FVNERALS -WOUNDS

fvneralsi
Schwere Musik aus dem Vereinten Königreich, der Dunst umwobenen Insel, kalt gischtender Klippen, rauer Wellen und weiter, leerer Rasengemälde, deren Leib schon so mancher Wellenbrecher entsprungen ist?
Und da taucht es tatsächlich auf, am schiefergrauen Wolkenbett, das sich wie Efeu und Gestrüpp durch den Horizont schlängelt – tiefschwarz und düster spuckend, Wasser aufschäumend und Teer atmend.
Die Rede ist von dem Totenhauch, den die drei schottischen Grabhüter von FVNERALS mit ihrem neuen Album namens WOUNDS in eure vier Wände wehen lassen, bis eure Vorhänge welken und euch das Holz von der Decke tropft.

Dieser Name passt, wie das Dorn zur Rose, denn Wunden hinterlässt dieses Album viele und vor allem tiefe, aber es bleibt keine einzige Narbe übrig, die die, einerseits in anmutiger Düsternis und zugleich in emotional verderbter Leere, unfassbar fließenden Gesänge der Vocals und energetisch reißenden Sphären der Synths nicht auszuheilen vermögen.
WOUNDS wird, wie alles in diesem Universum, in einem Vakuum geboren, in der Leere des unnahbaren Endes allem Umhertreibens und aller Existenz innerhalb weniger Augenblicke – VOID, der erste Song zieht sich durch die vernichtende Stille und gefrierende Schwere einer weniger stummen Implosion mächtiger Atmosphären und Geräuschkulissen, die zu gern auch mit Kopfhörern bemannte Reisende in ferne Schatten aus vergangenen Äonen entführen können.
Wer sich im nun anbahnenden Rascheln von Ozeanen aus Knochen, die die mächtigen Stufen dieses Sound-Doms in all seinen Kuppeln und Pforten in vergilbten Lawinen herunterstürzt, wohlfühlt, der fährt leichtsinnig, doch bald von der Muße geküsst, die sich nun eurer annimmt, der gefährlichen Strömung entgegen und droht in einem Sumpf aus öliger Finsternis, im Hauch dieser unfassbar nahen Worte jedes Textes wie Sargnägel in das Herz gestoßen, zu versinken.
FVNERALS bringen genug schwere Ekstasen mit, deren Abgründe sich, in kriechender Vielfalt zelebriert, auf das eigene Knochenkleid legen wie Grünspan auf zerkratztes Silber – eine reine, makellose Fassade, ein heiß ausgetrocknetes, glatt gewalztes Bett für ein Antlitz der Entkräftung, Verzweiflung und Isolation, dessen tiefe Adern von den Schreien des verkrampfenden Selbst geweckt werden, um sich von einem Schleier der Emotion, wie Blut, das in die wie ein Laken gespannte Oberfläche reinsten, kristallinen Wassers eintaucht und es mit geronnenen Zweifeln und einem Teppich aus purpurnen Morast einwebt.
fvnerals
Tiffany, verantwortlich für Synths und Vocals, empfängt euch nun mit ihrer Stimme, sobald sich der zweite Song, mit WOUNDS benannt und somit das äußerst repräsentative Titelsstück, in der nun voll ankommenden Last der tiefen Gitarren und des schleppenden Schlagzeugtaktes, wie ein saichtes Gewitter vor einem herannahenden Taifun ankündigt.
Der Sound des Albums kommt prägnant und gefüllt von der dichten Emotionsschwere, die die Mischung aus Gesang, wertvollen Pausen, sauber gesetzten Akzenten durch die Instrumente und das sterile Mixing hier aufbauen.
Apropos! Die Gitarren sind so unglaublich klar, dick und zeigen genug Wechselspiel zwischen generischen Melodien und träg-mächtigen Doom-Wellen, während die Synths sich komplett sphärisch in jede Atmosphäre ergießen wie der schwerlastige Dunst eines nebligen Morgens, dessen kühl in der Dämmerung aufschimmernde Finger noch am Mittag in den Baumkronen und Bergwipfeln der fernen, steinernen Bergfrieddächer dieser Erde ihre Register ziehen, deren zeitloses Dasein nur noch von den präzise gesetzten, pausierten und stimmhaft aufbauenden Drums zu einer perfekten Heimat für jedes von Leid geplagte Gemüt abrundet.
Es ist nämlich ein sehr dezentes, aber definitiv auch gefeites Schlagzeug, das jeden Schritt in die angerauten, aber dennoch geschmeidigen Tiefen dieser Scheibe begleitet und es lässt zudem genau so viel Raum und Chance zum Atmen, sodass man nur langsam in jedem Titel, jeder schlingenden Passage versinkt, wie ein organischer, entkernter Stein, dessen Innereien das auskühlende Trübsal aufsaugen, während sich die eigenen Lungen langsam mit dem frostigen, dunklen Nass füllen, das hier beinahe zu real merklich wie pausenlos stechender Eisregen im Nachgang spitzer Felsen der Ungewissheit, in deren Weite man fortzutreiben droht, seinen giftzahn-spitzen Atem in die Planken jener unter der Faust des Seegangs letztlich scheiternd berstender Rettungsboote, in das schwammig quellende Holz keilt. fvneralsii
(FVNERALS im UT Connewitz – im Januar 2017 wieder!)

