TRVEFRYKT ZINE

Terra Tenebrosa – The Purging

terra-tenebrosa-the-purgingSelbst altes Gold verliert nicht an trügerischem Nullwert. Versteht mich nicht falsch, der Aurelium-Kult hat es mir noch nie angetan. Wer jedoch, ganz anders als mit dem weltlichen Schmuck einer dekadenten Dominante, mit dem Handwerk dieser drei Druiden aus Stockholm warm geworden ist, kann sich sicherlich um einige Risse in der persönlichen Alltagsmaske bereichert fühlen.
Für alle, die sich bisher noch nicht mit TERRA TENEBROSA beschäftigt haben, geht es jetzt um ihre über APOCAPLEXY RECORDS veröffentlichte LP-Version namens THE PURGING, die sich, wie gewohnt, stark ins Seelenfleisch zu schneiden ermächtigt.

Während Schweden sich in den letzten Jahren mit so manchem kulturell explosiven Export, ob nun maskiert oder nicht, bewährte, hielten es besagte Vertreter für weniger wichtig, sich in Image- und Stilfragen zu überlappen, was ich als mehr als gute Attitüde diagnostizieren möchte.
TERRA TENEBROSA machen ihrem Namen und Nachruf erneut alle Ehre und räumen, im Sinne des Plattentitels, unter dem Deckmantel jenes nicht mehr allzu aktuellen Tonträgers, mit den althergebrachten Stilmitteln des Black Metal noch einmal ordentlich auf.
Wie gehabt avantgardistisch schmiegen sie ihren Teermantel verstörender Klangbilder um das ungeahnt makellose Raum-Zeit-Kontinuum eurer Wohlfühlatmosphäre, bis sich seine geschwärzte Täfelung von seinen festen Füssen schält und euer Haupt mit öliger Finsternis überzieht. Extrem bewundernswert sind vor allem wieder die starken Drums, deren Anklang und gekonnter Auftakt im Vorgänger-Release THE TUNNELS, bis heute noch in meinen Ohren wummert.
Starkes Songwriting und viel Gefühl für aufbauende und abflachende Stimmungs-Sphären  glänzen auch hier wieder in der Robe der vielen Experimente, die die drei maskierten Dämonen auf THE PURGING zu verknüpfen gedenken.
Auf zehn vernichtend schrillen Songs, die sich im Gegensatz zum diskografischen Rest ihrer Schleppe, noch etwas rasanter und reaktionsfreudiger in eurem Heimlabor entzünden, können TERRA TENEBROSA bis zu fast fünfzig Minuten mit dieser musikalischen Stahlwolle glatt reiben. Von, sich verstörend verschlingenden Vocals im Sturm gleißender Gitarren und Drums, bis hin zu tief reißenden Melodie-Strömen, die euch kaum behutsam, aber dennoch klanglich sehr phlegmatisch, in den nächsten aufkochenden Höhepunkt begleiten, ja geradezu zerren, ist wieder einmal alles vertreten.
Besonderes Lob muss ich gerade bei dieser Band für den Look und das Bildwerk dieses Vinyls losbinden, denn wer mit dem Phänotyp dieser Schreckens-Pastoren schon vertraut ist, der kennt sowohl ihre verschobene und surreal ästhetische Kostümierung, als auch die herrlichen atmosphärisch erdrückenden Fotografien, die sich meistens im Rahmen ihrer Tonträger verkanten.dsc_0816TERRA TENEBROSA schicken euch mit THE PURGING durch den Scherbenweg einer vor euren Augen sterbenden Realität und lassen eure danach geschundenen Füsse im Salzbad einer bannenden Stille zurück, auf dessen Spuren glücklicherweise ein weiteres kräftiges Release aus dem Zuchthaus ihrer Ton-Paralysen folgte. Ihr könnt die LP über APOCAPLEXY RECORDS auf Bandcamp oder ihrer Seite bestellen und euch das ganze Ding dort oder auf Youtube auch mal probehalber zu Gemüte führen.

Meine Empfehlung steht:
Jeder, der irgendwie für Black Metal, der nicht mit seinen Wurzeln bricht, aber dennoch immer wieder neue Sporen auszusenden fähig ist, zu begeistern ist, sollte sich für ein Weilchen in der lodernden Diskografie dieser drei Nekromanten tränken und sich an ihren kruden Roben verdunkeln lassen, wie der Nachthimmel selbst.

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