu quatschen.

Hey Nathanael. Danke, dass du dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten!
Wie kam es dazu, dass du „Par un sourire“ noch einmal neu aufgenommen hast? Was hast du dabei anders gemacht?
Für mich war das Projekt Bonjour Tristesse eigentlich abgeschlossen. Mein Ziel war 2008 ein Black Metal Album zu schreiben, das ein Ventil sein sollte, für all die negativen Elemente, die mein Leben beeinflussen. Nachdem das Album 2010 released wurde, war dieses Ziel für mich erreicht. Anfängliche Pläne, ein zweites Album zu schreiben, wurden auf Eis gelegt, da ich von Teilen der „Black Metal Szene“ immer mehr angewidert war. Damit war für mich das Kapitel Bonjour Tristesse abgeschlossen.
2015 kam Mareike von MDD Records auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, das Album neu zu veröffentlichen. Sie hatte richtig Bock, das Ding rauszubringen, das hat mich dann letztendlich dazu bewogen das Album in etwas neuem Gewand nochmal zu veröffentlichen. (Auch weil ich Markus von MDD schon über Thränenkind kannte und wusste, dass er ein netter Typ ist und NULL Bock auf Nazis hat).

Soweit ich das mitbekommen habe, gab es Probleme bei der Plattenproduktion. Wird eine Vinyl Version doch noch erscheinen und wenn ja wann? Was hat zu den Verzögerungen geführt?
Ein leidiges Thema. Vorweg: Ja, es wird definitiv eine Vinyl Version des Albums erscheinen. Bisher gab es labelinterne Probleme, überlastete Presswerke, schlecht produziertes Vinylcut Material und einiges mehr. Es ist sehr anstrengend zu sehen, dass fast ein Jahr nach der Veröffentlichung des Rereleases immernoch keine Platten erhältlich sind.
Aber es gibt gute Neuigkeiten: Die Vinylversion wird nun über Supreme Chaos Records erscheinen. Das heißt, dass etwa Mitte des Jahres (spätestens aber im Herbst) die LP endlich fertig sein wird.

Mir persönlich gefallen die Neuaufnahmen ja besser. Aber es gibt natürlich Menschen, die eher an dem „alten“ „rohen“ „authentischen“ Sound festhalten. Wie waren die Reaktionen eurer Fans darauf?
Das Rerelease wurde sehr positiv aufgenommen. Es gab gute Rezensionen in Magazinen und viele Leute fanden Gefallen an den neuen Versionen. Es ist ja auch kein klassisches Rerelease geworden: Ich habe einige Songs umarrangiert, neue Gitarrenspuren eingespielt, Samples durch neue ersetzt oder gestrichen und alles wurde neu gemischt und gemastert, wobei der rohe Sound des Originals weitgehend erhalten blieb, aber eben doch etwas differenzierter wurde.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass ihr euch mit dem Re-Release noch einmal neu ‚erfunden‘ bzw. positioniert habt: Mit neuem Artwork und klaren politische Statements. Wolltet ihr damit weg von der „klassischen“ Black Metal-Ästhetik und der Szene?
Ich wollte die Chance nutzen, welche ein Re-release nach so vielen Jahren für mich bot, die schon in der Originalversion vorhandenen Thematiken weiterzuspinnen. Themen wie Trauer, Depression, der Drang nach Freiheit, die Unzufriedenheit mit dem Status quo und die Kritik am repetitiven Alltag unserer „zivilisierten“ Welt waren schon Teil des 2010er Releases. Diese wollte ich nun wieder aufgreifen und konkretisieren, zuspitzen und die Band Bonjour Tristesse wieder zu einer Möglichkeit für mich machen, all die Negativität die mich umgibt zu verarbeiten. Im Klartext, um die ganze Scheisze in etwas Kreatives umzuwandeln.
Bonjour Tristesse ist eine „Red Anarchist Black Metal“ Band, welche aus einem Mitglied besteht das vegan und straight edge lebt. Wer damit ein Problem hat, muss die Musik ja nicht hören.
Ob die Leute, die die Band hören, nun Punks, Crusties, Hardcore Kids, Black Metaller der alten Schule oder Menschen die sich keiner Szene zugehörig fühlen sind, ist mir egal, solange sie in der Lage sind, kritisch zu reflektieren was in dieser Welt und innerhalb ihrer erdrückenden Macht- und Ausbeutungsmechanismen falsch läuft (eine klare Positionierung gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus setze ich dabei voraus).

