The Dark Side of Leipzig: Interview Wayste

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Credits: Nacho Lab

Durch ihre Debut EP NO INNOCENCE, hat sich das Leipziger Dark Hardcore Punk Trio WAYSTE auf meinen Schirm gespielt. Nach einem ausgiebigen Review der Scheibe, gibt es hier neues Futter von den Jungs. Wir haben gefragt und Antworten bekommen, ihr kennt das Spiel ja.

1. Hey Jungs. Mit NO INNOCENCE habt ihr vor kurzem euer erstes Lebenszeichen von euch gegeben. Glückwunsch meinerseits, an dieser Stelle. Wie waren die ersten Reaktionen auf eurer Debut?
Micha:  Dankeschön! Die Reaktionen waren bis jetzt eigentlich durchweg positiv. Wir haben ja auch einige Zeit gebraucht um die EP zu veröffentlichen, genau genommen über ein Jahr, deswegen ist es sehr schön zu sehen, dass es nicht nur uns, sondern auch anderen Leuten gefällt.
John:  Das gute Feedback hat mich persönlich sehr überrascht. Mit so viel postiver Resonanz hat glaube ich keiner von uns gerechnet, was natürlich mehr als freut.
wayste22. Da ihr noch absolut frisch seid, kommt ihr leider auch nicht am obligatorischen Vorstellen vorbei. Wer und Was ist WAYSTE denn eigentlich?
Micha: Wir sind drei Freunde, Manu, Micha und John. Ich kenne Manu schon seit der Schulzeit. Damals hat sich auch schon immer sehr viel um Musik gedreht. Wir haben schön klassisch Mixtapes (Cds) ausgetauscht, Gitarre zusammen gespielt, allerdings spielten wir da noch in verschiedenen Bands. Als ich dann nach Leipzig gezogen bin haben wir zusammen die Band „Decades“ mitbegründet. Nach drei Jahren Existenz haben wir allerdings gemerkt, dass wir uns als Band kreativ in eine Ecke gefahren haben und das vorallem Manu und ich gerne die Richtung hin zu chaotischeren Strukturen ändern würden. So war dann schnell klar, dass wir nach dem Ende von Decades ein neues Projekt ins Leben rufen. Der Bruder von Manus Freundin (John) ist in der Zeit relativ frisch nach Leipzig gezogen und daraus ergab sich dann ziemlich schnell „Wayste“. Das fand alles sehr natürlich zusammen.

3. Die Qualität der EP ist dick, keine Frage. Wo habt ihr denn recorded?
Manu: Die Probs gehen raus an Adam Lenox Jr., der hinter Noise City Studios steckt und die Songs gemixed und teilweise gemastered hat! Aufgenommen haben wir mit Adam und unserem Kumpel Sergej Lopatkin, mit dem es immer unglaublich entspannt ist Aufnahmen zu machen. Adams Band Lingua Nada verrät seine Affinität für Noise Rock, was der EP so eine Lofi Note gegeben hat und den Sound etwas spezieller macht.

4. Allgemein klingt der Sound schon recht ausgereift und glänzt vor allem mit grandiosen Songstrukturen. Wie lange habt ihr euch denn für NO INNOCENCE Zeit genommen?
Manu: Die Songs auf NO INNOCENCE sind eigentlich nichts anderes, als die ersten Songs, die wir in recht kurzer Zeit geschrieben haben, um ein Set für unsere erste Show zusammen zu bekommen, für die es zu dem Zeitpunkt bereits einen Termin gab. Irgendwie haben die Songs dann auch inhaltlich zusammengepasst und wir konnten direkt aufnehmen. Das Schöne an dieser Art Songs zu schreiben war, dass wir alle recht unvoreingenommen waren und uns weniger den Kopf über die Songstrukturen zerbrochen haben und mehr „drauflos geschrieben“ haben. Es freut uns natürlich umso mehr dann so gutes Feedback zu bekommen, danke!
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5. Gibt es neben WAYSTE noch weitere Projekte in denen ihr momentan aktiv seid, oder steckt ihr diekomplette Kraft hier rein?
Manu: Ich war bis vor kurzem noch an einem Emo-Rock Projekt namens TEMPER beteiligt, wir haben Anfang Oktober unsere erste EP released. Allerdings habe ich mir dann eingestehen müssen, dass zwei Bands doch zu viel Zeit und kreative Energie in Anspruch nehmen. John hat bis vor nicht allzu langer Zeit bei LINGUA NADA gespielt, Micha hatte ein Postrock Projekt namens Longyearcity. Zur Zeit liegt aber bei uns allen der Fokus auf Wayste.

