Suma – The Order of Things

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Leere, Stille, Nichts. Alles beginnt mit einem dumpfen Knall der Bass-Drum.
Wie ein ein Impuls schweigsamer, gebannter Macht, die nur darauf wartet ein weiteres Universum in die unaufhaltsame Dehnung zu stürzen.
Gitarren, Stimmen, tiefe Verzerrung – alles bebt, alles geht und alles ringt sich wie eine Natter im packenden Griff der sich senkenden Sense zweier vor Gift tropfender Zähne um eine gerinnende Atmosphäre der Stase.
Was hier gerade passiert? Ich treibe gerade in die Ordnung der Dinge hinab – das Meer aus verworrenen Bildern, das die schwedischen Schwergewichts-Hexer von SUMA mit ihrem neuen Album namens THE ORDER OF THINGS in meinen, der Paralyse verfallenen, Kopf pflanzen.

Ganz allmählich drückt mich das viereinhalb minütige Intro in eine Trance, einen Zustand der wehrlosen Hingabe zur regungslosen Observation dieses Spektakels, als presse man mich unter Wasser und zöge mich erst heraus, sobald ich die visuellen Schwellen zum Reich jener obskuren Visionen, die mir meine Ohren nun übermitteln, übertreten habe.
Hall nähert sich wie ein rasender Zug, der auf meinen, im Bann auf den Schienen festgenagelten, Kopf zurast, bevor er im stehenden, kurzlebigen Stechen eines Rückstoßes reinen Ziehens endet, dessen in dessen Grabesrede sich nun ein schweres, fast niedertretendes Riff auftürmt wie der obsidiane Turm einer Festung, erbaut aus den Schreien des nun auftretenden Gesangs. Seine Schärpe ist lang und fast schon treibend leitet er den Hörer durch steigende, aufbrausende Windböen, fast orkanartiges Rauschen und die mitreißenden Anekdoten jener Vocals, bis sich genau dieses Riff – mein Gehör beginnt sich komplett aufzurichten, zu unterwerfen – in einem noch dickeren, genau auf den Punkt gebrachten Höhepunkt entfaltet, dessen klimaktische Stärke und Präsenz immer wieder von der inbrünstigen, so stark hebenden Aura dieses Streitkolbens, der seit seiner Geburt durch den ersten Ton komplett schädelbrechende Züge angenommen hat, zu neuen Ufern und Schalen der Ausweitung und Wiederaufnahme jeglicher ungeahnter Existenz führt, die sich immer und immer wieder wie ein Skelett aufbaut und seine lepröse Wirbelsäule auffaltet wie einen Fächer.
Das gesamte Album über verteilen sich Monumente der ärgsten Gesichter jener Schatten, die besungene Debakel wie ledrige Haut umspannen und ein Zelt aus Emotionen und Geistesschlachten aufrichten, dessen Kuppeln durch die vielen Schichten dicht gewebter Netze aus Verderb und Selbstbetrachtung stechen, wie die Zinnen einer, aus mürben Planken kosmischen Fleisches erbauten, Arche der Haltlosigkeit.
Der Sound, bzw. Ton, ist unfassbar genau und lebensecht abgespielt, sodass man mit Kopfhörern und ordentlich Äther im Blut gefriert wie das Herz eines zu weit gereisten Schlafwandlers im kalten Schlund der unnachgiebigen Einöden des persönlichen Unterbewusstseins – was kein Wunder ist, denn SUMA sind für den tontechnischen Feinschliff ihres Werkes, seit der Geburt dieses Quartetts in Malmö, über den großen Teich in die Betonwüsten der Vereinigten Staaten gepilgert, um einen der, seit einiger Zeit, gefragtesten Tonschmiede ein Siegel auf ihr Manifest pressen zu lassen.
BILLY ANDERSON, der obendrein schon AMENRA, HIGH ON FIRE, OM, SLEEP, WEEDEATER und viele weitere Reisende zu Gast hatte, um sich ihrer anzunehmen, schlug ein Eisen aus dem Feuer dieser Schweden, das sich durch alles Leben windet wie ein heißes Schneideblatt der Qualen durch reinlichst schmelzende Butterwogen – sprich: es keult alles weg, was auf diesem Planeten zu gedeihen im Stande ist.
Ich habe gerade einmal meine Eindrücke des ersten Viertels dieses Records beschrieben und könnte definitiv noch mehrere Seiten füllen, doch ich überlasse nun eurem Verstand die Federführung und gebe herbste Empfehlungen zum Exessivkonsum von THE ORDER OF THINGS an euch ab.
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Gegebenenfalls wartet fast eine Stunde Traumreise auf euch, nur dass die gemütliche Couch zum Messerteppich ausfahren kann, das hypnotische Pendel sich zu einer obelisken Guillotine anbandelt und euer Verstand sich in allerhöchste Bereitschaft versetzt, heftigste Turbulenzen zu erfassen. Vergesst also irgendwelche Strände und dahinsiegende Kongas zur Meditation, denn ihr seid jetzt im Schattenzirkel der Nebelschwaden spektraler und mentaler Irrgärten angelangt. Die ganze Platte umfasst sieben erheblich starke Songs, deren Übermacht euch zur Eskalation zu drängen ermächtigt ist.
Gebt euch dieser vierköpfigen Schlange aus Malmö hin oder dieses Ungetüms Gnade wird verronnen sein. Ich für meinen Teil bin ordentlich beeindruckt, wie ihr mitbekommen haben könntet.
THE ORDER OF THINGS ist in meinem Heim und in den Ohren meiner Nachbarn zum Stammgast geworden.
Wer auf kräftigen Doom / Sludge / Noise mit ordentlich Würze durch starke, mit fast dem Death Metal ähnlichen Anekdoten, einem kernigen Gesang und absolut mitreißenden Atmosphären steht, der ist hier im richtigen Behandlungszimmer gelandet.
SUMA liefern hier ein Stück Best Of 2016 für mein kleines, zerstörtes Gemüt ab und scheuen nicht vor Kreativität und Abstrusität.
Schlussendlich kann ich euch, wiedermal als euer Anwalt, nur raten, dieser Scheibe eine kostengünstige Kernrotation in eurem örtlichen Tonabspielgerät zu gönnen und euch zurückzulehnen.
Ansonsten warnt der Apotheker vor Risiken und Nebenwirkung beim Missachten der Dosierungshinweise: zu viel von dem Stuff kann zu Entzugserscheinungen führen.
Vurd out.

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