Ein Cello umgarnt die Finsternis – Wie Alder & Ash sich in euch eingraben wird


Wenn ein Instrument alles mit seinen Klängen durchbohren kann, sind es für mich Cello und Klavier, in erster Linie jedoch das Cello.So wandelbar und anmutig es klingen mag, kann es auch die größten Ängste mit Leichtigkeit in Töne verpacken und die Seele durch’s Ohr so tief erreichen, wie kaum ein anderes Instrument in meinen unwissenden Augen.Wer sich in solchen Gewölben, die so Künstler wie HELEN MONEY oder LE CHAT BLANC ORCHESTRA mithilfe dieser grazilen Holz-Fossilien aufspannen, wohlfühlt und verlieren kann, sollte jetzt lieber seinen Bogen nicht in Unachtsamkeit überspannen.Mit gleich zwei Alben betraten die Avantgarde-Cellisten ALDER & ASH erst kürzlich über LOST TRIBE SOUND die digitale Bühne und liefern ein dickes Paket, das viele von euch in den, uns schon bald blühenden, kalten und verregneten Tagen aufsaugen und wärmen, sowie mit seinem Frost verbrennen könnte.

Klanglich haben diese Zwillinge einen gemeinsamen Ursprung, denn beide Alben geben einen Puls weiter, der sich in Agilität und Ausdrucksstärke nichts nehmen lässt. Während das eher zerlaufen, kosmisch wirkende Cover aus zerfetzten Stoffschichten von CLUTCHED IN THE MAW OF THE WORLD acht Songs voller, sowohl vor allem ambienter, als auch düsterer, stichiger Eskalationen am Korpus dieser Instrumente und so manchen, dahinraffenden Rhythmus bietet, gibt sein Geschwisterchen PSALMS FOR THE SUNDER kaum nach mit seiner explosiven Verzweiflung und taucht jede seiner melancholischen Melodien in Schrecken und auditive Alpträume.Obwohl sich beide Alben nicht viel an Ausdruck und Stärke nehmen, möchte ich trotzdem noch einmal kurz auf die Charaktere der beiden im Detail eingehen.

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CLUTCHED IN THE MAW OF THE WORLD

Ein Sound, der die Regentropfen auf euren Fenstern nach drinnen bittet und sie ins wärmste, aufgerissenste Zentrum eurer Ohren einlädt.
So zaghaft sich diese schwebenden Melodien auch teils wie schon im ersten Paar Töne ankündigen mögen, ist es der symbiotische Kern ihrer nervenaufreibenden Entwicklung, der hier so viel Gefühl liefert, wie es selten in letzter Zeit und dieser Tragweite von einigen Percussions, Effekten und Celli durch die Boxen gerattert kann.
Düstere, aber dennoch anschmiegsame Melancholie und bittersüße Ton- und Stimmungswechsel, sauber rhythmisierte Federflüge und ein, euch umhertragender Takt des Vefalls begleiten jedes dieser acht Werke.
Teils schon zu Beginn in so bizarren, viktorianisch angehauchten Visionen versinkend, eröffnet dieses schwerlastige Monstrum erst sein reißendes Maul, nachdem ihr es erst hereingebeten habt, denn im zweiten Song, A SEAT AMONGST GOD AND HIS CHILDREN, walzt der bisher recht zurückhaltende Bass und die Impuksivität dieses ZAHL zum ersten Mal richtig durch und lässt danach genauso wenig auf sich warten, wie euch ebenso keine Ruhe im tristen Gewandt dieser seichten Soundlaken.
Jede neue, sich im Klirren und Zirpen der Höhen und im brummenden Bass ankündigende Nierenstich-Meldodie wir von diesem Gefühl begleitet, das man hat, sollte man paranoid in der Dusche sitzen und etwas am anderen Ende der Bude rasseln hören, während die Tür verschlossen ist und niemand anders da sein könnte.
Sowohl die überschwänglichen Titel, als auch die verschieden wahnwitzigen und zugleich entmutigten Charaktere, die die einzelenen acht Stücke mit einer Laufzeit von BIS min erschaffen, sprechen selbst ohne Stimmen, Gesang und große Inszenierung in Bänden für jene, die sich ständig beobachtet, träge oder ganz einfach karg und ausgestrichen, nach einem solchen Brocken umschauen.

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PSALMS FOR THE SUNDER

Obwohl beide Alben mit ihrer grotesken Grazie einen unglaublich entspannenden Einfluss in schieren Alptraumgebilden aus sich duellierenden Celli einflechten, liegt auch bei jedem dieser sieben Titel vom gleichen Glasfaser-Geburtstag die größte Leidenschaft in Ekstase und wird auf diesem Album sogar mit einem noch inbrünstigeren Charakter vorgestellt.
Inbrünstig beschreibt die Ausbrüche der Takte, rasanten Pausen und heftigen, empathischen Explosionen einer Stimmung nur zur Hälfte, denn auf dieser Scheibe klickt sich immer wieder das Ticken seiner eigentlichen emotionalen Sprengkraft selbst durch den hypnotischsten ihrer Läufe hindurch und lässt euch ebenso zur Ruhe kommen, wie ein verletztes Zebra zur Dämmerung.
Für diejemigen, die sich dahintragen lassen wollen, bieten beide Alben ihre Hymnen, wie

Sollte euch dieser unglaublich angespannte Pathos gefallen, die der daraufhin ausbrechende Bass immer wieder komplett betoniert auf zu schleudert, könnten euch die Stücke A NIGHT IN THE SLAUGHTERHOUSE und CHILDREN OF GOMORRAH treffen wie ein Eisberg bei einigen Knoten.

Alles in allem sind beide Platten ein absolut lohnenswertes Angebot, das ihr bei LOST TRIBE SOUND im handverpackten Digipack mit beiden CDs oder einzeln als digitalen Download für ein paar gut investierte Erbsen erwerben könnte, wozu ich denen, die auf dronige bis exotisch verspielte und drückende Ambient-Passagen stehen.
Ich bin gespannt, welche Epen ALDER & ASH noch so auf uns loshetzen werden und wann sich solcher Art Projekte auch bei uns in der Nähe auf Bühnen stellen werden.
Checkt beide Tunes mal aus und lasst euch wegtragen, denn genau dieses beiden Alben sind unter anderem das, was ich zu dieser Jahreszeit hören will und vielleicht trifft das auch auf euch zu!
Viel Vergnügen.

Listen!
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Lost Tribe Sound

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