KHMER – Larga Sombra

KHMER cover

Eine der interessantesten Combos, die ich dieses Jahr durch Zufall live gesehen habe, ist KHMER aus Spanien. Diese Crust Band war zusammen mit TEETHING auf Tour und die HYPNO EAST BRIGADE hat das Package in die Gerber 3 in Weimar geholt. Ich als TEETHING-Fanatiker hatte natürlich nur Augen für meine Grinder und habe mir KHMER vorher nicht angehört. Live haben sie mich dann komplett weggeblasen – und das ganz ohne Drummer. Der fiel nämlich im Laufe der Tour wegen Rückenschmerzen aus, weshalb die Band eine Art „Akkustik-Set“ zocken musste. Mit leise geregelter Gitarre und Bass und geflüsterten Gekreisch. Dabei kam eine extrem dichte Atmosphäre auf und der Brutalität des Sounds hat es auch keinen Abbruch getan, KHMER haben aus der Not eine Tugend gemacht. 

Nun habe ich mir mal die neuste LP der Band angehört und muss sagen, auch auf Platte haben sie es drauf. Das schlichte schwarz-weiß gehaltene Cover deutet schon an, was euch bei dieser Scheibe erwartet – düsteres Geballer. Im Endeffekt ist das dann aggressiver Crust Punk, mit einem Mischmasch aus D-Beat, Black Metal, Post Rock und Emo. Ein bisschen was von allem also, für Abwechslung ist gesorgt.

Die heftigen D-Beat Parts wechseln sich oft mit postigem Gefrickel ab, was zwar Anfangs etwas komisch vorkommt, beim zweiten oder dritten Hören aber langsam Form annimmt. Bestes Beispiel dafür ist mein Favorit-Track dieser Scheibe: „El Ardor De La Crueldad“. Düstere Atmosphäre und Klänge aus Post Rock, Folk und Emo finden auch immer wieder Einzug. Besonderer Leckerbissen für Freunde dieser Klänge ist der knapp einminütige Track „Corriendo Tras La Fuego“, der mit einer simplern sich immer wiederholenden Melodie, hypnotisiert. Schwarzmetallisches Blastbeat-Geballer gibts auch noch auf die Ohren, „Soledad“ zerschießt euch 4 Minuten lang das Trommelfell. Feine Abreibung zwischen gnadenlosem Krach und bittersüßer Melancholie.

KHMER logo

KHMER haben es geschafft, mit „Larga Sombra“ ein Album zu kreieren, das mit jedem Hören immer besser wird und mit seinen vielen verschiedenen Einflüssen sicher nicht langweilig wird. Für diesen Tonträger sollte man sich etwas Zeit einplanen, er ist sicher kein einfaches Konsumprodukt wie eine Standard-Hardcore Platte, wo man schon von Anfang an weiß was man bekommt. Nur Schade, das trotz mehrmaligem Hören nichts so richtig hängen bleibt. KHMER haben keine Parts mit Wiedererkennungswert, zwar mit die Scheibe wirklich zu jeder Sekunde richtig Spaß, aber wenn sie durchgelaufen ist wird man nicht sagen: „Ja, genau das Riff war so richtig fett!“. Hier und da könnte der Sound also noch etwas eingängiger sein. Wie dem auch sei, gute Platte, kann man sich getrost zulegen, wenn man auf Crust steht! Cheers!

Bandcamp

Flix.

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