Carnal Tomb – Rotten Remains

a0671317398_10Wieder mal so ein elendiger Tag an dem man aufwacht und einfach alles zum Kotzen findet. Zum Glück haben die Berliner Death Metaller von CARNAL TOMB gestern mit ROTTEN REMAINS ihren Debutlangspieler veröffentlicht. Warum das Teil absolut taugt und wie es die Jungs schaffen euch alles aus dem Kopf zu knüppeln, erfahrt ihr hier.

Nachdem mich das Artwork, das in klassischer Death Metal Manier düster und morbide von César Valladares Illustration entworfen worden ist, schon auf ganzer Linie überzeugen konnte, wurden meine Erwartungen an ROTTEN REMAINS recht schnell, recht hoch gesetzt.
Doch schon der Opener UNDEAD DREAD erfüllte diese ganz und lies zu hoffen, dass auch der Rest der Scheibe so erbarmungslos wegfegt. Die Vocals sind im Vergleich zu den beiden vorherigen Tonträgern noch ein ordentliches Stück gereift und besser geworden, was die hiesige Stimme an Szenelegenden wie John Tardy (OBITUARY) oder auch Ola Lindgren (GRAVE) erinnern lässt. Bei einem Livekonzert dürfte man, bis mindestens zur dritten Reihe, Blut und Galle abbekommen, die Sänger Cryptic Tormentor beim Singen spucken dürfte. 13731942_559230994248311_3222170618573700163_oEin weiterer großer Fortschritt sind die Riffs, welche mir an sich schon in den Vorgängern gut gefallen haben, aber in Sachen Atmosphäre einfach alles umhauen können und schon den ersten Track zu einem wahrlichen Meisterstück werden zu lassen. Neben gewohnt finsteren Riffgeschrammel, findet man gruselige Horrormelodien, die sich eben mal im Ohr festsetzen und bei Hörern die Nackenmuskeln komplett beanspruchen werden. UNDEAD DREAD besitzt eine durchaus interessante Songstruktur, so gibt es Soloparts für beinahe alle Instrumente, wobei der Bass in diesen Passagen am positivsten hervorsticht, da er eine gewaltige schwärze und tiefe in den Track bringen kann. Am besten gefällt mir jedoch die Stelle, welche circa in der Mitte des Tracks überrascht, in der die Stimme aussetzt und ein Horrorklassiker Sample eingespielt wird, während die Instrumente gewohnt kalt ihrem Werk nachgehen.
BENEATH THE COFFINS folgt als Zweiter Song und umgarnt mit langem, ruhigen Intro, in dem sich Bass und Schlagzeug schonmal austoben können, bis ein kräftiger Gewaltorkan einsetzt, der dann wieder auf den Boden der Tatsachen holt und dem Hörer den nackten Angstschweiß aus den Poren treibt. Besonders die Drums sind in diesem Song hervorzuheben, denn nicht nur Blastbeatgewirbel ist hier an der Tagesordnung, nein, auch feine Klänge und Beckengesmashe mit Gefühl gibt es hier im Dauertempo und auf durchweg hohem Niveau zu erhaschen. Der Track klingt wie eine finstere Mischung alter Grave und Dismember Sachen, womit die Berliner wohl äußerst schnell das Herz des Old school Death Metal Fans können. Gegen Ende zaubert die Gitarre dann nochmal einen unglaublich dunklen Mahlstrom herbei, der BENEATH THE COFFINS gekonnt ausgleiten lässt und den 3. Song FUNERAL einleitet. Auch hier wird der Hörer erstmal mit instrumentellem Gewirbel eingestimmt, während die Atmosphäre nochmal um einige Grade kälter wird. Stellt euch einfach vor, ihr stolpert durch die Straßen Berlins, bei Nacht, mit Zombieapokalypse im Rücken und Stromausfall. Wenn ihr euch diesen panischen Anfall authentisch vorstellen könnt, könnt ihr euch auch in den Song hereinfühlen, denn FUNERAL treibt und jagt, bis zur Minute 2:30 wo dann eine meisterliche Melodie gespielt wird, die vielleicht sogar die beste auf der Scheibe sein könnte.13041350_523908141113930_6849675467290679965_oCYCLE OF HORROR folgt und hat direkt mein Herz erobert! Für mich definitiv das beste Lied des Albums, zum einen weil das Mainriff absolut überragend ist, zum anderen ist die Songstruktur hier am interessantesten. Am Schlagzeug wird ein Glockenspielsolo hingelegt, was durch schon erwähntes Riffing und die angepissten Vocals komplett abreißen kann. Highlight des Tracks sind aber die Basslines im ruhigen Mittelteil, die live sicherlich für viel Bewegung sorgen können, da sie an Side to Side Parts der Ein- oder anderen Metallic Hardcore Band erinnern kann.
