Beware of the Ratlord – Interview with Düsseldorf´s Newest Death Metal Beast

ratlord2Seit kurzem geistert ein düsterer Hall durch die deutsche Hardcore Szene, denn eine ihrer größten Helden GONE TO WASTE, sind adé. Doch Krešo, seines Zeichens Basser der Band, befindet sich bereits in einem neuen Projekt, nun als Sänger. RATLORD ist somit zum Teil aus der Asche von GTW hervorgegangen, aber nicht nur. Ich habe bei Krešo mal nachgefragt, warum sich die Band dazu entschieden hat Death Metal zu spielen oder was demnächst noch beim RATLORD geplant ist. Das ganze Interview gibt es hier.

Hey Krešo. GONE TO WASTE befindet sich, leider, in den letzten Atemzügen. Doch mit RATLORD scheint ein neues Projekt gefunden zu sein, in das du deine ganze Leidenschaft stecken kannst. Ist RATLORD mehr als nur ein „Nebenprojekt“?
Hey Nino. Die Frage lässt sich leicht beantworten: Es ist definitiv mehr als nur ein Nebenprojekt. Da wir alle studien- und arbeitstechnisch eingebunden sind, ist es ein Nebenprojekt zum alltäglichen Leben, aber eins, das wir sehr ernst nehmen. GONE TO WASTE war schon sehr zeitintensiv, deswegen kommt die Auflösung RATLORD zu Gute. Ein Kapitel geht zu Ende, ein Neues beginnt.

Wer ist denn nun eigentlich dieser RATLORD? Erzähl uns doch mal mehr zum Hintergrund und zur Entstehung der Band.
Der RATLORD ist zu 3/5 DULL EYES (ich werde in diesem Interview definitiv alle Bands in CAPSLOCK schreiben), ich singe ausschließlich, da unser Bassist vor kurzem aus Bayern in den Pott gezogen ist. Wir sind also auch 3/5 Düsseldorf, 2/5 Pott.
Auf RATLORD kamen wir tatsächlich irgendwann mal Backstage, als wir mit unseren anderen Bands gezockt haben. Es ist auch schon einige Zeit her und lief ungefähr so ab: „Wir haben Bock Death Metal zu machen.“ „Cool, ich hab Bock mal wieder in einer Death-Metal-Band zu singen.“ „Cool, lass was machen.“ Wie das immer so ist, verstrich ein bisschen Zeit, aber man hat sich tatsächlich im Proberaum getroffen. Namenstechnisch fanden wir die Idee eines Rattenkönigs (gerne mal googlen) als passend, weil wir Stadtkinder mit allen Vor- und Nachteilen sind. Deswegen finden wir einen urbanen Schwerpunkt für uns authentischer, auf jeden Fall authentischer als eine Wald- und Wiesenthematik.
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War von Beginn an klar, sich mit diesem Projekt in die Death Metal Schiene zu wagen? Ist das dem derzeitigen DM Hype im Hardcore geschuldet, oder seid ihr schon länger Fans von HM2 und Ähnlichem Geschredder?
Haha, wir sind tatsächlich froh, auf den HM2 verzichtet zu haben. Klar ist dieser Hype gerade auffällig, aber daran orientieren wir uns nicht. RATLORD ist als Death-Metal-Band gegründet worden. Geht uns auch gar nicht darum, irgendeinen Hype abzugrasen, das überlassen wir schön den UK-Bands. Ist jetzt auch alles andere als so ein „Ich bin so true, ich hör schon seit immer Death Metal“-Gelaber. Uns macht das Songwriting Spaß und das ist für uns das Wichtigste. So hören wir auch viel Jazz, Blues und Pschedelic-Zeugs, aber jeder von uns findet auch Geballer geil. Eine der für mich schönsten Eigenschaften der HC-Szene ist, die Offenheit für neue Musikstile, seien es in der Vergangenheit Shoegaze, Grunge, jetzt Death Metal oder Slowcore in der Zukunft. Eine der hässlichsten, das ständige Profilieren damit.

Welche Veteranen Bands haben euch am meisten beeinflusst? Bist du persönlich eher der US- oder Skandinavien Death Metal Liebhaber?
Ich würde unseren Sound als eine Welt- und Zeitreise durch den Death Metal bezeichnen. Es ist schon zum größten Teil eine Hommage an den schwedischen Old-School, aber genau so sind da ein paar moderne Aspekte und Florida-Einflüsse drin. Ich selber steh auf BLOODBATH und SUFFOCATION und finde da beides in unserer Musik drin. Meine persönlichen All-Time-Faves sind allerdings die ’90er-Göteborg-Sachen, wie die The Mind’s I und die The Gallery von DARK TRANQUILLITY. Damit stehe ich aber alleine.
Mit INJUSTICE RECORDS, habt ihr ein respektables Label gefunden, um eure Debut EP zu veröffentlichen. Habt ihr denn noch vor die EP als Tape zu releasen? Käme hierfür auch ein reines Metal-Label in Frage?
Wir sind auch sehr froh über die Zusammenarbeit. Die Jungs sind mittlerweile Buddies, offen gegenüber verschiedenen Sounds und wollen wirklich das Beste aus jedem Release holen. Witzigerweise wollte ich nächstes Jahr mal mein Faible für extremere Musik in Form eines Tapelabels verwirklichen. Da läge dieses Release zu Beginn sehr nahe. Aber klar, wir würden auch bei Metal-Labels releasen, wenn man die selben Vorstellungen hat.

