Acid Dream – Physical Removal

aciddream
In den Nervensträngen beginnt es zu kitzeln, die Narkose setzt ein, ein grollendes Zirpen schwemmt euch weiter in die finsteren Tiefen, während ihr bemerkt, dass sich, aus dem Qualm umherschallender Zungen, das verstörende Gebilde eines Kreisarztes hervorschält und damit beginnt, euch unter steinernen Riff-Brocken und seinem zerfleischenden Gesang zu begraben, der durch den, im Hintergrund peitschenden, Wind und sauren Regen zu einem Keil geformt ist, dessen Spitze sich allein schon in die Schädeldecke verankert, wie ein Pflock im butterweichen Großhirn.
Ein wild geworden kratzender und beißender Albtraum im Leib eines ätzenden Äthers legt sich wie eine Decke über eure Ohren, wenn der erste Sampler sein Vorspiel geleistet hat und so setzt sich das dreimotorige Kraftwerk namens ACID DREAM aus Manistique, Michigan, in Bewegung, um eure Tagträume zu verfolgen, bis ihre Schreie und Flüche das Siegel eines Traumas auf eure Netzhaut schleifen.
Ihre neueste Aversionsramme, mit dem passenden Titel PHYSICAL REMOVAL, bietet sich euch seit Januar diesen Jahres an, um euch mit unsagbar kalten, schnittigen Botschaften und einer vielgesichtigen Sludge-Doom-Maschinerie ordentlich auszuwalzen.

Angefangen bei den erdrückenden Samples und Atmosphären, deren surreal aufkreischender Charakter eines urbanen Grauens einen Spiegel vor unsere Realität zu setzen nicht stärker versuchen könnte, als die besten Zungenplättchen es euch nicht gleich tun würden.
Immer wieder aufbrechend gefolgt von den teils mächtigen Doom-Grooves und teils getrieben von einer reißenden Gitarre im Sporn der mehr als agilen Drums, deren Ufer ebenso Tiefseegräben der Schwere und Schollen eines unterwerfenden Triebwerks unter euch aufstampfen könnten, wartet man nicht lange vergeblich auf den weißen Hasen und die Adreno-Chrome Wirkung des Zirbeldrüsenextrakts, der sich nun von den Wänden abblättert.
Da ich mich persönlich gern so massiv wie möglich zermalmen lasse, könnten die Drums sogar ein klein wenig präsenter durch die Zerre schimmern, was der Platte im Heimgebrauch aber absolut keine Schlieren verleiht – es macht sie, gerade durch ihr zerkratztes Abbild einer mentalen Zerwürfnis, noch attraktiver.
ACID DREAM wissen eine Palette aus Gerüsten zu entfalten, deren teils aggressiv-psychedelischer Unterton und bedrückend enge Formation, euch in die kleinsten Ecken des kleinsten Raums der Welt zu pressen gedrillt sind.
Fans von aufschallenden Wizard-Anekdoten und dröhnenden Hymnen auf das Chaos und den Verfall der inneren Kontrolle über Unterbewusstsein und Fantasie finden hier sehr schnell einen mehr als dreißigminütigen, instinktiven Knöchelnkampf mit verkalkten Knochen, der euch nach dem verschlingenden Klimax seiner auf den Punkt zur psychischen  Lethalität pervertierten Brachialität seine Hand reicht, um euch auf eine freundschaftliche Senkschüttung einzuladen und das Kriegsbeil auf unbestimmte Zeit in euren Gedanken zu begraben, wo es wütet, bis die Impulse dieses Tonträgers erneut durch ihre Sehnen streift.

Ich bin etwas enttäuscht von mir selbst, erst jetzt von dieser Band zu erfahren und berichten, aber umso mehr freue ich mich, sie euch nun ans Herz legen zu können.
Wer gerade geschafft von ’nem schlechten Tag vor diesen Worten sitzt, kann sich auf meine Empfehlung gern in diesem Labyrinth frisch aus Michigan verlieren, sowie gefasst darauf sein, wie verheerend für euer Gemüt, ACID DREAMs Klang-Arsenal unter euren Füßen zupackt.
Seit knapp drei Jahren in häretischer Mission in den gebrandmarkten Landen einer kosmischen Wüste unterwegs haben die drei Jungs aus Manistique schon so manche EPs und Langsspiele rausgehauen, auf die ich euch vor allem gerne durch weitere eigene Charakterzüge und neue Schlepp-Orgien verweise und deren sehr verspätete Entdeckung für mich zwar bitter, aber ebenso süßer zur jetzigen Überdosis an diesen Tunes verrührt ist.
Entscheidet für euch selbst, aber für mich kommen dieses Jahr einige dicke Brocken im Doom – und Sludge-Untergrund zum Vorschein, deren frisch gefüllte Adern neue Wurzeln in meinen Langzeit-Favoriten schlagen könnten.
ACID DREAM gehören, vor allem mit ihrer aktuellen Platte und vielen weiteren Donnerschlägen ihrer Diskografie, für mich dieses Jahr in einen Winkel eurer Erinnerungen, der sich sofort meldet und motorisch eine mentale Schwellerfahrung zu empfangen hofft, sobald diese Dudes mehr Material in Umlauf bringen.
Mehr als gespannt auf weitere Spuren im Echo ihrer manischen Ausbrüche, deren obskurer Balsam, von eurer Stimmung genährt, einen Irrgarten aus Bildgeflechten und Fragen in euren Schädel spült, lasse ich euch und PHYSICAL REMOVAL ungestört und ganz unter euch koexistieren und verliere kaum ein aufgeschäumtes Wort mehr – zu eurer Erleichterung, hoffe ich.

Ach, eines wäre da noch: Checkt doch mal die Links der Jungs aus und gönnt ihnen einen Like oder einen vernickelten Obolus zu ihrer übertauglichen Zunft.
Ihren wohl bekömmlichen Hass lassen sie euch auf jeden Fall schon fürs Trinkgeld da, was bei mir immer schon auf den ersten Blick Sympathien weckt.
Schwimmt in dem Vieh aber auf jeden Fall nicht zu weit raus!
LG, Vurd

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