TTT vol. 3: Briqueville – II

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Wenn es bisher nicht daran lag, dass ich generell noch nie viel wusste, wusste ich bis vor kurzem auch ebenso von BRIQUEVILLE noch nicht allzu viel.
Als ihr Debüt schon etwas länger kursierte, hörte ich auf Befehl des Captains in dieses Monstrum der womöglich vier verdammt genialen Belgier rein und wurde sofort von drei massiven Songs zu einem Staubkorn zusammengepresst.
Ich war sofort süchtig nach diesen Riffs. Kurz darauf gaben BRIQUEVILLE das Release-Datum ihrer zweiten Platte, mit dem treffenden Namen II, bekannt.
Das Cover ist weitaus subtiler, als das seines Vorgängers. Ein erdrückender Anblick, der sofort einen passenden ersten Eindruck zu seinem schädelbrechenden Inhalt bietet.
Sowohl in Klang, als auch in optischen Reizen und komplett durchdachter Aufmachung können BRIQUEVILLE bisher überzeugen.
II setzt diesem anonymem Vinylritual eine gehörige Krone auf, doch bleibt dieses Mal sphärischer, eindrücklicher und pirscht sich mit seinen laufend platzenden Knoten noch mehr an euch heran, bevor euch die Vier in Roben dann mit aller Kraft hinwegreißen.

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Die Platte gibt sich im Intro düster und beklemmend, mit einer Auslenkung aller Register, die das mysteriöse, verschleierte Quartett herausreißen kann.
Hat man ein solches Projekt vor Augen, ist es kaum zu erklären, aber mit Briqueville spielt sich keine fade Straßenzaubershow ab, sondern viel mehr reißt ihr nebulöser, preschender Charakter, die geballte, lebensfeindlich bedrückende Atmosphäre ihrer Songs, einen Eindruck in euch hinein, der zumindest bei mir, Album für Album, bleibt wie eine schichtenreiche Narbe.
band2Die Songs knüpfen sowohl thematisch im Genre, als auch in der Betitelung ersichtlich an ihren Vorgängern an und liefern eine durchweg brachiale Fortsetzung ihrer Schneisen.
AKTE V, wie sich das erste Werk der Langrille tauft, bleibt nach dem Intro atmosphärisch, reichhaltig fuzzig und zeugt von gewaltigen, auditiven Bauwerken, die die Belgier erneut zu zimmern im Stande waren und deren ewig hohe Wälle von kleinen, psychedelischen Anektdoten verziert werden.

In Reih und Glied folgt AKTE VI, ein Song, der auch den letzten Skeptiker mit seinem glasklar, aufgepumpten Sound und einer Streitmacht an Riffs überzeugen sollte.
Eine bisher unvernommene Neuerung gibt es ebenso:
Der Song enthält streckenweise Vocals, was von BRIQUEVILLE bisher noch nicht in die Tat umgesetzt wurde.
Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, aber richtet euch auf eine Hymne an den Alltag und ein Theme zum Umherstromern in der Außenwelt ein, denn genau das lieferte mir dieses Bollwerk der gezielten Sinnesentartung.
Wenn etwas meine mentalen H0-Gebäude einreißt wie ein Retro-Gozilla, dann sind es vor allem diese Drums und dieser Bass – was danach noch übrig bleibt übernimmt hier die wuchtige Zerre auf den Saiten und ein Riffing, das jegliche Erwartungen, nach dem Sturm der letzten LP, schon innerhalb kürzester Zeit entwurzelt und wie winzige Körner in den Boden rammt.

