TRVEFRYKT ZINE

VAyL – Eclipse The Sun EP

a0928030230_10Willkommen im Ödland – Willkommen im Dreck!  Kommt einem das nicht bekannt vor? In tobender Verzweiflung umherziehende Nomaden, die ziellos und ewig durch eine trostlose Wüste streifen. Wär’n cooles Motiv für ’ne Doom-Platte oder nicht? 

Jetzt mal im Ernst. Hier findet ihr keine Nomaden, außer sie verwesen im Schatten eines von Schmutz verhüllten Mondes oder sie ziehen euch unter vorgehaltener Waffe die letzte Haut aus. Hinter jeder nächsten Düne wartet eine Legion bleicher, lebloser Schlächter und Marodeure, die euch mit klirrenden Ketten und dem sengenden Kreischen ihrer motorisierten Jagdvehikel, übersät von Korrosionsgemälden aus, sich wie Ölfarbe vermischendem Rost und Blut, begrüßen.  Stehen Mond und Erde dann auch noch richtig, raubt eine Sonnenfinsternis in den Weiten der gesetzlosen, post-apokalyptischen Brutalität den letzten unglücklichen Überlebenden alles, was sie noch hatten – das schützende Kleid der Sonne.
Das Berliner Trio VAYL begrüßt dieses blutige Spektakel mit einem Chor überwältigender Wucht, denn ihr neues Album ECLIPSE THE SUN ist der mit Stacheldraht bedeckte Baseballschläger, der so manchem armen, unvorsichtigen Landstreicher das Steak auf den Schultern weichklopfen kann.0004746399_10Apropos Wüste:
Mit Desert haben die Jungs sich anscheinend schon beschäftigt, bevor die Welt ausbrannte wie eine dürre Kerze in schwarzem Regen, denn im Opener WELCOME TO THE BADLANDS, sowie dem ganzen Rest der Horror-Show, steckt eine ordentliche Prise Kyuss. Drums und Gitarren bringen für mich seit den ersten Minuten einen groovigen, treibenden Hauch der Fürsten jener Krater von Sky Valley mit sich, der jedoch nach der Kernschmelze vor vielen Monden einen etwas dreckigeren Anstrich kassiert hat. Aber etwas schlammige Tarnung kommt den Jungs im Ödland zugute, denn ihr wallendes, schädelspaltendes Fuzz hört man noch im stärksten Sandsturm wüten.
Gleich zu Beginn der Platte fackeln VAYL nicht lange und senden besagte Willkommensgrüße wie Warnschüsse mit einem Panzer, der noch Staub aufwirbelt, wo die Sonne nicht mehr das Land berührt, an jeden, der sich unvorsichtig in ihre Falle locken lässt. Achtet also an jeder Biegung und vermeintlichen Atempause auf eure Füsse und sperrt die Ohren auf, denn VAYL hatten mich schon nach der ersten Catch-Phrase in ihrem Netz. Spätestens nach dem zweiten Biss dieser Klapperschlange werdet ihr richtig wach. Wie stechendes Gift, das durch eure Venen stürzt, fährt jetzt die geballte Kraft von Gitarre und des Bass in euch ein. Gleich einem Heer aus brüllenden und tanzenden Plünderern in ihren von morbiden Zacken und glattgefressenen Knochen überzogenen Karren, tobt immer und immer wieder ein dickes Untier von Riff in eure pulsierenden Schädel. 0008295410_10
Die drei Locos aus der Hauptstadt wissen ganz genau, wie sie Härte und verspielte Ekstasen zu einer tosenden, obszönen Schlägerei im Gleichgewicht aus verspielten Einlagen und Überleitungen, hin zu wogenschlagenden Exzessen des eigens betitelten Stoner-Metal verschmelzen können wie blutrot glühenden Stahl.  Jeder Song erinnert bisher an dieses typische Szenario einer solch dargebotenen Einöde: Der unscheinbare Lockvogel einer Falle – eine hilflose, um Hilfe bettelnde Seele, der nur die helfen, die nicht ganz wissen, was folgen möge, wenn sie näher treten und das Netz zuschnappt.  Ein sanfter Start, eine seichte Anziehung, durch ein verlockendes Intro und der nun ahnungslose Helfer muss sich in Kürze damit abfinden, dass drei Männer aus der Versenkung gesprungen kommen, wobei einer ihn komplett außer sich anschreit und mit einem scharf gespielten, an ein vernichtendes Spektrum von Effekten geknotetes Instrument der Vernichtung, Drohgebärden von sich gibt, der andere wie wild beginnt auf ihn einzutrommeln und der letzte im Bunde wuchtige Leberhaken von seinem großkalibrigen Bass auf sein neues Opfer herabschleudert.
Solltet ihr einer solchen Situation in der ohnehin schon schweißtreibenden Mittagssonne gegenüberstehen, vermeidet Augenkontakt und sperrt wieder die Ohren auf, was VAYL euch mit FACE TO FACE, dem dritten Bollwerk auf ihrem neuen Release, zu sagen haben.
Das Ding geht sofort in den Kopf wie eine gut geölte Kettensäge durch butterweiche Massen massakrierter Mutanten und ich habe das Gefühl, je öfter ich in dieses Hornissennest stichele, desto härter wird es für mich, seinen unaufhörlichen Wellen aus überwucherten Drohnen zu entkommen. Ob ihr im Schutze der Nacht schlafen könnt oder Wache halten müsst, ist egal, denn wenn ihr das Dröhnen von INSOMNIA in der Ferne auf den tiefschwarzen Klippenpässen und Bergspitzen der obelisken Canyons, hinter denen sich sogar der gewaltige Mond schlotternd und vorsichtig sein Haupt senkend zusammenkauert, herunterballern hört, dann löscht das verdammte Feuer und hofft, dass euch keiner von ihnen wittern kann0008295444_10.
Das, eben beschriebene, vierte Stück in dieser Chaos-Sinfonie trifft seinen Titel wie ein ranziger El Camino einen Kojoten – wie immer eine gut abgestimmte Mischung aus Wahnsinn und Realität, sowohl Gesang, als auch instrumentale Elemente geben sich hier gegenseitig kaum Fläche für eine fallende Deckung. Wehrt euch so sehr ihr wollt, durch diese Phallanx aus verbeultem Stahl kommt keiner durch und wer von uns hat nicht schon versucht der endlosen Suche nach behütendem Schlaf um jeden Preis zu entkommen?  LEFT UNDONE, das letzte Banditenabwehrgeschütz, das euch hier aufs Korn nimmt, hat es definitiv zum großen Finale gebracht. VAYL lassen hier nichts unvollendet, alles wird gesagt, alles wird zerschlagen und zerstört und so kommt es mir vor, als wäre diese Welt, von der ich hier die ganze Zeit schwalliere, von den drei Berlinern wie ein Hotelzimmer in den 70ern in Led-Zeppelin-Manier zerlegt worden.

