Gorgonoisid – S/T

gg1Direkt aus der Mainmetropole Frankfurt kommt der düsterste Tonträger, der mir seit langer Zeit in die Hände gefallen ist. GORGONOISID verbinden in ihrem selbst betiteltem Debutalbum düsterste Doom Klänge mit kaltem, grauen Noise Rock und dem Dreck, welcher nur von einem guten Sludgerecord kommen kann. Weshalb die Atmosphäre so wahnsinnig gut ist und wie die Instrumente ihren Beitrag dazu leisten, erfahrt ihr hier.

GORGONOISID, als wäre dieser Name nicht schon finster genug, schaffen es mit hörbarer Leichtigkeit, in den Punkten Ambiente und Stimmung noch einen ganzen Gruselfaktor draufzulegen. Die Scheibe ist dermaßen fies und rau geworden, dass es dem Hörer sehr einfach gelingt in die dargebotene Szenerie der Platte einzutauchen zu können.
ggIrgendetwas stimmt hier nicht. Nein! Ganz und gar nicht. Diese gequälten Schreie und dieser Geruch
FORTH INTO THE VOID, der Opener, startet mit verzweifelt, dem Wahnsinn nahen Vocals deren Hilflosigkeit und Angst beinahe greifbar sind, während der Bass den ganzen Moloch der mal Frankfurt gewesen zu sein scheint, mit seinen schweren und dumpfen Lines zum Erbeben bringt und dermaßen viel Staub aufwirbelt, dass man die Hand vor Augen absolut nicht mehr erkennen kann. Langsam sollte auch dir bewusst werden, das hier vielleicht doch mehr im Gange ist, als du dir einzigestehen versucht hast, denn das Gitarrenriffing schnürt in gemächlichem Tempo, aber mit der Schwere eines Betonklotzes, die Kehle zu und drückt auf den Kloß, der seit 3 Minuten im Hals festsitzt. Die Sirene, welche gegen Ende des Tracks einsetzt und sich hypnotisch in die Ohren bohrt, trifft dich dann wie ein Schlag. Hier läuft tatsächlich etwas gewaltig schief und du solltest wirklich schleunigst an Land gewinnen um dem zu entkommen, was da vor sich geht. Die Melodien werden treibender und schneller, das blecherne Schlagzeug wirbelt umher und gibt gefühlte 10 Töne/Sekunde ab, was der Schlagzahl deines Herzes entsprechen dürfte, denn mittlerweile rennst du ja schließlich die Treppe herunter, weil du dich in deinen eigenen vier Wänden einfach nicht mehr sicher fühlst. Die verzweifelten Schreie, sind hörbar in aggressivere und wutverzerrte Sphären abgedriftet, was deinen Schrecken nun auch manifestiert. So endet der 2. Track THEY ALL WANT TO BE SLAUGHTERED…
Du bist die Treppe runtergesprintet, nun an der Haustür deines Wohnblockes angekommen und kannst einfach nicht glauben was du beim Öffnen jener Pforte zur eigentlichen Freiheit entdecken musst. MOON OVER THE MED lässt dich jedoch sofort in eine schützende Trance fallen, während du dich umblickst und versuchst zu realisieren, welches Trümmerfeld da vor dir liegt. Eine hallende, trostlose Stimme bahnt sich einen Weg durch die nebligen Fade jenes Tagtraumzustandes und holt dich nach und nach in die Gegenwart zurück. Das langsame und kalte Riffing ziert schaurig das komplette Ausmaß der Katastrophe. Doch dann ganz plötzlich werden die Klänge schneller und schneller. Etwas nähert sich und kommt mit rasanten Schritten in deine Richtung gerannt, was dich ohne groß zu zögern zur Flucht treibt und jetzt die Frage nach einer sicheren Bleibe aufkeimen, aber in den Hintergrund rücken lässt.
Doch was zur Hölle ist hier eigentlich passiert? Was hat der Staub zu bedeuten? Oder die Schreie?  Da sind sie wieder, die verzweifelten Gitarrentöne, welche erneut ihr Klagelied durch die schmelzenden Strassen der Stadt tragen und mit Hilfe suchenden, angstverzerrten Vocals den Schauer zurückbringen.
I SHALL WEEP AND LAMENT bietet dir dann die hymnisch, melancholische Untermalung, auf der Suche nach einem ungefährlicheren Ort zum Ausruhen, die bisher noch etwas gefehlt hat, aber leider auch nicht für aufhellende Gedanken sorgt, sondern das ganze Areal vergraut und verdichtet. Nachdem du in einer halb herausgesprengten Kneipenfront Unterschlupf finden konntest, wird deine Ruhe jäh durch schmerzerfülltes Stöhnen unterbrochen, was jedoch schon nach kurzer Zeit verstummt und dich zum ersten Mal seit Beginn der Krise etwas durchatmen lässt. Ganz langsam kommt dir etwas in den Sinn gekrochen, es dämmert dir unter Mithilfe von langsamen Riffs und düsteren Basslines. Plötzlich scheint alles ganz klar zu werden, oder vielleicht doch nicht?
RETURN OF THE NUCLEAR SUMMER, als du diese Gedankenfetzen realisierst, fängt dein Herz unaufhörlich an zu schlagen und Panik durchzieht deinen, vor Angst zitternden Körper. Der Sound nimmt wieder an Fahrt auf, was als deutliches Zeichen des erneuten Aufbruchs zu verstehen sein dürfte. Wohin nur? Krankenhaus?
