Baerus – Demo

15078537_292808651119451_6244345378996686250_nDass ein tollwütig scharrender Bär so manchem Schauspieler zu einem Preis verhelfen kann, wissen wir seit diesem Jahr ziemlich sicher, dass aber seine Fleisch zerfetzenden Pranken auch hierzulande mehr als nur einen matschigen, übersuppenden Abdruck im Morast der Täler und bewaldeten Hügel hinterlassen können, zeigen BAERUS mit ihrem ersten Lebenszeichen, einer Demo, sehr gut. Die zwei Menschen starke Trapper-Bande aus Osnabrück zieht seit dem ersten Tau des früh angekommenen Jahres durch das Dickicht aus stämmigen Tannen und hohen Kiefern, deren nadelbedeckte Äste sich im Unterholz knackend unter ihren Füssen unterwerfen, denn mit ihrem ersten Tape, das ohne genauen Titel erschien, zeigen sie, dass ihr dickes Fell so schnell nichts durchdringt.

Seid nun also vorsichtig, wenn ihr die schützenden Schatten der Stadtmauern verlasst und euch in den Wald begebt. Die forschen Jäger der bärtigen Kaufmannen haben einen Bären übersehen, als sie seine Sippe erlöschen ließen wie ein Feuer im gestapelten Staub – und diese fette, hungrige Bestie jagt nun vollkommen im Hass erweckt für sich allein.
BAEROKALYPSE, ein erstes Pirschen, nähert sich dem verirrten Wanderer ganz verschlossen im Mantel der Bäume und hohen Sträucher. Dumpfes Krächzen der warnend umgestoßenen Bäume und das tiefe Grummeln eines Gitarren-Walls bekundet das schwere, zu Dunst aus seinem Schlund triefende Atmen und Keuchen der im Feuer unsäglichen Hungers kochenden Kreatur. Immer wieder füllen tonnenschwere Trommeln und wähnende Schreie die frische, ungefilterte Luft mit verzweifelter, sich zur Wehr setzender Todesangst. Ein erster Schlag, ein wuchtiger Auftritt der ersten muskelbepackten Fleischberge von einem Arm setzt auf. Sofort schießt mir das Bild eines ungekrönt durch den Forst taumelnden Untiers und Königs der Jagd, in den von seinen Krallen zerstochenen Schädel. Misstrauisch hebt der Jäger seinen Bogen und für einen kurzen Moment vom Spannen des eigenen Bogens in Schrecken versetzt, ist er ungeachtet der nahenden Inbrunst wütender Gefräßigkeit, in die Grube des eigentlichen Jägers jener zitternder Menschenhülle, aus pulsierenden Blutes Seele erkaltend, in die Falle der Verunsicherung gefallen – SCHIZOPHRENIC, der zweite Song, der insgesamt vier Tracks auf diesem Release, bahnt sich seinen Weg in das, von Furcht und Lebensnot zerfressene, wie von den Ketten bitterkalten Schweißes gelöste Herz der törichten Beute hinein.
14517555_266398167093833_1582354572182906448_nDurch die gute Mixtur zwischen schwerem, aggressivem Spiel und sehr anstachelnden, teils sehr archaischen Parts, wo der weibliche Gesang mit sehr drückenden Trommeln am meisten durchsticht und eine sehr düstere Atmosphäre gebärt, stechen Flammen des Zweikampfs und der, vom Nadelgeruch geschwängerte, Regen, der das Blut vom aufgerissenen, mit aufgewühltem Moos bedeckten Arenaboden spült, durch meine Boxen in den aufgescheuchten Raum.
SMALL BUT DEVILISH , der dritte Song, ist der vorletzte Zyklus aus opaken Fangzahnhieben und konfusen Schlagabtauschorgien im Zuge der immer wiederkehrenden Schreie und Rufe ärgster Ohnmacht, die sich in den schallenden Echos des Waldes verirren. Mit dem Finale, WAKKUS, kehrt vorübergehend gekerbte Stille in das Untier ein, als es im exaltierenden Wähnen, leicht trauernd, aber dennoch rasend, kochend und schnaufend, seinen hügelartigen Leib über den Überresten des wirr entblätterten Wanderers aufrichtet. Fast schon in Sludge-Manier folgen die letzten stechenden Hiebe, die auch noch das letzte Aufzucken schwindenden Lebens zu unterbinden versuchen. Immer wieder ermahnen die sphärischen Ergüsse der, sich forttragenden, Frauenstimme den Konflikt zu ihrem brutalem Pendant und werfen seit dem ersten Song einen Disput zweier Urgewalten auf, der das gesamte Album zu einem Überlebenskampf zwischen Schlamm, Dickicht und dem Feuer in den Augen der entbrannten Kontrahenten verpuppt.
Mit ca. fünf bis vereinzelt fast neun Minuten Laufzeit, gut abgedichtetem Sound und einer finsteren Attitüde macht dieses Demotape einen sehr soliden Eindruck für einen ersten Blattschuss der beiden. Zu hören und zu erstehen gibt es das ganze auf ihrer Bandcamp-Seite, also traut euch in die Höhle des Bären, aber macht euch darauf gefasst mit einigen Fleischwunden und mehr Narbengewebe als vorher zurückzukehren.
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Die Vorfreude auf weitere Genickbrecher aus dem brachial bezahnten Schlund von BAERUS ist geweckt wie der unstillbare Hunger der rastlosen Bestie. Meine Empfehlung für alle, die sich im rauen, fröstelndem Gehölz und Buschwerk – dem Jagdareal von karnivoren Doom-Sludge-Wandalen wie diesen – verlieren wollen.

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