Dragged – We Summon

coverDas Debutalbum von DRAGGED kommt nicht nur mit grandiosem Artwork daher, denn  musikalisch hat das Osnabrücker Duo mit WE SUMMON ebenfalls ordentlich was zu bieten. Sci-Fi addicted Blackened Doom/Sludge in Form eines gewaltigen Monsters, bestehend aus spannender Story, dichter Soundwand und heftigen Blastbeats.
Hell Yeah, was ne Scheibe!

Der Hörer dieses Tonträgers, physisch bisher nur als Tape erhältlich, muss sich auf eine Reise durch ferne Sphären und Galaxien einstellen, die knapp 80min Konzentration abverlangt. Vor ab.. Die Zeit lohnt sich definitiv. Aber ich will nicht lange um den heißen Brei reden, denn der Opener MORPH OBELISKS hat es mit einer Laufzeit von 21 Minuten direkt in sich und schreckt Anfangs etwas ab. Der Track wird in diesem Zeitraum jedoch niemals langweilig, denn in der sehr variablen Songstruktur gibt es äußerst viele musikalische Eindrücke abzugreifen. Eröffnet wird mit schwerem, super langsamen Instrumental und einer bitterbösen Growlstimme, die über der gespielten SlowMo Violence zu schweben scheint und direkt ins Mark vordringt. Nach einigen Minuten atmosphärischer Einleitung gehen die Klänge in widerlich, räudigen Sludge über, welcher einem das Gefühl vermittelt, von irgendetwas verfolgt zu werden. Sofort nimmt der fabrizierte Takt den Hörer in Beschlag und bringt ihm zum freiwilligen, oder unfreiwilligen Mitnicken.draffed4 Die langsamen Doompassagen, wechseln sich mit den sludgigen Parts ab, bis man das Tempo noch weiter anzieht und mit genialen Blastbeats die Stimmung spürbar näher bringt. Auch die Riffs bekommen jetzt mehr Gewicht so wie Schnelligkeit verliehen und scheppern klirrend Kalte Melodien aus den Boxen. Wahnsinn wie gut den beiden der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Genres gelungen ist und wie atmosphärisch dieser erste Song über die gesamte Länge unterhalten konnte.
Mit STREAMS OF TIME..THEY BATHED US geht es weiter und bei diesem Song wird nicht lange gefackelt. Kurzes Drone Intro gefolgt von einem ultrafiesen Blastbeatgebolze, dass das Hirn des Hörers erstmal kräftig durchrüttelt. Auch die Gitarre ist mittlerweile schneidender und etwas melodiöser, als in Teilen des Openers, was mir ziemlich gut gefällt. In diesem Titel zeigen DRAGGED wieder einmal, dass sie unterschiedlichste Stile beherrschen und die Wechsel beinahe nahtlos über die Bühne bringen können.dragged2 Moritz, seines Zeichens Gitarrist und Sänger des Duos, verändert seine Stimmlage merklich in crustigere, krächzende Bereiche, was hervorragend zum Mittelteil des Songs passt, da hier wieder groovige, so wie todfinstere Riffs gebracht werden, welche die Atmosphäre einfach atemberaubend dicht und das Eintauchen in die Sounds einladend leicht machen. Noise und Drone gibt es auch noch massig zu hören, ohne das diese Einflüsse in irgendeiner Art und Weise das gesamte Soundkonstrukt übersteuert wirken lassen. Die Spannung konnte man so meisterlich aufbauen, nur um sie am Ende von einem, erneut gewaltigen, Blastbeatgewitter sprengen zu lassen. Zum Runterkommen gibt es jetzt erstmal ein INTERLUDE zu hören, welches mit ruhiger Melodie und eingespielten Soundeffekten besonders Bock auf die beiden kommenden Songs macht.
Vorletzter Track ist THROUGH SAND AND STONE, welcher im Vergleich zu seinen Vorgängern relativ ruhig ist, da hier komplett auf Blastbeat und Gewalt verzichtet und eher auf Tiefe und Soundwand gebaut wurde. Die Instrumente übernehmen schwere und kräftige Rollen und schwimmen in einem Teich aus den unterschiedlichsten Doom Einflüssen, wie zum Beispiel Sludge und Drone. Das Ende wurde noch mit wunderbarem, sanften Klang versehen, der sofort unter die Haut geht.
WE SUMMON also der Titeltrack, kommt als letztes und haut nochmal ordentlich auf den Putz. Begonnen wird jedoch wieder mit ruhigen ambienten Tönen, um den Hörer auf dieses letzte Inferno vorzubereiten, welches schnell in düstere und heftige Bahnen gelenkt wird. Erneut diese erdrückende Soundwand aus fiesem Riffing und langsamen Drumming, doch dieses mal wird schnell zu Sludgepunk übergewechselt, der jetzt mit geilem Groove und der gewissen Portion Dreck, mal kurzer Hand alles wegfegt und den Nacken zum erzittern bringt.dragged3 Die bereits schon erwähnten Genrewechsel gehen auch in diesem Song ihren Gang und so ist der Switch zwischen flottem und langsamen Tempo ebenfalls ein massiver Teil dieses Tracks. Interessant ist der fast 10minütige ambiente und grandios wirkende Part der Ruhe, welcher ein letztes Erbeben durch Doublebass und Gitarre einläutet. Inhaltlich hat das Debut der Osnabrücker, welches übrigens in der TONMEISTEREI Oldenburg entstanden ist, auch noch ein aufregendes Konzept zu bieten. So erzählt WE SUMMON eine Sci-Fi Geschichte über das Miteinander zweier verschiedener Parteien. Die Tracks sind auf Ereignisse aufgeteilt und werden pro Partei mit 2 Songs vertreten. Das Interlude teilt den Tonträger quasi auf. Bei der Handlung geht es aber nicht zwangsläufig um das kriegerische Gegeneinander, sondern eher um übergeordnete Fragen wie zum Beispiel dem Recht auf Leben. Leben konsumiert anderes Leben um zu existieren. Durch die Story  kann ich mich persönlich noch um einiges intensiver und auch leichter in das Album reinfuchsen. Hier steckt einfach eine riesen Menge Arbeit, Leidenschaft und Liebe drin, was man beim Hören auch super nachempfinden kann.

DRAGGED haben mit WE SUMMON ein beeindruckendes Debut abgeliefert, dessen Laufzeit von 80 Minuten komplett ausgenutzt wurde und ohne nervige Lückenfüllermomente auskommt. Besonders erquickend sind die musikalisch einwandfreien Genrewechsel zwischen Drone Doom, Noise, Black Metal und widerlichem Sludge. Ich kann euch nur empfehlen, schnellstmöglich das Tape dieses Duos zu erwerben, denn dieser Tonträger wird mit großer Sicherheit schnell vergriffen sein.
Ein absoluter Geheimtipp aus der deutschen Doomszene.

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