TRVEFRYKT ZINE

Nauthik / Babylon Asleep – Split

Nauthik

Wer den androhenden, zähflüssigen Schallschwärmen, die sich seit Anfang dieses Jahres aus den inneren Zisternen des Ruhrgebiets zu einem reißenden und verschlingenden Ozean aufbrechen, lauscht und sein Gehör nicht im finsteren Herzen dieser See unter Tonnen von Druck zu platzen spürte, könnte sich nun in den Fängen zweier Bestien verfangen, deren Symbiose seit Anfang März den Grund jedes Kontinentalgrabens und angsterfüllten Aufwachens unzähliger Seefahrer bildet und heimsucht.
Wagen wir uns immer weiter in diese ungewisse Tiefe, bricht sich das Schweigen der Ozeane wie die Zungen der Sonne auf der Wasseroberfläche.
Zwei Ungeheuer bewachen nun die Ruhe der uralten Tiefen mit ihren dröhnenden Wellen und vereinen ihre Kräfte im Seebeben einer, nach ganzen Flotten lechzenden, Split!
Wer noch nicht auf Erkundungstour im tonalen Verdauungstrakt dieser Bestien gelandet ist, sollte jetzt die gefluteten Ohren spitzen:
Die Kölner Tiefsee-Akolythen NAUTHIK schlugen schon Anfang des diesjärhigen Märzes ihre zuckenden Fangarme um die Ruinen der schlafenden Stadt, einem zweiköpfigen Schwergewicht sagenumwobener Baukunst namens BABYLON ASLEEP und legen euch nun acht Hochdruck-Tracks auf einem Tape in gefühlten 20.000 Meilen Tiefe vor, damit ihr euch mit diesen Tunes ins Wochenende und den verdiehnten Feierabend legen könnt, wie in den Sog eines Strudeltrichters.

Der aufstrebend raue Seegang startet mit einem flüssigen Akustik-Intro von NAUTHIK, die mit insgesamt fünf Songs auf diesem Tape um euer mikroskopisch wirkendes Boot kreisen, wie ein zum Spiel vor dem Abendbrot getrimmter Kraken.
Anfangs geben NAUTHIK nicht besonders viel neben den genialen Stahlsaitertänze von sich zu hören, ein vorerst zurückhaltendes Intro leitet einen langsamen, letzten Gang ins tiefe Maul der Fluten, begleitet vom Rauschen erster Aufschlags-Wellen einer Bestie in weiter Ferne, ein, bevor der erste Harpunenstoß einer nun folgenden Zerre den Stromwechsel ankündigt.
Was mir, zusammen mit dem jetzt einsteigenden Rig, zuerst auffiel, als ich die drei Kölner nun hörte, waren die in Latein gehaltenen Lyrics und Songtitel, was zwar relativ flächendeckend bei vereinzelten Bands immer mal wieder zum Einsatz kommt, jedoch nicht mehr zu verbreitet ist.Die letzte Band, die mich mit einem lyrischen Latinum überrascht haben, waren PATH aus Osnabrück und es fällt mir hier, so wie damals, auf, dass sich genau dieses Konzept sehr gut in die Thematik und Melodik der Band einfügt.
NAUTHIK steuern mit fünf Tracks, mit einer Dauer von jeweils knapp über fünf bis fast sieben Minuten, das grobe, quantitative Bindegewebe des Tapes bei und sorgen für einen soliden,  fast schon groovig schwebenden Charakter und Korpus dieses Tonträgers.
Dynamische, punktuelle Drums und ein warmer, aber dennoch drückender Sound an den Saitern lassen die dreiköpfige Bestie aus dem Rheingrund mehr als gefechtsbereit dastehen, was verspielte Gitarrensoli und der dezente Hall auf der Stimme noch unterstreichen, sodass der Nachhall des Intros so richtig Fahrt aufnimmt und  jedes unbefestigte Fischerdorf in ihrer Reichweite bereits zu schlottern beginnt, sobald sich jeder der zahlreichen, unentfesselten Tsunamis auf dieser Seite des Tapes auch nur im Schauer eines atmosphärischen Zwischenspiels ankündigt. Der Hall könnte hier und da bei den Vocals, für meinen Geschmack, sogar noch etwas präsenter sein, um sich, seitens dem Rest der Kombi, mit dem Latein zu einem abgerundeten Flutkeil zu verbinden.
Der rituell-doomige Charakter von NAUTHIK, oft im Zusammenspiel vom stark aufstrebendem Bass und den gehauchten Vocals in den Pausen, deren Kielwasser zumeist der hinfortreißende Schweif einer Wand aus Gitarren und Drums folgt, zeichnet den Stil der Jungs schnell aus und erstreckt sich über die gesamte Hälfte dieses Magnetbandtornisters der drei Split-Kollegen von BABYLON ASLEEP, was in Verbindung mit deren Dauerfeuerkraft eine körperliche Senkflugsinfonie von etwas mehr als vierundvierzig grund-starken Minuten bildet.

