Sangria – Agnosis

15045654_953155041456922_981309772_nWir schreiben den 22. Februar 2015 im chilenischen Pudahuel – eine Stadt, die an diesem Tag von einem neuen König der Kolosse in den Bergen Chiles erschüttert wurde.
Mit Schritten im schleppend-lethargischen Takt einer gewaltigen Hebung und Senkung der Erdkruste wie ein phlegmatisches, fettes Seil, näherte sich der Gigant in ergreifender Ferne mit all seiner unheimlichen Masse und schleudert noch bis heute Felsbrocken so groß wie Städte auf das brach gewirrte Land.
SANGRIA und ihr aktuelles Album AGNOSIS reißen weite Schneisen in die mächtigen Hügelketten weiter Klippen und ihre Schreie schallen durch die Täler, in denen sich die letzten verängstigten Sterblichen, beklemmt die Ohren zusammendrückend, wie Ameisen verkriechen.
Verlangsamt man Brujeria um ein erdrückendes Gewicht von mehreren Tonnen, so reißt dieser kilometerbreite Fangarm aus den Schluchten der südamerikanischen Kontinentalformation ein Loch wütender Vernichtung in die subtropischen Dickichtdünen aus urzeitlichen Waldlichtungen und kaum von den knochigen Fingern der Zivilisation gerührten Landstrichen.
Der zerfetzte Gigant, den SANGRIA hier an Ketten gelegt vor sich hertreiben wie in purpur-berylle Roben balsamierte, allherrschende Regenten der alten Welt, ist versehen mit den kraftvoll zur Spannung gefütterten Sehnen und Muskeln eines zerbersteten Sludge-Ungeheuers, aber überzeugt zudem immer wieder mit den brutal geschlagenen Kerben des aus tiefster Seele finsteren Death Metal, den sie immer wieder gut rationiert auf diesem Release injizieren.
Ein neunteiliger Kreuzzug der Unterjochung erwartet euch, wenn ihr euch diesem schäumenden Mammut stellt und glaubt mir, SANGRIA erweisen allen umherirrenden Seelen auf ihrem Wege, für ca. vierzig Minuten gnadenloser Verwüstung, nicht den Hauch der Großzügigkeit, Gefangene zu machen – was ich sehr begrüße. 15049772_953155031456923_299095310_n
Trotz der Tatsache, dass dieses Release schon eine Weile her ist, hat es über die Dauer keinen Deut an Wucht verloren und wirkt im Drang einer andauernden, aufragenden Welle der Begeisterung für düstere, harte Musik sogar sehr zeitgemäß.
Auf einem Großteil der Songs treiben die schwerfällig vor sich her walzenden Gitarrenläufe gewaltige Mauern von Riffs zur mit Blut benetzten Speerspitze der Wallung, die vor schierer, nackter Gewalt nur so strotzen und von den dumpfen Peitschenhieben des Basses und den aus der Ferne niederhallenden Schreien der Vocals angetrieben, einem organischen Belagerungsrammbock gleichen, der sämtliche Tore, Mauern und Wälle in den Kniefall zwingen kann.
Wie eine Armee aus grunzenden, geschwülstigen Fleischbergen , deren Heertreiber mit strafender Befehlsmacht geschwängerte Marschgesänge von den Bergen herunter in die, vom Schmatzen der Mäuler dieser monumentalen Kriegsmaschinen verzerrten und von den donnernden Schlachttrommeln der Drums vorangescheuchten Massen wirft, reitet diesem Album eine Schar grausamer Standarten der Verwüstung voraus, deren lange Schleppe einzig und allein der überschlagenen Verwüstung, die sie im aschegetränkten Boden nach ihrer Ankunft pflanzen, das einzige Zeugnis des Grauens bleibt, welches sie in vorderster Reihe zur Inquisition der lodernden Wogen einer unerreichbar implodierenden Sonne antreiben. 15057995_953155028123590_1073804997_nAn rituelle Flüche und Opferchöre erinnernd, senkt sich Stück für Stück die erdrückende Schneide am Nacken einer mit knochenzertrümmernden, angespannten Prankenhieben um sich wetternden Bestie in einer nervensträngezerfessenden Atmosphäre, die sich im Tempo einer gemächlich den Körper wie ein gegerbtes Stück Leder aufspannenden Streckbank wie vor aggressiver Inbrunst brennender Säure in das Ohr des Hörers vorannagt.
AGNOSIS macht in Sachen Mix und Master einen soliden Eindruck – Gitarre und Bass sind schön schwer an das Wechselspiel der oben erwähnten Genres angepasst worden und nehmen sich gegenseitig keinerlei Ansprüche auf eine Krone weg, da sich hier keines der beiden Großgeschütze in die Schusslinie fährt.
SANGRIA spielen nicht zu viel mit Effekten herum, was den Hörer zugleich ziemlich entlastet und dadurch den Klang komplett abrundet. RITUALISTA ist ein schweres, aber simples Soundgewitter, das sich wie ein Tiefseeungeheuer durch smaragdgrüne Wellen an die Küste schleppt, um einen gesamten Hafenkomplex von der messerscharfen Klippe zu reißen. 14996428_953155038123589_2066591505_n
Ganz anders, viel zorniger lassen die drei Feldherren CEGADOS, den zweiten, sehr Death-lastigen Song, von den brüchig-gerissenen Ketten am, von Blutgerinseln wie Aderwerk durchwachsenem, Boden.
Über das gesamte Werk lässt sich eine gute Balance aus Sludge und Death Metal feststellen, die kaum langweilig wird, sondern viel eher das Ohr von Song zu Song beflügelt.
SANGRIA schwanken ebenso, was ihre Lieddauer angeht, leicht zwischen etwas mehr als zweiminütigen, hin zu fast siebenminütigen Songs umher. Die Mischung macht’s und so ist hier für alle Fans von basslastiger, mit Saiten so dick wie Ankerketten bespannter Musik, egal ob Death Metal oder Sludge, etwas dabei.
Ich persönlich favorisiere die schwerlastigen Stücke, wie TRANCE MORTUORIO oder AVERNO, der Platte, da SANGRIAS Stärken meiner Meinung nach vor allem im verhallten, aufschwelenden Hass liegen, der sich durch obskure Schreie und sinistre Gitarreneinlagen wie das beschleichende Unbehagen des orchestralen Soundtracks eines alten Horrorstreifens ausbreitet.
AGNOSIS ist ein solides Beil, ein Panzer von einem Release und trotz der Tatsache, dass 2016 sich allmählich dem Ende zuneigt, ein schönes Stück frischer Brise aus dem schon längst vergangenen Jahr – wenn ‚frische Brise‘ so viel bedeutet, wie kräftig aufs Maul zu kriegen und umringt von drei Berserkern aufzuwachen, die in den Flammen der Alten den ein oder anderen Gehörsturz heraufbeschwören. 15086277_953155058123587_420817776_n.jpgIhr könnt das Album seit Februar letzten Jahres über W.I.F.A.G.E.N.A. RECORDS für gutes Geld auf Bandcamp digital oder als Platte erwerben, also kann ich allen Freunden von ’ner guten Mische Death und Sludge mit ordentlich rituellen Einflüssen nur raten, wenigstens mal reinzuhören, was 2015 die See, den Forst und das Land zu bersten im Stande war.
Habt ihr euch erst einmal infizieren lassen, gibt es keine Therapie, keine Diagnose und kein Heilmittel für AGNOSIS, es gibt nur das freudige Erwarten eines neuen Albums dieses Kalibers.
Ich bin gespannt!

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