Album Review: SLOWLY BUILDING WEAPONS – SUNBIRDS

Da das kommende Album SUNBIRDS, der japanisch/australischen Band SLOWLY BUILDING WEAPONS,  zu einem meiner glasklaren „Album des Jahres“ Kandidaten zählt, werde ich euch heute ein ausgiebiges Review zu dieser traumhaft düsteren, unfassbar facettenreichen Scheibe geben, die Anfang Oktober, über das australische Label ART AS CATHARSIS, erscheinen wird. Von Black Metal, über epischen Stoner, bis hin zu frostigem Noise, liefern diese Exoten den perfekten Ton(nen)träger, um sich für die kommenden, dunkleren Tage, zu wappnen. Ein absolutes Meisterwerk, dessen zehn Jahre Arbeit förmlich eingesogen werden können. Läuft bei mir seit mehreren Wochen hoch und runter und wird dem Ein- oder anderen von euch auch nicht mehr loslassen, nachdem ihr erst mal rein gehört habt!

Bisher wurde uns mit NAUSICAÄ lediglich ein einziger Tonträger präsentiert, der jedoch damals für ordentlich Furore sorgen konnte und die Messlatte an SUNBIRDS, nun nach zehn Jahren, ziemlich hochgelegt hat. Bereits nach wenigen Minuten habe ich die Kraft, die uns SLOWLY BUILDING WEAPONS entfesselt entgegen schießen, in mich aufgenommen und bin in die Klänge des Albums eingetaucht, ohne überhaupt etwas um mich herum wahrzunehmen. Weil ich euch gern einen kleinen Einblick in dieses famose Machwerk geben möchte, habe ich mich dazu entschlossen, nach einer gefühlten Ewigkeit, mal wieder Song für Song unter die Lupe zu nehmen. Egal, ob ihr jeden Song inspiziert, reinhören solltet ihr unbedingt, denn ein Kaliber dieser Größe bekommt man nicht oft aus den Boxen gedonnert!

1. THRONE
Der Opener, eventuell sogar der wichtigste Track eines Langspielers, denn er zeigt auf,  wohin die Reise in den kommenden Minuten gehen wird. THRONE begeistert auf Anhieb mit kaltem, Hardcore – beeinflusstem Black Metal und einer grandioser Produktion, die im Vergleich zum Debüt einen klaren Fortschritt darstellt und die Sounds der Band auf ein komplett neues Niveau anhebt. Das Highlight des Songs ist der grandiose Tempowechsel, von schnellem bis semi-schnellem Geprügel, hin zu Noise-lastigem Reverb-Riffing Doom, der mir die erste Gänsehaut auf den Arm zaubern konnte. Was für eine fette Soundwand wir doch hier geboten bekommen, die dazu noch von wütenden, finsteren Schreien durchzogen wird. Definitiv eine gute Wahl,  um SUNBIRDS zu beginnen.

2. LYRE BIRDS
In LYRE BRIDS geht es dann ein wenig heftiger zu, was vor allem dank aggressiven Blastbeats hervorragend rübergebracht werden kann. Auch hier gibt es einen noisigen, eher ruhigen Zwischenpart zu bestaunen, dessen Melodie dem Gesamtkonstrukt eine deftige Prise Atmopshäre beigeben kann, was mir die Scheibe noch ein Stück weit sympathischer zu machen mächtig war. Bis zum Ende sickert dieser gefühlvolle Wind durch den Track hindurch und kann den Hörer tiefer in seinen Sog ziehen.

3. ZOLTAR
Einen weiteren Höhepunkt bekommt man bei ZOLTAR zu hören, denn nach erneut wirbelndem Beginn, tritt der Bass in den Vordergrund und leitet eine epische Stoner-Passage ein, die euch wohl sofort im Ohr hängen bleibt. Der Gesang ist jetzt relativ klar und ein Stück weit melancholischer, aber keinen Deut schlechter. Fies ist vor allem, mit welch hypnotischer Wirkung sich dieser Song entfaltet und beinahe zum direkten Repeat zwingt, was ich jedoch nicht empfehlen würde, da das Album im kompletten Durchlauf erst seine ganze, starke Wirkung entfaltet. 

4. SUNFOREST
Dieser Titel ist wahrscheinlich der spannendste und eingängigste der ganzen Scheibe, denn hier treffen düsterer Post Black Metal, Ambient und gewaltiger, hymnischer Doom aufeinander. Zu Anfang gönnt man uns in SUNFOREST einen herrlichen Post Black – Part, der Bands wie GHOST BATH etc. in nichts nachsteht. Präzises Drumming, klirrende Riffs und kompromisslose Growls wechseln dann überraschend in wirklich seichte Klänge ab, die einen darauffolgenden, mystischen, wie melodischen Indie- Einfluss einleiten, welcher, im Nachhinein betrachtet, eine der Säulen des Albums stellt. Absolut gefühlvoll, was die Künstler an den Instrumenten hergeben, um den Hörer auch in diesem Song zu überzeugen. Am überzeugendsten waren auf alle Fälle die genialen Vocals!

