The Wiring – Withdrawal From Continuous Circulation

15128774_960165750755851_861509194_nEs ist wie in einem Film. Wir beginnen sachte:
Ganz langsam, etwas Spannung auftürmend, nähert sich der Protagonist, der möglich unscheinbare Held, dem Geschehen und schreitet leichtfüssig einen melancholisch versunkenen Blues in seinen Kopf summend zum Ort des Geschehens. Kurz bevor wir denken, dass er sich in unangerührter Sicherheit wiegen kann, kommen THE WIRING aus einer zwielichtigen, sinistren Gasse gesprungen, reißen den vollkommen kalt erwischten Kerl zu Boden und hämmern so lange auf ihn ein, bis er ohnmächtig im Rausch des, sich dem letzten Atemzug nähernden, Zustand eines wehrlos unterlegenen Sturzes jener Ouvertüre aus in ihm kochendem Adrenalin hinzugeben gezwungen ist.  WITHDRAWAL FROM CONTINUOUS CIRCULATION heißt der Übeltäter und es ist die brandneue Platte der Wiesbadener Zwei-Mann-Killer-Elite THE WIRING.

Schwere Läufe, groovige Rhythmen und deftige Fuzz-Zerre lauern euch auf, wenn ihr euch ebenso leichtsinnig in Reichweite dieser Scheibe locken lasst und nicht allzu achtsam mit eurer Gesundheit im Bann dieses Zyklus einige Male durch den Wolf gedreht werdet.
Schon der erste Song, IZ, bietet besagte Abwechslung, ohne viel Voraussicht zu erlauben, denn, dass hier eben erwähnt bluesige Zwischenspiele in einem Blast ausarten können, habe ich selber nicht erwartet!
THE WIRING zeigen weder Gnade, noch haben sie zu Beginn Zeit für langes Fackeln und halten sich in der ersten Hälfte des Albums nicht lange mit Intros auf. Wie ein massiver Felsbrocken, der auf einen stark besiedelten Highway herunterrollt, bahnt sich in diesem Song eine Urgewalt an, die jede Plastik-Stahl-Kapsel auf dem Asphalt mitreißt wie eine steinerne Abrissbirne, welche nur ein splittriges Mosaik aus deformierten Teilen und zusammengepressten Schrapnellen übrig zu lassen scheint.  Die transzendente Untermalung verschiedener, von diesem Mammut aus dem Boden gestampften Marker, deren Höhepunkte nach rhythmischen Wiederholungen und durch den sehr markanten Gesang umso stärker kommen, münden wie ein pfeilförmiger, sich vom Himmel herabsenkender Komet, der in einem Gewitter aus Drumblasts und schrillem Gitarrendauerfeuer endet, bevor der Song wieder zum ursprünglichen Beginn zurückkehrt.
Mit IZ haben THE WIRING gekonnt einen ersten Einblick in besagte Zirkulation geliefert und das Eis gebrochen – mit meinem Kopf, um etwas ins Detail zu gehen.
15175552_960169297422163_1003200223_nAus ihrem Beutel zerren die zwei Wutbrummen nun mit aller Kraft eine dicke, im Licht aufschimmernde Schlange, die ihren gewebten Käfig wie ein bodenloses Fass wirken lässt.
PYTHON heißt das zweite Triebwerk der neuen Fuhrmaschine aus Wiesbaden und wer hier gleich an From Dusk Till Dawn, den Titty Twister und Salma Hayek denkt, liegt zwar nicht ganz falsch, aber mit so einer Wand aus diabolisch tiefer Zerre und der psychedelisch grollenden Schwere der Drums käme selbst Seth Gecko nicht so ganz klar.
Das schwarze, geschuppte Tier zieht seinen meterlangen Schweif hinter sich her wie eine Walze und lässt hier ganz schnell ein paar Vampire in einer Nippel-Bar zum kleinsten Übel werden – so kultig dieser Film auch für mich ist.
Spätestens während des dritten Akts, THE BLOCKING, wird mir klar, dass die Jungs hier viel mit gezielter, aber immer wieder leicht abgeänderter Wiederholung eines Grundthemas spielen, welches jeden schwer beladenen Song begleitet wie schmächtige, bucklige Schergen, aber dennoch wird genau das nicht langweilig – man wird sogar schnell von der Eingängigkeit dieser Wummen abhängig wie ein Redneck vom Waschbären – und Dosenschießen.  Hört man ganz genau hin, so merkt man schnell, dass ab und zu ein neues Riff, bzw. ein bisher nicht zur Verwendung getragener Effekt eingeleitet wird oder die Drums sich ganz allmählich aufbäumen, wie ein Flakkreuzer in der fernen, vernebelten Brandung, dessen nahendes Flankenfeuer sich nur in der trommelnden Gischt rost-braun aufzuckender Feuerstöße aus den ruhenden Rohren jener Haubitzenmauer erkenntlich zeigt – und so beginnt EYES, der vierte Artillerieschlag, den THE WIRING mit blechern zirpenden Gitarrenhieben in die grau-schwarz aufgewribelten Himmelslaken brennen.
