Opaque – Genuin

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Als eines Nachts wilde Schreie durch’s Panoptikon hallten, machte sich Unruhe im gesamten Komplex breit.
Wie angeboren klebte der Schleier inbrünstiger Verzweiflung am Zementzirkel freiheitsberaubender Steinmetze und schlängelte sich gleich einer Nabelschnur durch das Gewirr marternder Zellenkapseln, in denen die Verurteilten eines letzten Aufschreis huldigten und zu dem heranwachsen sollten, was nicht im Kern der Gesellschaft nicht zu meucheln im Stande ist.
GENUIN, angeboren, ist ebenso der Schall und Rauch, dessen paradoxe Unendlichkeit durch die kalt tropfenden Flure hallt und bindet sich somit an die Köpfe des Hamburger Pentagons namens OPAQUE, die mit ihrem neuen gleichnamigen Album einen tiefen Riss in die Spiegel der Wirklichkeit zu schlagen drohen.

Der Wetterbericht an der Nordseeküste kündigte im letzten Monat eisige, raue Wogen an, wie es scheint, denn die fünf Hamburger fackeln zu Beginn ihres Tapes  nicht wirklich lange, um die Hörer mit einer kalten, aufbauenden Stimmung in einen schnellen Bann zu ziehen.
GENUIN, der Titeltrack, legt ordentlich crustige, von HC-Mutagenen infizierte Steinbrüche ins Gehör und liefert mit viel Rastlosigkeit in den Vocals einen Brocken, an dem man zu Beginn dieses Album gleich zu kauen hat.
ZERFALL macht sich als zweiter Song breit und legt eine mit Flüchen geschwängerte Patina aus starken Drums und sphärischen Gitarren, deren Höhepunkte immer wieder vom Gesang betont, in der Kulmination eines brachialen Gewittersturms letztendlich in Totenstille zerfallen.
Treibender kann man einen Einstieg kaum gestalten, wenn ein crustiger, obskurer Charakter auf ein Finale in einem kurzen Abriss endet und sich in Blasts entlädt.
Sofort träumerisch eingeleitet wird nun SINK, der dritte und längste Song von OPAQUEs erstem Full-Length, welcher zu Beginn auch zu meiner Überraschung zum Sinken einlädt.
Schwebende Post-Melodien, die sich nach einiger Zeit wieder in kraftvoller Manier wie ein weißes Schimmel durch einen schwarzen Sandsturm pressen.
Großes Lob an dieses Zusammenspiel aus abwechslungsreichen, stark gespielten Drums und sauberen Gitarrenläufen.
Durch die immer wieder aufkochenden Post-Hymnen im strudeltreibenden Spülbecken der Träume, dessen Ausguss jede Note in weite, hallende Leere zu reißen scheint, hat sich SINK zu meinem Höhepunkt dieses Albums entwickelt. opaque_1
OPAQUE zeigen in der großzügig angereicherten Mitte dieses Albums, was sie wirklich können – nämlich Stimmung aufzubauen und Emotionen nackt und entwirrt in einer, in Licht ertrinkenden Sinnflut zwielichtiger Dunkelheit, zu entschleiern.
Interessant, was Riffing und Drums angeht, erstreckt sich nun auch das vierte Stück, HOPE GONE, welches sich zu Beginn zwar relativ stufenartig aufzubauen scheint, jedoch so komplex in Gefühlsentladungen verstrickt ist, dass man spätestens hier nicht mehr still schweigend ruhen kann.
Ich will nicht zu viel verraten, da diese Platte für mich voller Überraschungen und kleiner, sehr gekonnt gesetzter Akzente steckt, die es erst so richtig hochwertig im Nachgang formen.

Mit dem Grande Finale, FEAR / THOUGHTS, knüpfen die fünf Hansestädter zu allerletzt ein dickes, schwerfälliges Tau mit einem erstmals so wirklich erstarkten Bass, der diese Aufmerksamkeit wirklich reglich verdient. Betrachtet man das gesamte Album als Nachfolger ihrer ersten Demo 2015, so wird man erkennen, dass Opaque auf gutem Kurs sind, sich in einem musikalisch unglaublich facettenreichen Federkleid mit einer hoffentlich sehr langen Schleppe zu verewigen.
Für mich ist die Schwere, die sich im gesamten Album ankündigt und sich meiner Meinung nach in seiner letzten Hälte erst richtig entlädt, die Tiefe, die sich durch sein Skelett zieht wie in weiter Leere funkelndes Mark und vor allem der spannungsvolle Wechsel aller Elemte in einem Machtverhältnis, das unmöglich zu bändigen, aber dennoch gezähmt zur Explosion gezeugt ist, genau die Böe, die Opaque weiter begleiten sollten, denn GENUIN ist ein sehr interessant komponiertes, solides erstes Full Length, um aus den kalten Gemäuern des Kreiskerkers auszubrechen.opaque3
Das Album ist seit dem 03.12.16. digital und als Tape, wie oben zu sehen, auf Bandcamp erhältlich und erhält meine wärmsten Empfehlungen für diese Jahreszeit.
Zudem empfehle ich euch, OPAQUE mit dem Kauf eines Tapes für 5 Gulden zu unterstützen, denn das Tape ist unglaublich gut verarbeitet und gestaltet.
Das Artwork, die Beigaben und die gesamte Hülle lassen jede Tape-Sammlung neu glänzen, wie ich finde.

Ich zolle also ebenso auch BHARAL TAPES und FISHERMAN’S END, ihm insbesonders, da der gesamte Look der Kasette und insbesondere das Artwork eine unglaublich gute Figur macht, meinen tiefen Respekt.
Summa Summarum gibt es hier, bei fünf vielschichtig ausgewogenen Songs mit insgesamt ca. 25 min Laufzeit, nichts falsch zu machen, denn wir haben starke Instrumente, wobei mich am meisten die Drums beeindruckt haben, einen stilbewussten, frischen Look und gute Musik für gutes Geld.
Bezüglich meines Posts zum Morgenstern Fest II, kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass OPAQUE unter anderem so mehrere Gründe geliefert haben, um 2016 nicht zu schnell vergessen zu können.
Viel Vergnügen!

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