Physische Kopien dieses Tonträgers gibt es über das, für seine Undergroundreleases bekannte, spanische Label MEMENTO MORI oder WEEDHUNTER RECORDS. Ob es zeitnah auch noch eine Vinyl Version der Scheibe eben wird, bleibt abzuwarten und zu hoffen. Das Album ist jedoch, egal ob als Tape oder CD, 13700013_558855834285827_5653575890482283206_nein absoluter Augenschmaus und lohnt definitiv für die Sammlung, oder als Wutsoundtrack bei der morgendlichen Fahrt zur Arbeit.
Nun aber zurück zum musikalischen Teil. 5. Song ist der Titelgeber des Albums ROTTEN REMAINS, der mit gruseliger Pianomelodie eröffnet wird, bevor auch hier wieder ein kaltes Killerriff einsetzt und den Tonträger weiterhin auf hohem Niveau halten kann. Das Tempo wird langsam gesteigert um dann mit einem fiesen UUUUURGH unterbrochen zu werden, nur um nach dieser Sekundenstille mit brachialen Klängen zu begeistern. Von der Atmosphäre her, ist dies auf jeden Fall der dichteste Song der Scheibe, was nochmal die klassischen Lyrics aus den Bereichen Horror, Morbidität und Tod unterstreicht und mit wahrer Leichtigkeit in seinen Bann ziehen kann. Weiter geht es mit CEMETERY INVERSION, der sich recht schnell als klassische Abrissbirne herausstellt und durch Blastbeats und brutalen Melodien vorantreibt und live sicherlich für heftiges Kopfgewackel sorgen sollte. Hier ist die Songstruktur etwas einfacher gehalten, was aber der Qualität nichts abtut und sogar erfrischend knackig daherkommt. Definitiv ein Song, den man nur in ordentlicher Lautstärke aus den Boxen dröhnen lassen sollte, zumindest wenn man ihn zu 100% genießen, oder einfach nur Eltern, Nachbarn oder Mitbewohner ärgern möchte.
13325637_538911029613641_9036290855874841242_nREPOSITORY schließt dann nahtlos an seinen Vorgänger an und wirkt ebenfalls unglaublich kühl und angepisst, während die Gitarre auch mal das ein oder andere leicht groovige Riff durchsickern lässt, um die Verwischung zu einem lahmen, brutalen Einheitsbrei zu verhindern, was den Mannen auch problemlos gelingt. Mit dem vorletzten Track WAKING IN A CASKET nähern wir uns dem Ende der Scheibe, was eigentlich auch ganz gut ist um sich mal wieder zu entspannen und Licht ins Zimmer zu lassen, denn Angstschweiß und Adrenalin pumpen immer noch unerlässlich. Machen wir´s kurz und knapp, der Song bleibt in den morbiden Gefilden, ohne an jeglicher Qualität zu verlieren und kann im Mittelteil mit einem wunderbaren Break überraschen und die durch vorangegange Songs erzeugte Stimmung beinahe zum Überkochen bringen, während man gespannt ist, wie der letzte Titel das noch ehrwürdig abrunden kann. Die Losung ist einfach, denn REPULSIVE MUTILATION bringt den Bass wieder mehr in den Vordergrund und kann durch unterschiedliches Tempo der Instrumente nochmal eine ganze Menge frischen Wind reinbringen. Die Drums schleudern in hohem Tempo umher, indessen sich das finstere Riff strudelartig wiederholt und in seinen Bann zieht. Nur die ruhigere, stimmungsvollere Passage, kann noch etwas mehr überzeugen, da der Fokus an jener Stelle auf den Instrumenten im einzelnen und nicht im ganzen Komplex liegt.13323426_538904426280968_5019775309894580478_oCARNAL TOMB haben mit ihrem Debut alle meine Erwartungen übertroffen und zeigen erneut, welch düsteren Einfluss die Hauptstadt auf den Metal des Großstadtmolochs Berlin zu haben scheint. ROTTEN REMAINS ist ein Tonträger zum laut aufdrehen, zum Eintauchen in Horror- und Gruselfantasien, sowie zum Frust rauslassen. Absolut klasse Scheibe, die wir hoffentlich auch bald noch auf Vinyl finden werden. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, denn CARNAL TOMB-ROTTEN REMAINS ist definitiv die beste deutsche Death Metal Scheibe die ich in diesem Jahr bisher gehört habe!

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