Messa – Belfry

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Ruhig, wie kalter Dunst eines mediteranen Morgens, liegt erwartungsvoll dröhnende Schwere auf den Ärkern und Zinnen einer im Schlamm versunkenen Kirche, während tiefe Kehlkopfgesänge und ein tödlich gefetteter Bass ankündigen mögen, was sich nun aus dem modernden Unterholz einer kargen Teichszenerie schält.
MESSA, die vier Doom-Hohepriester aus Italien, setzten mit ihrem Debut BELFRY einen obelisken Glockenturm, wie ein massives Seeungeheuer aus den Tiefen ragend, in die trockene Mai-Luft des letzten Jahres und ließen ihn wie eine marode Säule aus den Tümpeln ragen, um, in die Ewigkeit gemeißelt, auf den Augen und Seelen seiner Jünger zu thronen wie ein Fluch.
Aus eigenen Aussagen stehen MESSA für tragenden Doom im geziemten Deckmantel einer nymphengleichen Frauenstimme und starken lyrischen Auswüchsen einer mystischen Atmosphäre.
Man spürt sofort und auch noch gegen Ende dieses Ritts die eigens beschriebenen Standarten mehrerer Einflüsse wie Ambient, Stoner, Doom und ebenso postiger Züge, die in ihrer Biografie beschallt werden.
BELFRY startet ruhig und in ambienter Düsternis, bis schleppende, warme Fuzz-Impulse ihre Kreise durch die ruhenden Wassermassen ziehen, die jenes letzte Überbleibsel, die Stirn eines vergangenen Epos, unter ihren nass-kalten Hautfetzen begraben und in jene graue Mammatus-Himmel erstrecken sich einsame Chöre wie die Kuppeln und spitzen Dächer einer surrealen Bastion der Melancholie.
Innerhalb von zehn abwechslungsreichen, vielgesichtigen Songs, die sich alle von ca. vier  bis vereinzelt acht oder zehn Minuten belaufen, bauen MESSA genug Elemente verschiedenster Genres ineinander auf und knüpfen so einen farb-allergischen, wie Tinte von den Lidern tropfenden Strudel aus Emotionen, welcher sich immer und immer wieder von der Stimme ihrer starken Frontfrau einfangen und umgarnen lassen, während er die lyrischen Leuchtfeuer der mentalen Ekstase aus dem Mark seiner Jünger reißt und sie wie Pech entzündet.
Wer sich hier einen Track vornimmt, wie der ungeduldig pyromanische Inquisitor, in der Hoffnung auf ein Feuerwerk im Marktplatzareal und Fussnägel spreizender Schreie in den Ohren der schmatzenden Menge, der wird mit den vielen Gesichtern dieses Albums nicht ganz warm.
Von Titel zu Titel warten bildhafte Allüren verschiedenster Ausprägungen mit gehäuft starken, stimmungsträchtigen Samples und Intros auf euch, deren Skelette, Strukturen und stilistische Mittel zwar immer wieder schwer und einfordernd zugleich, aber ebenso auch abwechslungsreich mit den Zügen vieler eigens gehuldigter Kollegen wie Jex Thoth, Pentagram, Windhand und Bellwitch bespannt und verziert sind.
Am meisten beeindruckt, haben mich das unglaublich lebhaft und vielseitig experimentierfreudige Schlagzeug und die kleinen, akustischen Ornamente und Verzierungen, wie die bereits erwähnten Samples beeindruckt, wobei dies gewiss nicht die einzigen Stärken dieses ersten Aufschreis jener vier unheiligen Imagniferi sind.
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Ich werde jetzt auch nicht jeglichen Rahmen sprengen und jeden Song gewohnt einzeln reviewen, denn da könnte ich hier Romane entfesseln.
BELFRY ist ein komplett durchwachsenes Album. MESSA waren sich keines Experiments zu schade und überzeugen hier mit gekonnt gesetzten Betonungen, Akzenten und sphärischen Trips, die fast jeden Song stilistisch so abwechslungsreich formen, sodass jegliche Langeweile schon längst verzweifelt faulend am Glockenseil baumelt, bevor die Mittagssonne kräht und auch sie sich diesem Uhrwerk unter der Schleppe der Wolken vollkommen unterwirft.
Gönnt euch aber auf jeden Fall unter anderem allein mal diesen unglaublich satten Akustik-Track am Ende, wo sich zwei Gitarren in bluesig, folkloristischen Licks mit den Chören einer Göttin auf kraftvollen Schwingen durch den Hügelstaub wälzen, wie zwei Schlangen im Todeskampf um ihre eigenen Wirbel. 0008163051_10
BELFRY gibt’s, wie gesagt, seit Mai letzten Jahres über AURAL MUSIC veröffentlicht, unter einigen Shirts und einem Hoodie, auf Bandcamp digital anzustesten und zu erstehen oder als Gatefold Double LP in zwei Farbausfpührungen  für einen fairen Preis zu kaufen und ich lege euch wärmstens ans Herz, dieses Ding bis zur letzten Minute zu brandschatzen, wenn ihr auf die Beschreibung und Referenzen ihres Profils steht.
In der etwas graueren, zweiten Hälfte dieses düsteren 2016 veröffentlichten sie zwei Versionen ihres neuen Single-Tracks ENOCH, den ich euch ebenso schwärmend an euer schwarzes, kaltes Herz lege, wie eine weißglühende Fackel im trockenen Hauch eines jungen Winters.
Nachdem dieser Song schon wieder eine ordentliche Zerwalzung durch ungeahnte Gewohnheiten ihres Temperaments bot, bin ich mehr als gespannt auf weitere verspielte Ekstasen ihrer zukünftigen Diskografie, denn ENOCH schallt noch einmal richtig den letzten Riss aus dem Glockenkessel im triefenden Gemäuer einer blassen Fassade, in Fugen aus flüssigem Feuer eingeschweißt.
Und jetzt entschuldigt mich, bitte, ich muss in die mäandernde Zunge des Mittelmeerschlunds pilgern, um MESSA zu huldigen wie ein Schwadron Bienen ihrer Königin.

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