Pure Disgust – Pure Disgust

pd1Boar was kotzt einen doch die Hitze und vor allem die Helligkeit an! Seit Tagen habe ich ein Laken vor meine Fenster gespannt um wenigstens etwas Abkühlung abzubekommen. Zum Glück haben die Jungs von PURE DISGUST kürzlich ihr Debutalbum veröffentlicht. So kommt nach DEMO und 2 EP´s, die erste richtige LP der DCHC Kombo raus und sorgt für etwas Temperaturabfallin meinen vier Wänden. Wenn ihr schon Fans der Band wart, wird dies wahrscheinlich ein Kandidat für euer Album des Jahres sein, doch auch Neuentdecker werden ihre helle Freude an der Scheibe haben.

Die Selftitled LP der Hardcore Punks scheint schon nach kurzem anspielen aus allen Nähten zu platzen, denn der Opener POTENTIAL CRIMINAL fegt gleich von Beginn an alles weg was ihm in die Quere kommt. Schöner 80er US- Hardcore Punk mit britischem OI! Einfluss und melodischen Riffs, die eingängiger nicht sein könnten. Dieses wilde Gebolze wird durch Singalongfähigen Refrain auf eine neue Stufe gehoben. Mein erster Gedanke?
Hallelujah, was ein Brett!
NORMALIZED DEATH kann total leicht mit blechernen Drums, Vocals die an den SURVIVAL Sänger erinnern und richtig genialer Melodie punkten. Dieser Track kann auf jeden Fall mit dem Opener POTENTIAL CRIMINAL mithalten ohne diesen in seinen Schatten zu stellen. Mit PIPELINE gehts weiter und was soll ich sagen?! Ein absolutes Brett, welches deutlich zeigt wie rotzig die Jungs sind. Selten habe ich so authentische Frustration gehört, wie in diesem Track. Die Vocals, das furiose Drumming und vor allem das knackige Mainriff machen diesen Track zu einem richtigen Highlight der Scheibe. Im Gegensatz zu den ganzen New Wave of British Hardcore Bands wie THE FLEX oder VIOLENT REACTION, ist die Stärke der Amerikaner, nicht das ständige einwerfen von Basssoli, sondern das wilde instrumental Gewirbel. Hier kommt ein Flair von BAD BRAINS- BANNED IN DC auf, was ja aufgrund der lokalen Übereinstimmung gar nicht mal so abwegig ist. Jedenfalls ist die Mischung aus melodisch, rohem OI-Punk und dem aggressiven Geschredder, welches wohlbekannt durch etwaige 80´s HC Bands ist, einfach grandios gelungen. Eine Handvoll angepisster Menschen aus der Hauptstadt Amerikas, die ihren ganzen Frust, ihren Hass und ihre Außenseiterrolle durch Musik auslebt. 100% Einsatz, selten hat mich eine Punkscheibe so frühzeitig in ihren Bann gezogen. Die super eingängigen Riffs und die schroffen Vocals sind dafür ein wesentlicher Faktor.
pd2.jpgRESPECTABILLITY folgt auf diesen geilen Song und sofort schießt mir eine Erinnerung in den Kopf. Der Sound von diesem Track weist nämlich wunderbare Parallelen zur englischen Punklegende CHAOS U.K auf. Das Mainriff ist etwas heller und schneller, als in den bisherigen Liedern, man bekommt den Eindruck vermittelt, dass es PURE DISGUST in diesem Stück eher um die Aussage, als um die Übermittlung von Wut geht. Aber genug gefaselt, denn mit LOST CHILD steht der nächste Kracher auf dem Programm. Hymnisches Riffing eröffnet den Titel und wird kurz darauf durch wild aufspielende Instrumente ersetzt. Nachdem man eben erst an eine UK-Punk Legende erinnert hat, höre ich jetzt deutlich mehr OI!- heraus. Das nächste Lied ist quasi ein instrumentelles Interlude. UNTITLED kommt aber nicht wie ein Lückenfüller daher, sondern strahlt eher das Gefühl einer Einleitung für ein kommendes Gewitter aus, welches dann in Form von SLANDER ME gezündet wird. SLANDER ME ist definitiv der beste Song der Platte und steht in Sachen Sommerhit 2016 ganz weit oben. Das Mainriff ist einfach der absolute Hammer, die aggressiven Vocals steuern ihren Teil fleißig bei, aber die Bassline, welche das furiose Ende des Tracks einleitet, der durch Singalong live sicherlich Reihenweise Leute ausrasten lässt, ist für mich das Highlight des Songs und eigentlich auch der ganzen Scheibe. Dieser Moment, in dem der Bass einsetzt, an dem hörst du einfach hin und bist begeistert, ob du willst oder nicht. Mit dieser Passage haben die Jungs mein Herz vollends für sich gewonnen, mein Repeatknopf läuft seit jeher heiß.
Scheint als hätten die 5 jetzt Spaß an guten Basslines gefunden, denn AGENTS OF THE MACHINE wird mit einer dieser gestartet und schraubt das Klima nochmal ein paar Grad runter. In feinster EXPLOITED Manier, wird hier voran gewalzt und ohne Kompromisse abgeholzt. Am Ende gibts dann noch einen sehr gelungenen Side-to-Side Part, der mir eigentlich endgültig klar macht, wie fett es sein muss die Band live zu erleben. Hoffentlich haben wir bald mal die Möglichkeit dazu. Vorletzter Song ist SCUMBAG, in welchem man nochmal versucht sämtliche Wut rauszulassen, die sich noch in irgendwelchen Ecken verkrochen hat. Auch hier wieder klasse Melodien und super Drumming, aber für mich leider dennoch der schlechteste Track der LP, was größtenteils auch am hohen Niveau des Rests liegt.
Letzter Song ist WHITE SILENCE, ein Titel welcher das Stillschweigen und tolerieren  von Rassismus behandelt. Verpackt wurde das ganze in Killermainriff und den allgemein wohl zweitbesten Track der Scheibe. Definitiv ein Hit, mit dem man sein Debutalbum beenden kann. Auch hier besteht Ohrwurmgefahr! PURE DISGUST machen auf ihrem ersten Album alles richtig, sie lassen alles beim Alten und entwickeln sich dennoch weiter. Die Scheibe weist im Vergleich zu ihren Vorgängern mehr wiedererkennbare Hits, mehr Aggression so wie Frustration und mehr Qualität auf. Für mich persönlich ganz klar die Punkscheibe des bisherigen Jahres. Wer schon immer wissen wollte, wie 80´s HC-Punk mit melodischem OI! nahezu perfekt vermischt klingt, findet hier die Antwort. Irgendwo zwischen OFF!, YOUTH AVOIDERS, EXPLOITED oder G.B.H und ausgefeilten, wilden Songstrukturen.
Hammer Release!

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