5. EDITING THE DESERT
EDITING THE DESERT ist, im Vergleich zu den meisten anderen Tracks, relativ knapp bemessen, überbringt aber das stärkste Mainriff der ganzen Langrille. Einmal gehört, geht dieses atemberaubende Saitengezerre nicht mehr aus dem Kopf. Wieder stoßen SLOWLY BUILDING WEAPONS ihren Sound in eine neue Richtung. Plötzlich keimt in den Klängen ein wenig Hoffnung auf, was auf musikalische Art und Weise klasse herüber gebracht werden konnte und die gesamte Atmosphäre noch etwas enger schnürt.

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6. SUNBIRDS
Der Titelsong SUNBIRDS bildet ein gewisses Medley aus frustriertem Geschrote, träumerischem Indie und melancholischem Noise-Rock gegen Ende. Mir persönlich ist das Alles ein bisschen zu verworren und somit fällt der Song etwas ab, wenn man ihn mit der Qualität des Rests vergleicht. Wenn man sich SUNBIRDS allerdings als einfaches Interlude vorstellt, kann auch diese Nummer euer Herz gewinnen. Meckern auf hohem Niveau.

7. THE VULTURE HOVERS
Bei THE VULTURE HOVERS wird euch ein durch und durch magisches, hymnisches Werk geboten, dessen Blackened Stoner/Doom Klänge euch sofort ins Nirana schicken dürften. Absolut genial ist neben den wahnsinnig starken Riffs vor allem der Gesang, bei dem es sich um eine Überlagerung aus schmerzlichen Screams und hallenden Clean Vocals handelt. Der siebte Song ist wahrscheinlich derjenige, der am schnellsten hängenbleibt. Weniger Tempo, dafür mehr Gefühl und das Ergebnis ist einer der besten Songs, die ich in letzter Zeit hören durfte.

8. HORSES
Während sich SUNBIRDS so langsam dem Ende stellt, haben SLOWLY BUILDING WEAPONS für uns noch ein paar Blastbeats parat, die sich mit melancholischen Gitarrenmelodien vermischen und durch unfassbar verzweifelt klingende Schreie bis ins Mark eindringen können. Ein abruptes Stillstehen geht über in eine weitere, fantastische Stoner-Hymne, die uns träumerisch um die Ohren säuselt und uns an einen fernen Ort träumen lässt, voller Sicherheit und Wohlbefinden. Auch hier ist die Stimme wieder on top und mausert sich langsam eindeutig zum prägnantesten Markenzeichen dieser Band.

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9. IZEP
Im vorletzten Song IZEP verstärken die Ozeanier noch einmal die Kraft ihrer Atmosphäre und dreschen melancholischen, rituellen Black Metal heraus, der noch mal ein wenig aus dem Rest herausstechen kann. Todfinster und Angst schürend, wabern die Klänge langsam aus den Boxen, direkt in die Adern des Hörers. Unfassbar wie vielseitig die Instrumente und allem voran der Gesang ist. Im Verlauf des Albums, gibt es kaum eine düstere Spielart, die diese Truppe nicht mit einfließen lassen hat. IZEP ist, dank seiner bitterbösen Ausstrahlung und dem rasanten, aber gleichzeitig auch eingängigen Riffs, mein Anspieltipp für euch. In diesem Titel kann man sich einen wunderbaren Eindruck verschaffen, welch massive Soundwand gleich auf euch einprasseln wird.

10. PURIST
Auch der letzte Titel kann nahtlos an die magische Atmosphäre anknüpfen, die uns SLOWLY BUILDING WEAPONS im Verlauf ihres Tonträgers aufgetischt haben. Ihr könnt wieder eine Menge zauberhafter Melodien abgreifen und der glänzenden Songstruktur durch weitläufige, malerische Landschaften folgen. Alles in allem geht es in PURIST etwas ruhiger zu, als in den vorangegangen Liedern, was nach dem gelieferten Abriss aber auch mal gut tut und dem Hörer einen angenehmen Austritt aus diesem Record bietet. Immer wieder bahnen sich musikalische Ausbrüche an, verlieren sich dann aber doch lieber wieder in einer samtigen Kulisse und laden den Hörer zu einer erneuten Runde ein.
Zusammenfassend betrachtet, bekommt der Hörer einen durchweg spannenden Tonträger geboten, der dank psychedelischer Ausstrahlung á la ORANSSI PAZUZU, epischen Vocals und bitterkalten Blackened Hardcore Parts im Stile alter OATHBREAKER punkten kann. ART AS CATHARSIS hat sich ein riesen Brett ins Roster geholt und hoffentlich ist diese Killerscheibe auch bald in Europa erhältlich. Bleibt abzuwarten,  inwiefern sich die Band dazu entscheidet ihr Album zu betouren, live würden mich die Klänge ganz klar in eine andere Dimension katapultieren.

Wer, wie ich, SLOWLY BUILDING WEAPONS noch nicht auf dem Schirm hat, muss das schleunigst nachholen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr in diesem Jahr kaum ein stärkeres Album, als SUNBIRDS, in jenem Genre finden könnt. Frostig, gefühlvoll und unglaublich vielseitig, schicken die Australier einen klaren Album des Jahres Kandidaten nach Übersee. In diesen Record müsst ihr unbedingt reinhören, denn ansonsten verpasst ihr eindeutig ein wahnsinnig gutes Album!

SLOWLY BUILDING WEAPONS Bandcamp
ART AS CATHARSIS

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