Manchmal braucht es keinen Supergau, um etwas apokalyptische Wirrnis und destruktive Anarchie zu schaffen – es braucht lediglich ab und zu so ein Release in den Ohren der umherstreifenden, zähnefletschenden Menschen – und Nichtmenschenfresser.
Wenn ich jetzt mal, für meine Verhältnisse, etwas ernster zum Punkt kommen soll, haben VAYL hier eine EP in den alles verzehrenden Schlund der nuklearen Wüste gepflanzt, die man noch jenseits der Donnerkuppel fürchten sollte.  Mit seinen fünf Songs, die jeweils von fast vier bis zu ca. sechs Minuten auf euch einpreschen, kann ECLIPSE THE SUN sich ordentlich kernig inhalieren lassen wie Einödenschnaps und reicht aus, um so manche Motorrad-Gang von eurer Kehle zu brennen oder sogar einige Dörfer zu plündern und in Brand zu stecken – obwohl ich ehrlich gesagt auch gerne etwas mehr Zeit in den Schatten der lichtlosen Anderswelt verbracht hätte.  Vergesst also Immortan Joe, Toecutter und Nightrider, wenn diese im staub – und leichenüberströmten Abgrund der Zivilisation wütende Schlacht auch einmal eure Siedlung erreicht.
Versteckt eure Frauen und Kinder, schnallt den fettesten, zermürbten Tierschädel, den ihr jenseits der Sträucher und Atompilze der neuen Welt findet, auf euren Ford Falcon V8 und lasst dieses Tape eure, unter den matschigen Schädeln der Untoten gefürchtete Stoßstange so laut es geht ankündigen, denn ihr wisst nie, wie lange die Dunkelheit euch bei der nächsten Sonnenfinsternis heimsucht, während euch nicht einmal die Main Force Patrol mehr helfen kann. Die gute Nachricht ist, dass ihr auf diese Eklipse weder ewige Jahrzehnte warten müsst, noch einen lästigen Sichtschutz braucht. Seit Anfang Oktober könnt ihr das Prachtstück auf Bandcamp digital, physisch oder sogar als in Fraktur versetzendes Tape zu einem angemessenen Preis der Währung eures jeweiligen Camps erkaufen.
Wem dieser Coup bei den vielen Postkutschen-Überfällen heutzutage jedoch zu riskant ist und wer sich mutig genug fühlt, seine Festung zu verlassen, der kann sich in zwei Wochen ihrer Karawane im Norden anschließen.
Drei Jahre nach ihrem Album THE CIRCLE’S END haben sich VAYL also glücklicherweise entschieden, den Kreis nicht abzuschließen und ihn ganz breit als Reifen auf ihren flammenden Todestruck zu spannen, um weiterhin durch das verwehte Steppenland und die ein oder andere Strassensperre zu ballern – und das ist auch verdammt gut so!
Ich für meinen Teil, kann kaum auf die nächste Sonnenfinsternis warten und kann nur noch abschließend sagen:
Der Legende nach gab es auf THE CIRCLES END auch sehr ruhig und psychedelisch gespielte Töne von VAYL zu hören.

Ich hab mich von der Wahrheit der Geschichten des einsamen Wanderers überzeugt und würde mich freuen, solcherart Outros mal wieder aus euren Stahlschmieden zu hören, denn das könnt ihr ebenso gut, wie Prügel austeilen, Freunde!
Also, versperrt eure Türen, schmeißt ECLIPSE THE SUN am besten so laut wie möglich als Warnung um eure Barrikaden herum an und wartet auf weitere ABC-Schutzanweisungen.
Vurd out.

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