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AKTE VII, der letzte Teil der Dreifaltigkeit, richtet sich völlig auf den herben Abgang ein. Die sinnbildliche Erde und Gesteinsbrocken, die BRIQUEVILLE euch unter den Füssen weggerissen haben, formen sie jetzt in tintenschwarze Leere und Finsternis um – fast as always, nur glaubt mir, dass dieser Brocken schon zu Beginn seine Finger spreizt und jede Wolke am Himmel schwärzt wie ein ein lepröses Pilzgeflecht.
Eine alleinstellende Verlorenheit befällt sowohl diesen Song, als auch seine Stimmung. Jeder Takt, selbst die wirr angedeuteten Vocals, führen zu einem Punkt zusammen, der jedes bis hier her getriebene Paar Ohren ganz lieblich empfängt und umgibt, bis etwas passiert, was ganz allein die Essenz dieser Band im Gesamtpaket zu treffend beschreibt und sicherlich jeden bisher ungerührten Organismus komplett in den Boden reißt.
Verderblicher und unverblümter hat mich kaum ein Song in diesem Jahr so tief in den Knochenkäfig der Verzweiflung einspannen können, den sein voranschießender Speer aus Klängen auffaltet wie Wiederhaken unter der Rippengegend.
Auch hier muss ich mich zurückhalten und enthalte euch den Rest des Songs für eure Schlittenfahrt in den hitzigen Vesuv, der sich womöglich noch für ein Nachwüten des letzten Songs einrichtet.

                           Treffender könnten sie sich kaum beschreiben lassen:

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„THE MUSIC DEMANDS TO BE EXPERIENCED LIVE.
SLOW LINGERING COMPOSITIONS THAT REQUIRE PATIENCE
AND SUBMISSION, SUBSEQUENTLY FOLLOWED BY A DEEP CATHARSIS.“

Zieht euch warm an für eine knappe, dennoch durchwachsene dreiviertel Stunde ausbrechender, psychoaktiver Fuzz-Hölle, verteilt auf drei monumentalen Liedgestirnen, die sich mit großer Sicherheit auch live mit heftigster Gewalt auf das persönliche Weiterleben auswirken könnten.
Während sich auch nur irgendwie die Chance ergeben könnte, dass ich sowas mal nicht verschnarche, werd‘ ich schon längst die Ohren nach einer Entartung auf einer ihrer  Shows anzustreben versuchen und ich rate euch, diese Chance zu nutzen, sollten sich die vier Gewänder, mit ihrem Arsenal im Schlepptau, nach Krautland verirren.
Eher, bzw. anders möcht‘ ich kaum draufgehen.
Aber lassen wir mal die schwülztig, gezwungen elloquenten Romane, die ich hier vorweg auspuste.  Grob kurz fassen oder zurückhalten fällt schwer, wenn einer zugezwirbelten Tüte wie mir seit einigen Wochen ein Monolith wie dieses Album durch die Gehörgänge fegt und man sich so die Finger nach einem Release zu lecken beginnt, dass man am liebsten eine Bibel darum zurechtfabeln würde.
Wieder grob überspannt soll das heißen, dass BRIQUEVILLEs nächster Streich seiner Folge alle Ehre macht und sich locker als eine gute Investition für Fans von GOAT, BONG, ISIS und MOGWAI herausstellen könnte.

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Für einen mehr als angenehmen Preis kriegt ihr, entweder ab morgen oder auf Vorbestellung, eine Gatefold LP in zwei Farbvarianten, ein CD-Digipack oder ein Bundle mit einem Shirt, die alle im Shop von PELAGIC RECORDS zu finden sind.
Ich empfehle viel, aber dieses Angebot ist wahrlich eine meiner dicksten Empfehlungen für diesen Herbst – zudem die Auflage limitiert ist, also ran an die Dinger!
Mit den Links hier unten gelangt ihr zu allen vorerst nötigen Details und Referenzen, die ich euch auszuchecken ebenfalls nur ans Herz legen kann. Behaltet die Tour Daten dieser Post-Doomer im Auge und kommt heil aus der Sache wieder raus, wenn sie euch auf gleicher Ebene packen sollten.
Ich bin sehr gespannt darauf, womit die vier Reiter als nächstes durch die Menge fahren wie eine Sense und warte solange in dem Sound-Dom, den sie morgen voll ausfahren.

Bandcamp
Full Album Stream via Pelagic Records
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Preorder + Merch-Bundle over here!

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