HUMAN LARVAE – Behind Blinding Light

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Wenn mechanisches Knacken und rastloses Drücken mit düster meanderndem Schweben zum Tanz einer Riege aus metallischen Organismen aufwallt und ihre ruckartigen, geknechteten Bewegungen eine Sinfonie aus Schrecken, Furcht und Seelen zerfleischenden Visionen in Töne verwandelt – wenn die Schreie der unnachgiebigen Verzerrung dessen, was ein Mensch wahrzunehmen kaum im Stande ist, durch ein Geäst aus bizarren, nebelartigen Sound-Teppichen kriecht – dann haben wir heute vermutlich HUMAN LARVAE, ein seit 2005 aktives Solo-Ambient-Projekt aus Berlin, zu Gast.
BEHIND BLINDING LIGHT heißt das im Februar 2016 aus den blutigen Tiefen eines aufschwemmenden Sumpfes gekrochene, aktuellste Release und es bricht sein madiges Brot mit genug Absurdität und nackter Finesse vor dem Spiegel der brutalen Kälte dieser Welt.

Wie gefrorene Erde unter meinen Nägeln, in deren Gebrechen ich mich versuche aus diesem Wurzelrock klirrender Niederbrechung zu entknoten, bahnt sich ein aufbauender Moment kühlen, isolierten Nichts vor mir auf und unterdrückt mit schierer, instinktiver Brutalität und Oberhand mein gebrochenes Selbst in einem luftleeren, farblosen Raum.
PARADIGM SHIFT, das erste Stück, bricht mit den Konventionen, sich langsam ins Geschehen zu bohren, wie ein heimlicher Dolch, denn HUMAN LARVAEs blanker, eisiger Sound drückt sich sofort im ersten Moment dieser Platte aus.
Wer sich hier mit Kopfhörern in einem bizarren Schauspiel aus Stimmen und Impulsen wiederfindet, deren Charaktere sich wie bleiche, löchrig in Dunkelheit glänzende Zähne durch teeriges Holz pressen, der macht alles richtig und läuft Gefahr, in einem uferlosen Tümpel fortwährenden Wahnsinns zu tauchen.
Während man den Übergang kaum merklich diagnostizieren kann, entlädt sich die Kraft des ersten Titels bereits im weitaus längeren zweiten Stück, SEVERING SIRENS, dessen heulende Chöre der Verlockung jeden Zuhörer nur allzu schnell in den brummenden, schnaufenden Abgrund hallender Schrecken und Bilder, glatter Ehrfurcht lotsen.
Jedes Wort, erschütternd in das dichte Gewebe aus den ziehenden Kaskaden eines Rauschen gespannt, bricht die donnernde Stille eines Schlotes, der seine Flüche in den Schatten der Zitadelle aus dem zirpendem Grollen züngelt, welches seiner Existenz hier vor uns zu erliegen scheint.
Ähnliche, aber dennoch jeweils einzigartige Strukturen ziehen sich auf den verbleibenden vier Songs durch jeweils unterschiedliche Laufzeiten, auf deren Kleid sich die schmierigen Lachen jener wahrheitstriefenden Texte aufweben, die sich im Kern eines jeden Stücks verwurzeln, wie Geschwüre, deren unverhofftes, aber punktuell gesetztes Erscheinen jeden zur Stase gebannten Hörer in die skrupellose Realität menschlicher Marter zurückruft.
Die Längen der Titel geben jedoch keinen Maßstab für die gefühlte Dauer ihres rein mentalen Schauspiels vor, da man sehr schnell in ihren Stromschnellen verloren umherzusinken und auch das persönliche Zeitgefühl dabei leicht verloren zu gehen scheint.

Es ist kaum vorstellbar, aber was hier in Tönen um mich herum verkörpert wird, liefert nur wenig Einblicke in das, was HUMAN LARVAE in seinem Live-Programm und dem Rest seiner Diskografie bietet.
Ich war damals in Bischofswerda anwesend, als genau das passierte. Wenig Licht, aber dennoch stechende Kegel, die eine Atmosphäre formten, in der das skurrile Bildmaterial dieser Show erst wirklich zu seiner Reife kam. Dazu ein Ambient-Gewitter, wie ich es bisher nie live erleben konnte und ein Mann, der in einer orchestralen Sinfonie aus den Stimmen tausender verlorener und blind umherirrender Seelen zu Höchstleistungen auffuhr. 0005314182_10
Wer einen Einblick in die Welt von HUMAN LARVAE sucht, kann sich ja allein schon mit den wunderbar sinistren Artworks der CD und seiner Seite aufwärmen, denn die verbildlichen sehr gut die Essenz dieses Projekts, wie ich finde.
Könnte man eine Verbindung in die Dimensionen und Welten aufbauen, in denen Schrecken und Angst wie leptosome, ihrer Augen entledigter Schatten ihrer Wesensstränge umherkriechen, so würden ihre Schreie, würde die Luft, die sie inhalieren, so klingen, wie das, was wir auf dieser Platte hören.
Ich kann BEHIND BLINDING LIGHT als ca. achtunddreißig minütiges, in seiner brachialen Umgangsform starkes Ambient-Album jedem Fan von gehaltvoller Finsternis für das eigene Trommelfell empfehlen.
Schaut mal auf Bandcamp oder Youtube vorbei und gönnt euch HUMAN LARVAE gern auch einmal live, denn falsch macht ihr damit nichts.
Für die schlauen Füchse unter euch, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, sich das ganze Ding als LP zu gönnen, kann ich nur sagen, dass in dieser gepressten Vinyl ebenso noch gedruckte Artworks in dem, oben bereits erwähntem, Stil enthalten sind – also zögert nicht und lasst euch auf allen Sinnesebenen verstören.
Ich, für meinen Teil, konnte dem blendenden Licht dieser Scheibe kaum entweichen und war schon von Anfang an von seiner grotesken Affinität gefasst, wie in den Fängen einer anderen Dimension und Vorstellung von den Klängen, die sich mir hier boten.
Wenn HUMAN LARVAE euch gefallen haben, dann schaut bitte auch noch bei den anderen Veröffentlichungen von MALIGNANT RECORDS vorbei.
Viel Vergnügen, ich bin gespannt auf mehr!

Human Larvae Bandcamp
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Malignant Records Bandcamp

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