Wolves Carry My Name – Black Earth Tongue

WCMN - Black Earth Tongue (Cover).jpegNeulich lauf ich zu Großmütterchen in den Wald und komme leicht vom Weg ab, da kommt der böse Wolf mit seinem Rudel aus dem Dickicht gekrochen und drückt mir dieses Machtinstrument vor die Füße: Ein verästetes Album so düster wie Friedhofsnebel, fett wie eine Stampede tausender tollwütiger Bullen und scharf wie eine Staffel Sicheln. Die Rede ist natürlich von der neuen Platte des Siegener Sludge-Höllen-Quintetts WOLVES CARRY MY NAME.

Scharf geladen und großkalibrig wie eine Haubitze rollt es herunter von den kalten Zinnen der obelisken Säulen einer schwarzen Erde und es reißt Ströme einer alles vernichtenden Welle aus dicken, hardcore-lastigen Massenvernichtungsriffs mit sich!  Drei Jahre schlossen sich die Jungs anscheinend in ihren Katakomben ein und zeugten währenddessen das uneheliche Kind von Dopethrone und dem dunklen Herrscher der sieben Höllen. Wer da auch gleich an Rosemaries Baby denkt, könnte richtig liegen, denn was dieser armen Lady da aus dem Unterleib kriechen sollte, ist der kleine, gebrechliche Bruder von BLACK EARTH TONGUE. Holt eure schwarzen Roben aus dem Altarschrank, zündet etwas grünen Dunst und beobachtet, wie WOLVES CARRY MY NAME euch erneut durch ein teeriges, fünfzackiges Loch im Boden in das Reich des gehörnten Fuzz-Königs entführen.  Aber Achtung! Wer auf diesem ca. dreißigminütigen Ungetüm nur stupides Gewalze erwartet, der liegt falsch!  Der Teufel steckt nicht nur im Detail, er steckt auch in dieser Platte, denn mal abgesehen von den grollenden Gewitterstürmen, den kataklysmischen Hardcore-Doom-Sludge-Lawinen, die Adil und Tobias da aus ihren Gitarren schleudern wie kolossale Zyklopen, die mächtige Bergfüße in die rauen, meterhohen Wellen eines tot-schwarzen Meeres werfen, gibt es auch viel Liebe fürs Detail zu entdecken. wcmntape Nicht umsonst spüren wir schnell die festen Sockel und klammen Fassaden zweier Gitarrenmauern in unser Trommelfell donnern, während wir uns noch damit beschäftigen, das kurz gesprochene Intro zu realisieren. Nicht zu viel und nicht zu wenig werden die Riffs ausgedehnt, denn ich empfinde hier die optimale Mischung aus sinnvoller Wiederholung bis zum gut gesetzten Höhepunkt. Dazu kurze, scharf gespielte Soli, die das Blut tropfende Schwert zum dicken Panzer der Rhythmusgitarre bilden, zu denen sich auf Tracks wie z.B. IRON WAVES, dessen stählerne Breitseite einen schon nach dem sehr heftig gelungenen Einstieg TEETH BLACK AS COFFIN NAILS erwartet, ebenso optimal investierte Zeit für gut ausgeklügelte, zweistimmige Galopps genommen wurde.
Sobald Konstantin mit dem Gesang eines wildgewordenen Hünen einsetzt, Moritz dann die morastigen Trommeln durch die leichenüberströmten Sümpfe hallen lässt und Dennis die mächtigen Elefantensehnen am Bass zum Beben bringt, dass selbst der San Andreas Graben seinen steinernen Nacken am schädelspaltenden Bug dieses Flak-Kreuzers bricht, wird einem spätestens klar, dass hier fünf absolute Vollblut-Berserker am Werk sind, die sich sogar auf den ein oder anderen niederstreckenden Break-Down stürzen, um jeden Pit in ein loderndes Schlachtfeld zu verwandeln. Alles in allem haben WOLVES CARRY MY NAME hier ein schön böswilliges, tonnenschweres Schiff in die vanta-schwarzen Häfen und Brandungen ihrer Diskografie geschwemmt und dieser durchwachsene Stahldampfer sollte auch am Steg eurer Boxen mal seine leprösen Taue ausgeworfen haben. wcmncdZum Abschluss noch ein paar Extrablumen:Der letzte Song, TAMAM SHUD, bietet einen sehr gelungenen Abschluss und setzt fort, was in Titeln wie WORMWOODS oder MORAST schon leicht durch die ab und zu aufglühenden Anekdoten von sehr melodischen Soli – und Hymnenstücken eingefädelt wurde – ein sakral-klimaktisches Instrumental-Lied, das im Vergleich zum drei – bis vierminütigen Großteil des Sets, mal eben auf fast sechs Minuten ausgeweitet wurde und im dezenten Kontrast eine Struktur aus, sich in Moll-Akkorden und triumphal melancholischen Solo-Strömungen umherhangelnden Takten bildet, welches jenen schiefernen Monolithen und monumentalen Titan, nachdem er in den ersten sechs Songs mit vollster Inbrunst seine schweren Hiebe auf dem letzten Posten der Menschheit verteilte, nun in epischer Manier in die dunstigen Hügelketten der ausklingenden Ferne begleitet, wo nur noch die letztendliche Stille am Grund der Verwüstung seine einstige Anwesenheit bezeugt. Ich hatte ein Date mit der SCHWARZEN ERDE und sie gab schon ZUNGE, als der Kellner zum ersten Mal in der Küche verschwand, um den rituellen Hauptgang vorzubereiten. WOLVES CARRY MY NAME können sich mit BLACK EARTH TONGUE ordentlich sehen, hören und feiern lassen!
Seit Oktober könnt ihr das gute Stück auf Bandcamp für eine Spende eurer Wahl erhalten und als euer Anwalt rate ich euch, das mit ordentlich Support zu begrüßen.  Opfergaben, ungetaufte Jungfrauen und verhexte Euro-Dublonen nehmen die Jungs sicherlich gern in ihrer Knochenkollekte entgegen, denn diese schwarze Messe hat für jeden, ob 90’s Sludge, Hardcore oder finsteren Doom – Fan, ordentlich was im Angebot – und das mit reichlich blutiger Unterschrift.

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