Wayste – No Innocence

wayste-coverNachdem THROWERS leider in ihren letzten Atemzügen liegen, erhebt sich eine neue, absolut hörenswerte Dark Hardcore Band aus dem ostdeutschen Moloch Leipzig. WAYSTE, so der knackige Name des Trios vermischt auf ihrem Debutrelease NO INNOCENCE düsteren Dark Hardcore mit, definitiv aus langjährigem Weltschmerz geborenem Frust. Irgendwo zwischen BIRDS IN ROW, THROWERS oder COWARDS, fegen die 3 Sachsen in ihren 6 Tracks alles weg.

Persönlich stehe ich eigentlich eher ablehnend zu Dark oder Blackened Hardcore Bands, was aber nicht daran liegt, dass mich diese finsterere Spielart abschreckt, sondern einfach daran, das mich dieses Genre zu oft sitzen lassen hat. Des öfteren haben mich Ankündigungen oder Artworks in die Irre geführt und mich später enttäuscht seufzen lassen. Nicht aber WAYSTE, die nicht groß drumherum reden, sondern mit ihrer Musik für klare Tatsachen sorgen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei NO INNOCENCE um das Debut der noch jungen Leipziger Band. Somit waren meine Ansprüche an den Tonträger auch relativ gering, was sich jedoch nach dem ersten Durchgang bereits ändern sollte.
Eröffnet wird mit DAWN, der dem Hörer direkt eine Richtung vorgibt, in die es scheinbar gehen soll. Als allererstes überrascht die wirklich gute und total angenehme Aufnahmequalität, welche den erzeugten Klängen eine ordentliche Stabilität verleihen kann. Man muss sich vor Augen halten, das der Orkan, der mittlerweile aus den Boxen fegt, nur von 3 Personen gespielt wird, was umso beeindruckender ist.wayste-band Das Schlagzeug wirbelt, scheppert und möchte einfach keine Ruhe finden, während die Gitarre mit, für dieses Genre typischen, Riffing überzeugt. Die Vocals sind unglaublich wütend und frustriert, was hervorragend zum instrumentellen Teil dieses Songs passt. Selten, oder eigentlich nie, hat es eine Dark HC Band geschafft, in ihren Tracks Aggressionen bei mir auszulösen. WAYSTE schaffen das bereits mit ihrem ersten Song, nämlich mit einem unglaublich fetten Bass! Nicht mal die gespielte Bassline ist das, was mich so überzeugt hat, sondern einfach der geniale schrammelige und punkige Klang. Sollte auf Liveshows ordentlich drücken können. Der Folgetrack PAST BELONGINGS PT I setzt dann noch einen oben drauf und lässt mich mittlerweile bei jedem Durchgang gut ausrasten. Auch hier liegt es an dem mehr als überzeugenden Einsatz des 4-Saiters.
Was mir auch schon ziemlich früh, quasi nach kurzem Befassen des Tonträgers aufgefallen ist, sind die ausgeklügelten Songstrukturen, die schon nach einigen Durchläufen für erste Ohrwürmer sorgen können. Der 3. Song ist dann ein INTERLUDE, in dem eine finstere und schauderhafte Melodie erzeugt wird, die auch in jedem Horrorfilm für Anspannung sorgen kann. Mit diesem kleinen aber feinen Zwischenstück können WAYSTE die ohnehin schon grauenerregende Atmosphäre weiter verdunkeln. An 4. Stelle steht der titelgebende Track NO INNOCENCE, der mit ungemein aggressiven Parts glänzt, aber auch seine melancholische Seite entfaltet. Irgendwie ist melancholisch vielleicht der falsche Begriff um das hiesige Ambiente zu beschreiben. Er versprüht eine ungeheure Hoffnungslosigkeit und eine „Don´t give a Fuck“ Attitude, die mir bisher in diesem Genre noch nicht untergekommen ist. Wieder kann die Songstruktur glänzen, denn die angesprochenen, aggressiven Passagen, werden mit Riff betonten Breaks versehen, ohne die für mich persönlich nervigen Post-HC Elemente zu verwenden. Endlich mal eine Band die verstanden hat, des bei Dark Hardcore auf die Atmosphäre ankommt und nicht auf das abgewichse des eigenen Könnens. Natürlich soll das in keinster Weise bedeuten, dass die Jungs ihre Instrumente nicht beherrschen, wie man an meinem Arschgekrieche schon mitbekommen haben dürfte. 13923743_484854581709919_7728341144912113726_oPAST BELONGINGS PT II beginnt dann überraschend ruhig und seicht, wobei der Fokus ganz klar auf den Vocals zu liegen scheint, die in diesem Track eine tragende Rolle spielen. Der Song bleibt auch relativ langsam, ohne jedoch auf eine angespannte Stimmung zu verzichten. Man bekommt den Eindruck, als würde die bisherige Hoffnungslosigkeit nun einer verzweifelten Mutlosigkeit weichen. Aber diese Abwechslung tut dem Tonträger richtig gut und gibt endlich mal eine kleine Gelegenheit zum Verschnaufen und Schweiß von der Stirn wischen. Doch dann, man mag es kaum glauben, präsentieren WAYSTE noch ein weiteres Highlight. DUSK so der unscheinbare Name des letzten Tracks, der mit unglaublich emotionalen und einfühlsamen Sounds punktet. Wahnsinn wie stark die Band mit diesem Lied ihr Debut ausklingen lässt. Mit sanften Vocals und ruhigem Riffing wird bei mir immer noch Gänsehaut hervorgerufen, während ich DUSK höre. Ich will über dieses Meisterstück nicht zu viel verraten und euch die Überraschung verderben, aber die einsetzende Melodie bei 2:30? Just WOW! Was für ein unglaublich fetter Abschluss!
Die Platte gibt es übrigens bei MIDSUMMER RECORDS oder DAY BY DAY RECORDS physisch zu erwerben. Wenn ihr allerdings eher die digitalen Sammler seit, könnt ihr euch auf Bandcamp für Umme bedienen.

Wer sich bisher nicht mit dem Genre des Dark HCs anfreunden konnte, es aber gerne nochmal versuchen möchte, sollte sich direkt die NO INNOCENCE Scheibe von WAYSTE anhören. Gewaltig, gespenstisch und sagenhaft atmosphärisch.
Mit ganz viel Leidenschaft, hauen die Leipziger hier ein richtig fettes Debut raus, von dem ihr in nächster Zeit sicherlich noch einiges Hören werdet. Ich kann es nicht abwarten herauszufinden, ob mich die Songs auch live so fixen können.

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The Dark Side of Leipzig: Interview Wayste

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