6. Könnt ihr schon sagen, ob es die EP auch noch in anderen physischen Formaten geben wird? Tapes sind ja wieder ziemlich angesagt, wie man so mitbekommt.
John: Die EP wird es nur als Vinyl geben.
Manu: Wenn die 500 Platten verkauft sind, können wir gern über ein Taperelease reden, haha.
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7. Die Platte ist seit dem 23. September über DAY BY DAY RECORDS und MIDSUMMER
RECORDS erhältlich. Seid ihr schon gut was losgeworden? Wieso habt ihr euch gerade für diese beiden Labels entschieden?
Manu: Mit der Menge an verkauften Platten können wir denke ich bisher sehr zufrieden sein! Natürlich kann bei einem ersten Release einer unbekannten Band wie uns nicht viel erwartet werden, aber bisher fanden sich eigentlich bei fast jedem Auftritt Abnehmer für die Platte, das macht uns sehr sehr glücklich!Bei der Labelsuche kamen wir über Bands wie Grace.Will.Fall., Akela und Ashes of Pompeii auf MIDSUMMER RECORS. Die Zusammenarbeit mit DAY BY DAY RECS kam zustande, als wir mit YOUNGER US ein paar Shows gespielt haben und dabei deren Bassist Felix auf uns aufmerksam geworden ist. Wir sind alles in allem sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit, das läuft alles sehr geordnet und gleichzeitig freundschaftlich ab, das macht Spaß!

8. Wer ist bei euch für das Artwork verantwortlich? Sonderlob, denn das finde ich überaus passend zum Sound der EP und hat es mir ermöglicht noch leichter in die Musik einzutauchen.
Manu: Wir hatten das große Glück mit unseren Freunden im Künstlerkollektiv NACHO LAB arbeiten zu können, mit denen es auch möglich war, gemeinsam am Artwork zu arbeiten. Wir haben uns zusammen gesetzt und das Artwork von NACHO LAB mit den Zeichnungen von John  verknüpft. Das Video zu NO INNOCENCE wurde auch von den Jungs gemacht und ich finde da wird schon sichtbar, dass da keine Amateure am Werk sind.

9. Wie kann es denn, dass ihr euch dazu entschieden habt, diese düstere und noch frustriertere Spielweise des Hardcores darzubieten? Hat Leipzig vielleicht doch einen negativen Einfluss auf seine Bürger oder Musiker?
Micha: Die Richtung unserer Musik kam ziemlich natürlich. Ich denke, je weniger Grenzen manb sich musikalisch setzt, desto besser kann man sich als Band entfalten. Deswegen sind wir bewusst von Anfang an so rangegangen, dass wir uns so viel Freiraum geben wie möglich. Und dann kam eben „No Innocence“ dabei raus. Für mich ist diese Musik, wie wahrscheinlich für sehr viele, ein Ventil für all das, was sich über die Tage und Jahre anstaut und was man an anderer Stelle nicht rauslassen kann. Konzerte spielen ist auf jeden Fall die beste Aggressionsbewältigungstherapie die es gibt. Wo sonst hat man mal die Möglichkeit einer fremden Person 30 Minuten lang ins Gesicht zu brüllen und die findet das im besten Falle auch noch gut?
waysteband3Manu: Ich glaube unser Umfeld in Leipzig hat eher einen positiven Einfluss. Es gibt viele kreative und offene Menschen hier. Wir sind alle im sächsischen Hinterland aufgewachsen, ich glaube viele der negativen Einflüsse kommen aus diversen Erfahrungen im aus diesem Kontext.

