TRVEFRYKT ZINE

Weltfremd – Drei

1weltfremd
Obwohl es zum Wochenende hin aufklaren soll, hab ich hier etwas für euch, das unsere Sonne komplett gefrieren lassen könnte.
Das Eisenacher Registerwerk namens WELTFREMD hat letztes Jahr im Sommer sein zweites Release mit dem simplen Namen „Zwei“ veröffentlicht.
Knapp ein Jahr später und mit gewohnt eisigem Nachgeschmack, serviert euch der Zopf hinter diesem gnadenlos kühlen Gletscher ein neues Werk, welches sich mit einer Übermacht an Gefühlen auf euch legen wird wie ein schleichendes Fieber.
Die mittlerweile dritte Veröffentlichung ist seit Ende September digital auf Bandcamp für eine kleine Spende erhältlich und setzt bei weitem nicht nur die chronologische Namensgebung ihrer Vorgänger fort.
Momentan dennoch wieder etwas ungerührt von smoothen Klängen, war ich anfangs etwas skeptisch, wie ich mit diesem Release umgehen könnte, denn zur Zeit kann es bei mir kaum aggressiver, schneller oder chaotischer aus den Boxen poltern.
Umso überraschter war ich jedoch ebenfalls, als ich bereits einige Sekunden in den ersten der beiden Tracks reinhörte. NIE WIEDER MENSCH macht seinen Anfang sehr gut und leitet den Hörer sanft mit einem tragenden Gitarrenintro auf seine Fährte, was ich trotz musikalischer Tobsucht immer wieder sehr begrüße. Die Gitarren steigern sich schnell und der Rest der Band setzt ebenso pirschend ein, wie der grandiose Clean-Gesang.

Experimentelle Komponenten, wie zweistimmige Vocals, Streicher und weitere gelegentliche Akzente sind hier erneut, für mich, ein großer Pluspunkt dieser EP.
Sie verleihen den rhythmischen und zugleich thematischen Übergängen genau die richtige Felxibilität und Würze, die den tristen, erstarkten Charakter dieser, nicht unüblich fast solo augestellten, Kombo umso deutlicher und näher wirken lässt.
Obwohl ich ebenso zugeben muss, dass ein Großteil der Versuche von Bands, deutsche Texte zu singen, mir grundsätzlich eher missfällt oder bis auf eine Handvoll Ausnahmen gar nicht bei mir einschlägt, trifft WELTFREMD diesen Nagel genau auf den Kopf und versenkt ihn nur allzu gekonnt in der Handwurzel derer, die sich für, mit gebaltem Reiz gefüllten, experimentellen Doom begeistern können.

2weltfremdMit einer Länge von jeweils ca. elf und zehn Minuten bieten die, wie schon bei vorherigen Releases, zwei Songs genug Fläche und Spielraum für eben diese stark aufgefahrenen Doom-Wände mit gut eingereihten iTüpfelchen, wie plötzlich tieferen Gesängen, einem beeindruckenden Cello und teilweise brachial eingeschobenen Gitarrensoli, die schon fast in die Kinderschuhe von PALLBEARER stapfen könnten.
Jedes Instrument spielt wunderbar ineinander ein und nimmt dem Gegenüber keinerlei Rampenlicht.

Bei  Sound und Mastering wird hier gekonnt mit Effekten, Übergängen und Pausen gespielt, sodass wegreißende Hooks und beispielsweise ein Duett aus Klavier und Gesang zu einem ziemlich beschaulichen Zenith aufsteigen.
KATHARSIS, der zweite Song im Bunde, bietet gleiches Schauspiel für etwas mehr Inbrunst aus den Tiefen und rauscht euch das Parkett hinterher, das diesen unverblümten einundzwanzig Minuten Gesamtlänge einen glatten Absprung verleiht – daher von mir nicht mehr allzu viel dazu vorab.
Wer auf streckenweise fast sakralen, schleppenden Doom mit epochaler Attitüde steht, könnte hier einen Durststiller für den trockenen Herbstwind gefunden haben.
DREI ist ein weiterer stabiler Beweis dafür, was für schöne Projekte aus einem solchen Konstrukt aufblühen können. Ich bleibe gespannt, was WELTFREMD noch für die Zukunft bereithält. Im Vergleich zu ihren Vorgängern zeigt sich DREI vor allem durch einen wachsenden Sprung in Sachen Sound, Komposition und Atmo, was jeder Frage nach meiner Empfehlung den Rachen schon füllen sollte, bevor sie aufkäme.
Grüße nach Eisenach und viel Vergnügen mit diesem vorzeitigen Frost.

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