Kannst du uns bereits ein paar Infos zu eurem, von vielen schon sehnlichst erwarteten, Debuttonträger geben? Wann ist geplanter Release ? Vielleicht auch ein paar grobe Infos zum Inhalt und Artwork der Scheibe?
Also Artwork ist während ich hier schreibe in der Mache. Die Illustration kommt von Dylan Garret Smith (dylanxvx auf Instagram) und Jan von INJUSTICE RECORDS kümmert sich dann um das Layout. Ich denke mal Release findet in der ersten Jahreshälfte 2017 statt und wir hoffen natürlich relativ früh. Es wird eine 12″ single-sided, wir haben Megabock auf das Format. Ich halte es hier zwar spannend gerade, aber wir sind selber supergespannt auf das letztendliche Ergebnis.

Viele klassische Death Metal Bands benutzen recht spartanische Lyrics. Riffs und Atmosphäre stehen dort im Mittelpunkt. Oft geht es um Horror, Gore oder andere morbide Themen. Worum wird es in euren Songs gehen?
Die Texte sind nihilistisch, dreckig, stumpf und ehrlich. Es geht aber schon viel um Flow und die passende Stimmung zur Musik, kompletter Bullshit sollte da natürlich trotzdem nicht stehen. Die Lyrics auf den nächsten Releases werden aber konzeptioneller. Wie ich weiter oben schon erwähnte, wollen wir den urbanen Raum mal negativ durchleuchten. Da gibt es natürlich genug Themen für eine Death-Metal-Band. Überbevölkerung, technologischer Fortschritt und die unfaire Verteilung von Ressourcen wird jeden von uns zur Auseinandersetzung mit dem Thema zwingen.

Ich konnte schon einiges an Feedback zu euren bisherigen Liveshows sammeln, welches übrigens bisher durchweg positiv ausgefallen ist. War es für euch eine Umstellung auf der Bühne plötzlich als Metalband zu agieren, oder lässt sich das gut mit der bisher gesammelten Erfahrung in Hardcore Bands verknüpfen?
Klar macht es uns die Erfahrung aus den vorherigen Bands leichter. Man ist routinierter, weniger aufgeregt oder hat gelernt mit der Nervosität umzugehen. Als Hardcore-Band hat man natürlich auch einen anderen Bezug zur Crowd. Die Menschen vor der Bühne sind etwa schon Kumpel*innen oder werden es noch. Die Schwelle ist einfach niedriger. Man checkt auch die anderen Bands aus und wird selber von denen supportet. Und wir selbst sehen uns nicht als Metalband – oder als Hardcoreband. Uns sind die DIY-Attitüde und politischer Konsens wichtiger als ein Image.
Gab es denn darüber hinaus Rückmeldungen von befreundeten Metalheads zu eurer EP oder Auftritten? Ich kann mir vorstellen, dass die Metalszene einer neuen Band, die ihre Wurzeln in einem anderen Genre hat, eher skeptisch gegenüber steht. Egal ob der Sound gut ist, oder nicht.
Die fallen soweit alle recht gut aus. Ich denke, man merkt, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, was Sound und Songwriting angeht. Klar, gibt es da die Hardcore-Metal-Kluft, aber auch die nimmt mit steigendem Alter ab. Irgendwann geht die Musik/Attitüde vor irgendwelche bizarren Szenecodes. Aber so oder so ist unsere Durchschnittshaarlänge von Vorteil.

Seid ihr denn eigentlich auch offen für Shows mit anderen Death Metal Combos, oder bevorzugt ihr weiterhin HC und Metallic HC-Line Ups?
Wir würden definitiv beide Arten von Shows spielen, jetzt und in Zukunft. Wie gesagt, mit zunehmendem Alter wird das alles lockerer. Andersrum würde ich auch immer gerne Hardcore-Shows spielen, auch wenn unsere zukünftigen Releases immer härter oder sperriger oder beides werden. Diese Szene ist mir wichtig und den Teil möchte ich auch nicht missen.

2016 neigt sich mittlerweile dem Ende zu. Wird 2017 das Jahr des RATLORDs werden? Was können wir von euch, außer der ersten Platte, im kommenden Jahr erwarten?
Der Klassiker. Wir sind schon wieder fleißig am Songs schreiben und wollen natürlich so viel es geht zocken. Klassische Antwort, aber das will jede Band. Schreiben und zocken, schreiben und zocken.

Gibt es schon konkrete Pläne für euer Merchandise? Wer wird denn für die Designs und den Druck verantwortlich sein?
Merchandise wird natürlich aufgestockt. Ich denke mal, es wird viel Artwork zur Platte geben. An diesere Stelle auch ein fettes Danke an EVILGREED und EPDMC, die Jungs werden uns da sicher unter die Arme greifen. Designtechnisch hat man mittlerweile auch Kumpels, die da fit sind. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.

Willst du noch was loswerden? Hier ist deine Chance
Die Frage widme ich euch. Vielen Dank, dass ihr euch für jede Art von DIY-Musik einsetzt und den Leuten nahe bringen wollt. Das ist sauwichtig und ein wichtiger Bestandteil dieser Szene. Und dann der klassiche Call-To-Action: Supportet Bands, Labels, Promoter und Zines. Werdet aktiv. Keep that thing going.

Vielen Dank.
Dank dir und euch.

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