10. Könnt ihr uns erklären worum es in eurem Song DUSK geht und allgemein, steckt hinter NO INNOCENCE überhaupt ein konkretes Konzept?
Micha: NO INNOCENCE an sich beschäftigt sich viel mit Kreisläufen, die sich immer wieder wiederholen und aus denen man mehr oder weniger erfolgreich versucht auszubrechen. Kreisläufe zum Beispiel in Form von Entscheidungen, die man immer wieder trotz besseren Wissens trifft, eingefahrene persönliche Strukturen, durch Erziehung entstandenes Verhalten, dass man nicht oder nur sehr schwer durchbrechen kann etc… „Dusk“ steht, im Bezug auf diese Gedanken, deswegen am Schluss, weil es versucht den größten Bogen zu spannen, vom Anfang des Lebens bis zum Ende. Zentral dabei ist vorallem der Gedanke an ein Zuhause und was das eigentlich bedeutet, ob es überhaupt so etwas gibt, was man als Zuhause bezeichnen kann und wie sehr sich der Begriff im Laufe des Lebens verändert.
Manu: Wie bereits erwähnt sind Micha und ich im Dorf aufgewachsen und waren sowohl familiär als auch persönlich sehr in christlich-konservative Kreise involviert. Wir beide haben auf unterschiedliche Art und Weise mit diesem Glauben und den damit verbundenen Ansichten brechen müssen. Der Prozess war nicht so leicht und hat schon ein paar Spuren hinterlassen. Das Artwork drückt recht radikal aus, womit sich auch die Lyrics befassen: zerbrochener Glaube, zerbrochene Ideale und der Versuch, sich irgendwie neu zu finden. Das Thema ist denke ich auch noch nicht ganz abgeschlossen.
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11. Ihr seid gerade von ein paar Shows in Österreich zurückgekehrt. Wie war denn das Feedback zu euren Auftritten? Waren die Veranstaltungen gut besucht?
Manu: Um ehrlich zu sein waren die Besucherzahlen bei den zwei der drei Shows in Österreich eher ein Trauerspiel. Dafür haben wir aber nette Leute kennengelernt und die VeranstalterInnen waren allesamt großartige Menschen!

12. Was ist euch persönlich denn bei der Bühnenperformance besonders wichtig? Wie versucht ihr eure Klänge möglichst authentisch an das Publikum heranzubringen?
Manu: Schwierige Frage! Ich glaube es ist uns recht wichtig, authentisch zu sein. Und das wird nicht durch eine einstudierte Choreographie erreicht, das fände ich einfach nur peinlich. Natürlich ist es uns wichtig eine gewisse Energie zu transportieren und dazu gehört eben auch ein bisschen Bewegung.
John: Ich versuche alles um mich herum zu vergessen um dann das Set mit 120% durchzuprügeln.
Micha: Mir ist vor allem wichtig, dass man nicht versucht irgendein Schauspiel abzuziehen, sondern das man die Musik so spielt wie sie gerade rauskommt. Ich glaube ein Publikum bekommt ziemlich schnell mit wenn es was vorgegaukelt bekommt. Deswegen versuche ich die Musik nicht durch irgendeine Maske hindurch zu präsentieren.

13. Was dürfen wir in nächster Zeit von WAYSTE erwarten? Arbeitet ihr schon an einem neuen Tonträger?
Manu: Wir sind dabei, Songs für eine LP zu schreiben, die im Sommer nächsten Jahres aufgenommen werden soll. Haben richtig Bock!
waystemerch14. Wann und wo kann man Merchandise von euch erwerben?
John: Einmal bei unseren Labels DAY BY DAY RECORDS und MIDSUMMER RECORDS oder man schreibt uns an oder checkt unsere Bigcartel-Seite. Und auf unseren Shows natürlich…

15. Könnt ihr uns vielleicht noch ein paar Bands nennen, die euch und somit auch WAYSTE beeinflusst haben?
John: Trash Talk, Code Orange, Bastions, Full of Hell
Micha: Trash Talk, Code Orange, Every Time I Die, The Chariot, Botch, Converge, Toe, Native, Russian Circles, Tera Melos, Dillinger Escape Plan, Retox, Trap Them
Manu: Für mich waren definitiv Bands wie Refused, Every Time I Die, Birds in Row, The Prestige, Bastions und The Long Haul maßgebende Einflüsse. Ich erinnere mich auch an eine Show von Orbit The Earth in Halle, bei der ich dachte „Krass sowas geht auch zu dritt“, da hatte ich dann schon Bock, das auch zu probieren.

16. Wollt ihr vielleicht noch was loswerden?
Micha: Ich würde gerne ein großes Dankeschön loswerden an alle, die ihre Kraft und Zeit mit in die Platte eingebracht haben. Vor allem Felix und Niko von DAY BY DAY RECORDS, Tim von MIDSUMMER RECORDS, NACHO LAB für den riesen Aufwand, an Adam von NOISE CITY fürs Aufnehmen und an CHAVER für die nette Tourbegleitung!

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Bandcamp
Wayste – No Innocence

 

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