Das neue Artwork, das ich übrigens sehr gelungen finde, ist von WritteninBlack, der z.B. auch das Artwork für Bands wie Red Apollo gemacht hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Das ist schnell erzählt. Wir haben mit Thränenkind einige Shows zusammen mit Red Apollo gespielt. Da habe ich Sascha (von Writteninblack) persönlich kennengelernt. Ich mochte seine Sachen schon eine ganze Weile und da habe ich ihn einfach gefragt ob er Lust hätte das neue Coverartwork zu gestalten. Er hat meine Ideen perfekt umgesetzt und wir sind beide sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Ihr habt im vergangenen Jahr mehrmals eindeutige Statements abgegeben, dass ihr euch als anarchistische, kapitalismus- bzw. systemkritische, linke Band versteht.
Wie wichtig ist Politik bzw. eine politische Aussage für Bonjour Tristesse? Ich hatte den Eindruck, dass politische Themen eher für Thränenkind „reserviert“ sind und sich BT eher mit Emotionen und Zwischenmenschlichem beschäftigt.
Die Band ist ganz klar eine politische Band. Früher war das vielleicht nicht so offensichtlich, doch auch 2008 gab es schon einige Aspekte die in die Richtung deuteten, welche die Band heute deutlicher denn je eingeschlagen hat. So stammt der Bandname zum Beispiel aus dem Gedicht „À Peine Défigurée“ von Paul Eluard. Ein kommunistischer Schriftsteller, der Teil der Résistance war und während des zweiten Weltkriegs gegen die Nazis gekämpft hat. Von daher war schon seit Beginn der Band klar, aus welcher politischen Ecke diese Musik kommt. Mit dem Rerelease wurden Ansätze wie diese dann verstärkt hervorgehoben und konkreter umgesetzt. Aber auch Emotionen und Zwischenmenschliches gehören nach wie vor zum Themenspektrum der Band.

Wie waren die Reaktionen eurer Fans darauf? Wie wichtig ist dir eine politische Haltung gerade als Black Metal Band?
Wir haben einige Fans aus dem linken Spektrum dazugewonnen, das ist schön zu sehen.
Gerade als Black Metal Band ist es meiner Meinung nach unumgänglich sich politisch zu positionieren. Das Genre des „klassischen“ Black Metal und die dazugehörige „Szene“ sind leider über weite Teile von rechtsoffenem bzw explizit neonazistischem Gedankengut unterwandert bzw durchdrungen. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Black Metal Hörer ein Nazi ist, aber ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der „true“ Black Metal Szene toleriert ganz klar rechte Bands. Vor diesem Hintergrund ist es für mich einfach wichtig, deutlich zu machen, dass ich selbst klar Stellung gegen rechte Ideologien beziehe. Interessanterweise ist gerade in den letzten Jahren die Zahl der linken und anarchistischen Black Metal Bands gestiegen. Das ist eine positive Entwicklung und bereichert dieses Genre ungemein. Ein Teil dieser Bewegung ist auch Bonjour Tristesse.

Welche Rolle spielt die französische Sprache für Bonjour Tristesse? Ist das eine Referenz auf den Film, auf andere französische Bands oder magst du einfach nur die Sprache?
Wie gesagt kommt der Bandname aus einem französischen Gedicht. Desweiteren mag ich den Klang der Sprache. Und auch das Buch von Francoise Sagan lieferte einige Inspirationen.

Du bist ja auch noch schwer beschäftigt in anderen Bands (Thränenkind, Heretoir). Schreibst du denn trotzdem noch Material für Bonjour Tristesse? Wenn ja, in welche Richtung wird das musikalisch gehen?
Tatsächlich bin ich schwer beschäftigt. Neben den oben genannten Bands habe ich noch einige weitere Projekte, an denen ich arbeite. Mensch darf also gespannt sein was da noch so alles kommen wird.
Aber tatsächlich arbeite ich auch an neuem Material für Bonjour Tristesse. Genauer gesagt, ist das zweite Album bereits komplett fertig geschrieben. Auch die Texte sind bereits vollständig. Die Preproduction steht und die Songs werden in den nächsten Wochen bzw. Monaten aufgenommen.
Die neuen Songs sind musikalisch weiterhin sehr düster. Allgemein ist das Album härter als sein Vorgänger, es gibt schnellere Songs, mehr Blastbeats, allerdings kommt auch die depressive Atmosphäre und melancholische Melodien nicht zu kurz. Es wird ein verzweifeltes, trauriges, aber auch kraftvolles und aggressives Album.

Und weißt du schon, wann es neues Material von euch geben wird?
Ich hoffe, dass das Album im Herbst oder Winter 2016 erscheinen wird.

Besteht denn die geringste Chance, euch auch einmal live zu sehen? Wenn ja, in welcher Besetzung – evtl. mit der von Thränenkind?
Ich denke viel über eine Liveumsetzung der Band nach. Es wurden auch schon Gespräche mit einigen Leuten diesbezüglich geführt. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. Wenn sich interessierte Menschen finden ist aber eine Liveumsetzung nicht ausgeschlossen.

Fun-Frage zum Abschluss: Verbindet euch irgendetwas mit der Zeitschrift „bonjour tristesse“ aus Halle?
Nein. ;P

Danke dir für das Interview! Hier wäre jetzt noch Platz für ein paar letzte Worte.
Ich danke dir für die Möglichkeit hier über die Band zu sprechen. Desweiteren danke ich allen Menschen denen meine Musik etwas bedeutet. Macht kaputt was euch kaputt macht.

Facebook/Bandcamp

Malina Palmer

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