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Nachdem die ertränkende Versenkungsmacht des letzten Songs, LEVIATHAN, vorübergezogen ist, dessen Charakter das Thema des Intros nur allzu gut aufgreift und schon fast episch umsetzt, schießen die Hüter der schlafenden Ruinen ihren ersten Harpunenstoß in Form ihres Intros auf Seite B in die Nähe eurer Gehörgänge ab und verfehlen keinen Zentimeter an Durchschlagskraft.
Als sich der dröhnend pirschende Vorhang des größtenteils instrumentalen und furchterregend sphärischen Intros nach kurzer Zeit zu senken beginnt, bricht der vernichtende Sound einer Gitarre durch die Stille einer schlafenden Stadt und reißt die Visionen einiger, auf ihrer Facebook-Referenz als Stil-Orientierung genannter, Bands vor meinem inneren Auge und den Monumenten auf, die Bass, Gitarre und Gesang im Wettkampf mit den treibenden Drums über euren Nacken legen.
Die rhythmische Levitation der dicken Zerre und die Schreie, deren Worte sich im ständig folgenden Nichts, immer wieder unterbrochen von melodischen Gitarrenläufen, in deren Echo man sich noch an altbekannte Abrissbirnen aus Brasilien erinnert fühlt, festmeißeln wie die Ärker des erd-höchsten Turmgebildes selbst.
Sowohl im Midtempo-Galopp, als auch im heftigen Bass-Drum-Gewitter, wirbeln  BABYLON ASLEEP ordentlich die Glut aus jedem Flammenkessel, was ich für eine Schar von zwei Personen ziemlich stark finde! Die Drums könnten zwar puntkuell auf dem Tape, für meinen Geschmack, ebenso etwas lauter sein, aber das kann auch hier jeder für sich selbst festlegen.
Was sich hier jedoch immer wieder auf den insgesamt zwei Tracks, abgesehen vom eineinhalb minütigen Intro, auf einer Laufzeit von jeweils ca. acht Minuten aufzeichnet, ist das, was viele große Fische in Nostalgie und Sehnsucht zu rekonstruieren versuchen und ich war beim Durchhören mehr als froh, dass die zwei den Abschluss dieses Tapes noch einmal in brachialer Manier und einem kleinen Touch in Richtung jener Meilensteine, mit ebenso frischen Stilelementen versehen, abschließen konnten.

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Ein weiteres Lob gibt’s von mir für das unglaublich starke und vor allem handgemachte Design der Kassette, da hier, meiner Meinung nach, ein Auge für’s Detail auf den Klangcharakter beider Bands abgestimmt wurde, weshalb sich der Look dieses Tapes, samt kleiner Goodies und Verpackung, ebenso im Klangbild der zwei Bands wiederspiegelt.
Zu erwerben gibt es die digitale Version dieses Tapes leider nur seitens NAUTHIK, soweit ich keinen Mist erzähle, was aber der Sache keinen Abbruch tut, denn die lässt sich bezahlen und macht sogar das Angebot der handverpackten Tapes noch attraktiver, welches ihr übrigens für fünf Silberlinge bei THE CRAWLING CHAOS RECORDS als Ticket zur Styx-Rundfahrt mit beiden Bands erstehen könnt.
Wer sich also nach dem gestrigen Tag mal wieder einen ordentlichen Schub in den restlichen Wochenend-Autopiloten gönnen will, hat meine unterlegensten Empfehlungen, diese zwei Kapellen anzutesten und sich gern auch bei ihnen mit einer Bestellung für das Wegspülen der Werktags-Ebbe zu revangieren.
Wir senden unsere Grüße ins Rheindelta und freuen uns auf die nächsten tonalen Ausfahrten in der Brandung dieser beiden Seeungeheuer unter unseren Rümpfen.

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Babylon Asleep Facebook
The Crawling Chaos Records
Listen to Nauthik!
Hier gibt’s das Tape!

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