Dieser Track ist bisher auf Bandcamp hörbar und er ist einer der für mich stärksten auf dem neuen Release. Er hat Durchschlagskraft, Schnelligkeit, Wiedererkennungsfaktor und vor allem genug Wucht im letzten Viertel des ersten Aufschlags, damit auch kein Stein mehr auf dem Anderen liegt, sobald er ausklingt. 14971783_960169290755497_1778369897_n
Nach EYES passiert etwas ziemlich Interessantes. Wie Drohgebärden speiende Sirenen in der Ferne eines noch bangenden Unterschlupfs erklingt der mühselig durch die übrigen Nebelmeere aufschwelender Rückhall einer Gitarre, der nur vom dämmernden Niederschlag einer dumpfen Gitarre verzerrt wird, als würden jene Sirenen im Fall des bleiernen Vorhangs ersticken, bevor sich der vierte Song, UNEARTHED, wie ein Teppich aus Flammen über das Land legt.
In einem bildgewaltigen Präventivschlag endet UNEARTHED mit einem schnell gezerrten Solo und seine ausglühenden Maschinenöfen werden erneut mit WARPED APPARITION zum Aufschrei gebracht, denn der vorletzte Song strotzt nur so vor genau der blitzartigen, dreckigen Grazie, die sich so langsam auf diesem Tape aufbraut.
Während diese Platte recht schwerfällig mit ein paar festen Kopfnüssen begann, teilen THE WIRING nun für eine Weile stechende Leber – und Kinnhaken aus, um ein paar Frakturen einzuschenken, an denen wir noch eine Weile zu schlürfen haben dürften.
Ich will nicht zu viel verraten, aber sobald der General im letzten Song, BELLTOWER GENERAL, die Brücke betritt, wird es nochmal sehr abgefahrenen sphärisch, aber mit gewohnt ordentlichem Nachdruck, wenn die Jungs bitten dürfen!
Der letzte Säbelhieb des Generals erfolgt in gewohnter, aber dennoch stark aufbrausender Manier und das war noch nicht alles: einen sehr interessanten Gastauftritt hat sich der alte Offizier auch noch bis zum Schluss aufgehoben, sodass im Glockenturm vielleicht der ein oder andere Zombie am Glockenseil hängen dürfte, wenn Highlander, der dem ein oder anderen durch die Vorort-Schlitzer von Gorgonoisid bekannt sein dürfte und der im gleichen Zug die Platte mit den zwei Jungs aufgenommen hat, mit den beiden Jungs für einen letzten Akt der Zerstörung in Rage rotiert.  Ich bin ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie eine zwei Mann starke Armee innerhalb von ca. 38 Minuten so viel Verwüstung anrichten kann!
Der Sound von WITHDRAWAL FROM CONTINUOUS CIRCULATION ist satt und kündigt mindestens vier Reiter an, wo zwei Kolosse ihrem Ruf folgen.  Am Freitag hauen Alex und Robin das Tape über SHRINE OF OUR OWN RECORDS raus und ihr könnt es im Austausch einiger Gulden erwerben.  Wer schon einmal einen Einblick wagen will, kann den Jungs gern auf Bandcamp folgen und den oben erwähnten Song EYES hören.

Ich freue mich immer sehr auf Freitage, aber auf diesen freue ich mich ziemlich heftig!  Euch erwarten sieben Tracks in der Dauer von fünf bis einmal fast sechs Minuten Dauerverranzung und ich finde, THE WIRING passen für jeden Nachmittag, der noch etwas Würze braucht, wie ein Hammerkopf aufs Auge.  Mein Tipp: Bittet dieses Schätzchen zur KONTINUIERLICHEN ZIRKULATION auf eurem Rechner und Kassettendeck, wenn euch dieser kurze Eindruck so mitreißt, wie mich – es lohnt sich!

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