Spass kostet…GEMA!

hank

Als Veranstalter, aber auch Besucher von Konzerten im alternativen Musikspektrum, bekommen wir am Rande immer mal mit, wie „zu hohe“ Eintritte potentielle Showbesucher abschrecken oder auf direkte Ablehnung stoßen.
Aus diesem Grund wollen wir mal einen groben Einblick geben, welche Kosten und Ausgaben bei Konzerten so anfallen und weshalb die Eintritte heutzutage mehr kosten als zum Beispiel vor 15 Jahren.
Aber auch, warum es dennoch so wichtig ist die lokale Szene zu unterstützen und daraus resultierende positive Erfahrungen mitzunehmen.

Früher war alles besser?
Wenn wir uns an unsere jüngeren Tage zurück erinnern, als man Montags in der Schule abgeschissen hat und die Woche sicherlich nicht so locker rumbekommen hätte, wenn man sich nicht auf das kommende Wochenende freuen, oder das zurückliegende noch in guter Erinnerung halten konnte. Kohle hatten wir kaum, dennoch sind wir in umliegende Städte gefahren und haben versucht alles an Shows mitzunehmen, was nur irgendwie möglich war. Große Auswahl hat sich da in der ostzonalen Provinz leider nicht geboten, so hatte man meist lokale Punkbands oder Hardcore Bands, welche man zum Teil schon zum 6. mal gesehen-, die man aber trotzdem vom ersten bis zum letzten Ton abgefeiert hat.
Blaue Flecken oder aufgeschlagene Knie waren gang und gäbe. Je mehr desto besser… dass war unsere Devise. Wer erinnert sich denn nicht gern an Zugfahrten oder 30 Minuten Fußmärsche zurück, die man mit seinen Freunden gern in Kauf genommen hat um der Langeweile zu entrinnen. Kleidungsstil, Hautfarbe oder Herkunft haben für uns nie eine Rolle gespielt. Das war Punk und war verantwortlich für die schönsten und prägendsten Erinnerungen meiner Jugend.

Punk is dead?
Heute veranstalten wir selbst Konzerte und versuchen den Menschen Erinnerungen zu ermöglichen, die uns erst an diesen Punkt gebracht haben, an dem wir jetzt stehen. Die Zeiten in denen man auch zu kleineren, lokalen Shows noch 30-50 Gäste Minumum vorzeigen konnte, scheinen vorbei zu sein, denn mittlerweile bekommt man ohne Headliner leider kaum noch genug Leute zu einer Show, doch was sind die Gründe?
Zum einen gibt es mittlerweile, durch technischen Fortschritt, die Möglichkeit sich sämtliche Bands aus jeglichen Ländern der Welt digital anzuhören. Merch oder Tonträger kann man ebenso online erwerben, warum also noch auf einen Gig gehen?
Zum anderen ist anscheinend der Spirit und das Gemeinschaftsgefühl irgendwo auf der Strecke geblieben. Scheint es mittlerweile doch immer öfter so, dass Kleidung und äußeres Erscheinen wichtiger geworden sind als das eigentlich Wichtige, wie das familiäre Umfeld, die Atmosphäre und vor allem die Musik!