Doch eines muss ich dem jetzt noch hinzufügen: WOUNDS hat mich nicht durch seine Kälte überzeugt, sondern dadurch, dass jeder verlorene Gedanke in einem Netz aus, hitzig nach den Antworten auf die Wurzeln allen Übels kreischenden Armen gefangen und umgarnt wird, wie das im Dunkel schwebende Ich, dessen nackte Haut von den bleich zerfressenen, sehnigen Armen der falschen Hoffnung auf Heilung gegenüber dieses trüben Fegefeuers, weißglühender und in bitterer Schwäche kauernder Angst und einer Kluft des faulend verwelkten Geistes an den prallen Flammen dieses musikalischen Trauerzuges empfangen wird.
Ehe ich hier noch mehr, vor Begeisterung überkochender, Worte verliere, muss ich euch bitten, diese Selbsterfahrungen, die ich hier immer vor mich her schwalle, einfach selbst mit dieser herrlichen Scheibe auf eure Art zu erleben, denn dafür ist WOUNDS ja da.
Alles, was ich jetzt noch sagen kann, ist, dass ihr hier für acht Songs, mit einer sehr gut verteilten Laufzeit von meistens fünf bis acht Minuten, ausgebt, wobei das Intro der einzige wirklich kurze Track, was Gefühl und Realität angeht, ist.
Ansonsten kann ich Songs, wie WOUNDS, SHIVER, CROWN und WHERE, das glorreiche Ende, dessen Charakter und Ausklang ich extrem feiere, besonders empfehlen, weil ihr Phänotyp sich sehr gut an die Abbildung dieser Band und ihrer Motive angleicht.
Jetzt noch was für die krassen Dudes unter euch, die bei gut eingesetzten Klavier – und Orgelpassagen im Nachhall einer solchen Stimme besonders weit ins Herz der Sonne emporziehen könnten, so wie ich jedes Mal:
WHERE, der letzte Song wird als allerspäteste Rettungsbahn über all eure Wunden walzen und jeden blutigen Pfad auf eurer Haut schließen – und das zu seinen ersten Momenten nicht mit Kraft, sondern im scheinhaften Deckmantel eines tristen Flügels und einem Duett aus Vocals und Gitarren, wie man es nicht gekonnter injizieren könnte, dem sich ein gelungenes letztes Aufwinden und aufspreizend knackendes Aufschreien eines Finales zum letzten Impuls annähern, wie ein Jäger seiner Beute Schopf.
FVNERALS kommen nächstes Jahr nach Deutschland und bespielen Berlin, Hamburg und Leipzig, von denen ich unbedingt eine Show zu besuchen empfehle.
Alles wie immer Empfehlungen auf eigene Gesundheitshinweise rückführend, mit dem Verweis, dass ich hiermit erreichen will, dass diese Platte euch definitiv diesen Winter noch um die Ohren weht wie bitterer Frostodem.
Besondere Empfehlungen auf den Konsum von WOUNDS bei Regen, Schnee und eisigen Temperaturen vor der Tür oder im Konsumenten selbst.
LG,
Vurd

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