Auf dem Weg ins nächstliegende Hospital hältst du dich dann zwar fernab von allen größeren und offenen Flächen, aber leider kann dir das auch nicht weiterhelfen. Schlammige, dreckige Klänge kündigen eine kommende Gefahr an und lassen dir das Blut in den Adern gefrieren. Mit einer gewaltigen Entladung der Instrumente und einem Killerriff bist du dann plötzlich willig dich dem Feind zu stellen, der sich als BLACKFACED entpuppt und dir, bis auf das schäbige, leicht deformierte Äußere, augenscheinlich gleicht. Das jetzt durch dich schießende Adrenalin, sorgt dafür, dass du die abnorme Kraft aufbringen kannst, dieses Biest mit einem kräftigen Ruck umzustoßen, schnell wieder Fuß zu fassen und dann in den nächsten Hauseingang zu flüchten, was mit einem instrumentellen Gewitter einhergeht. Jetzt gilt es die Tür zu verbarrikadieren, was gut gelingt, da genug Schutt und Baureste herumliegen. Aber scheinbar ist dein verzerrtes Ebenbild, oder was auch immer das für eine Kreatur eigentlich ist, um einiges stärker als erwartet, denn mit tollwütigen und unmenschlichen Sprüngen wirft es sich gegen die verrammelte Tür und zu deinem Pech verheißt die Barrikade auch nicht die aller stärkste zu sein und so gibt sie Stück für Stück nach, was dich zu einer erneuten Flucht zwingt.
gg2OKUMA, dieses Wort geht dir, in Kombination einer wirren, düsteren aber irgendwie auch antreibenden Melodie, im Kopf umher. Nach oben und zwar verdammt schnell, da musst du hin! Denn da ist sie, die rostige, rettende Stahltür zum Dach. Deine Gedanken kreisen und so hast du in deiner Hast völlig vergessen, warum du dieser Situation überhaupt ausgesetzt bist. Mit einem festen Ruck gelingt es die Tür zu öffnen, was leider nicht die cleverste Entscheidung gewesen zu sein scheint, denn die Luft hier oben ist zum greifen dick, ekelerregend versmogt und drückt dir schon nach einigen, kurzen Atemzügen die Luft ab. Jetzt heißt es irgendmöglich, sich selbst zu motivieren und nochmal eine letzte Kraftreserve zu lockern, um in einer der Wohnungen im Obergeschoss Rückzug zu finden.
DOWNFALL OF ELASTICMAN brummt als Ansage aus irgendeinem Radio, nicht weit entfernt, durch den Flur des Stockwerks. Ganz leise, aber dennoch hörbar. Dein Körper gibt sich noch mal einen Ruck und folgt, zu fiesen Sludgeklängen, der Radioansage. Unten aus dem Hausflur kommen derweil Geräusche, die vermuten lassen das dein Ekel-Ich sich einen Weg ins Innere bahnen konnte, was dich entschlossen dazu bewegt, an der verheißungsvollen Tür zu klopfen, die sich dann zu deiner Überraschung auch tatsächlich öffnet. Schnell zwängst du dich herein, verschließt schnell und zitternd die Tür hinter dir und schnaufst erstmal kurz durch. Mit pochendem Kopf schaust du dann nach deinem Retter, kannst jedoch  aufgrund mangelnder Elektrizität gerade so deine Hände vor den Augen erkennen. Doch dann, weiter hinten im Raum, siehst du im Kerzenschein deinen Wohltäter stehen was dich zu nächst erschrecken lässt und dann schockiert. Es ist ein Mann, ein alter Mann… ein alter, verletzter Mann, mit verbrannter Haut im Gesicht und an den Armen, mit denen er die Kerze hält.
Er faselt wirr vor sich hin, I COULD BE SATAN sind Worte, die öfter aus seinem Mund kommen, doch dir absolut nichts sagen. Nachdem du deine Situation abgewogen hast, kommst zu dem Entschluss erstmal in dieser Wohnung zu verharren und einen neuen Plan zu verfassen, wie es dir gelingen könnte schnellstmöglich zum Krankenhaus zu kommen, um dort vielleicht längerfristigen Schutz zu finden, aber zumindest um an weitere Informationen über die derzeitige, verstörende Lage zu gelangen. Der Feind aus dem Erdgeschoss hat mittlerweile, hörbar die Treppen erklommen, so verdichtet sich die Symbiose der Instrumente erneut und nimmt wieder an Fahrt auf. Durch heftiges klopfen, kratzen und stoßen an der Tür, macht es sich bemerkbar, dein Körper fängt erneut an zu beben, was sich in einer starken, dichten Bassline auszeichnen kann und durch wildes Schlagzeugspiel gestützt wird. Zu deiner Verzweiflung, bricht die letzte Barriere zwischen dir, dem alten Mann und dem Vieh draußen, die Tür,  endgültig auseinander und mit großen Schritten und einem unglaublich langen, unmenschlichen Sprung, landet die Kreatur auf dir und fängt an dich, wie im Blutrausch oder einer Raserei, zu befallen. Heftiges, schweres Riffing und verzweifelte, bis ins Mark dringende Todesschreie beenden deinen Kampf gegen diesen überstarken Gegner, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. YOU SHOULD BUT I CANNOT sind deine letzten Gedanken, bevor Körper und Geist endgültig aufhören zu sein.
Die darauffolgende Stille braucht der Hörer jetzt erstmal um sich bewusst zu werden, dass das alles gar nicht real, sondern einem wunderbar atmosphärischen und düsteren Tonträger geschuldet war, der den Musikkonsumenten bestimmt noch lange umklammert halten wird.

Für alle Fans von düsterem Doom, Sludge und fiesem Noise Rock ist dieses Album ein absolutes MUST HAVE! Musikalisch, atmosphärisch und auch im Gesamtpaket eine  Bombenscheibe! Die LP gibts bei META MATTER für nen fairen Preis zu ergattern.
Hail GORGONOISID

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