Wofür zahle ich denn überhaupt den Eintritt?
Um euer Verständnis, für die mittlerweile alltägliche Eintrittspreisspanne zu gewinnen, möchten wir  euch an dieser Stelle einen kleinen Einblick geben, wofür der Eintritt vom Veranstalter verwendet wird.
1. Location/ Getränke/ Essen
Um eine Show überhaupt in Angriff nehmen zu können, ist es selbstverständlich klar, dass es einer Location benötigt. Nicht jede Stadt hat ein AJZ oder besetzte Projekte, aber wenn ihr schon das Glück habt, in einem Ort zu wohnen, an dem diese Möglichkeit geboten ist, so nutzt sie. Dementsprechend muss man an dem Ein-oder anderem Veranstaltungsort schon mal mit einer (vielleicht gar nicht mal so) geringen Miete rechnen und diese von vornherein mit einkalkulieren. Ebenso möchte man als guter Gastgeber den Bands und Beteiligten eine Mahlzeit stellen und auch mit Getränken verpflegen, was ebenso Geld kostet. Da es uns- und auch anderen Veranstaltern wichtig ist, allen Beteiligten und nicht nur dem Publikum, einen angenehmen Abend zu bereiten, ist uns der Punkt Verpflegung besonders wichtig.
2. Techniker/ Technik/ GEMA
Mit dem technischen Fortschritt, haben sich natürlich auch die Ansprüche von Künstlern und Publikum weiterentwickelt. Dicker Sound, drückende Basswand und Atmosphäre. All das ist gewünscht und kann eben nur durch Geld finanziert werden, Boxen, Beleuchtung, Verkabelung und weitere Technik sind halt leider auch nicht das billigste Problem von Veranstaltern. Der Techniker bekommt für seine Mühen und Arbeiten auch etwas Entlohnung, schließlich soll jeder auch spüren, ein Teil im Gefüge zu sein. Außerdem sind Diy Shows mittlerweile zu einem bürokratischem Wirrwarr verkommen, welches durch GEMA Listen zu einem stets nervenden Papierkrieg führt. Auch diese Kosten muss man mit einberechnen. Eine lustige falsch ausgefüllte Liste kann auch schnell zu kosten führen, denn nur wenn Gema-freie Bands die Listen korrekt ausfüllen ist man von der Gebühr befreit. Aufwendig und nervig, aber es muss nun mal sein.
3. Gage/Sprit/Unterkunft
Die Hauptkosten eines Gigs liegen meist bei den Spritkosten oder Gage der Bands. Heutzutage spielen Bands schon zu sehr geringen Gagen, die wohl kaum die eigenen Kosten decken – und trotzdem müssen Veranstalter aus eigener Tasche draufzahlen. Ein Gig ist auch wesentlich mehr als 30 Minuten Unterhaltung – die Bands stecken viel Geld in ihr Equipment und eine Menge Zeit und Nerven in das Schreiben und Proben der Songs. Wenn man als Veranstalter Pech hat, dann hat man nicht mal eine Bleibe für die Bands zur Verfügung. Kein Ajz, keinen Jugendclub, in dem die Bands kostenlos schlafen könnten. Dann muss man auch noch eine Menge Kohle für ein Hostel ausgeben.
4. Schutz
Nicht immer verläuft alles ruhig auf so einem Konzert. Gerade in dem naziverseuchtem Hinterland kommt es oft dazu, das sich Faschos auf Shows begeben um dort Stress anzufangen. Deshalb muss man sich oft um Hausschutz kümmern. Oft machen das solidarische Genossen, die dafür keinen Cent sehen wollen. Aber auch diese Aufgabe sollte man würdigen, dass draußen vor der Location ein paar angespannte Leute stehen, die im Ernstfall das Konzert und die Besucher verteidigen und ihre körperliche Unversehrtheit damit aufs Spiel sitzen. Es wäre nur fair, diesen lieben Personen auch eine Belohnung zuzustecken.

Support your local Scene
Ihr seht, so ein Konzert ist kein günstiger Spaß und immer mit einem finanziellen Risiko für die Veranstalter verbunden. Das schüchtert uns natürlich nicht ein und wir versuchen immer weiter, DIY Shows am Leben zu erhalten! Lasst euch auch nicht einschüchtern. Veranstaltet selbst Konzerte und schätzt die Arbeit derer, die in irgendeiner Form bei Konzerten teilhaben. Kein Veranstalter einer kleinen Underground-Show verlangt gern einen Zehner Eintritt, aber manchmal muss es (noch) sein. Trinkt mal ein Bier weniger und meckert nicht am Einlass, das ist gut für die Nerven von uns allen. Als Punk Rock Kids waren wir dankbar für jede kleine Show in unseren Käffern und haben das alles supportet. 1,5 Liter Flasche Wasser „reingeschmuggelt“ (als ob das überhaupt jemand interessiert hätte) und zu jeder Band ausgerastet! Geht auch zu kleinen Shows ohne großen Namen, da reissen sich Leute den Arsch für die Szene auf. Außerdem ist es doch toll, junge Bands bei ihren ersten Auftritten zu erleben! Punk ist nicht immer die coolsten Klamotten  am Start zu haben – auch wenn wir diesen Luxus jeden gönnen.
Punk, dass ist verschwitzt mit vielen anderen in einem dreckigen Kellerraum eine Band abzufeiern. Stagedives sind Punk! Den Underground supporten ist Punk! Wenn ihr euch als ein Teil der Szene fühlt, dann geht auch auf kleine Shows, supportet junge Bands und nehmt auch mal was selbst in die Hand. Nur so können wir das Ganze am Leben erhalten.

Wir sehen uns auf Shows, ob bei uns in Weimar oder bei den tollen Menschen in anderen Städten.

Cheers, TRVEFRYKT.

 

2 Kommentare

  1. Punk ist zuerst ein Modephänomen, das seinen Witz schon vor 35 Jahren verloren hatte. Trotzdem geht es eben zu einem großen Teil um optische Abgrenzung, was selbstverständlich in „den coolsten Klamotten“ besteht.
    Und als Band nur für Benzikosten zu spielen ist schon lächerlich. Ich habe es noch nie erlebt für unter 100 € Gage für jedes Bandmitglied + Spritkosten anzureisen.

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    1. 100 € pro Nase plus Spritkosten? Gegenüber einem Veranstalter von kleinen DIY Shows finde ich das lächerlich.
      Gespielt wird für Essen, Trinken und Spritgeld, wenn mehr hängen bleibt kann das ein Bonus sein.
      Als anständige Band spendet man den Bonus der Location, so geht Szene.

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