Bolt Gun – Man is Wolf to Man

cover

Von all den Schätzen, die mir vom Tipp bisher gütig gesteckt wurden, ist dieser der weitaus grauenerregenste Fluch, der kaum püntklicher aus dem Nichts auf euch abzielen könnte, als er es jetzt schon tut.
Die Kälte ist zurück und sie bringt den Frost zermarterter Geister und Schreie aus den fast tropischen Gefilden Fremantle’s mit sich. Inwiefern das geht, zeigt das dreiköpfige Gestirn BOLT GUN mit seiner bereits dritten Platte ab dem heutigen Tage mit voller Fahrt in eure Heimanlage, um Schrecken und Marter in flüssigste Töne zu verwandeln.
Wer sich in eine Thundra verschleppen, zerreißender Geistesgegenwart ausliefern lassen und in genau dieser beengenden Lage keinerlei Macht über diesen Verlauf haben will, kann sich mit MAN IS WOLF TO MAN in die verlassensten Sphären unweit der Arktis transportieren lassen und so schnell nicht wieder davon runterkommen.
Packen wir den Teufel aus der Wüste an den Hörnern: BOLT GUN zeigten sich mit ihrem letzten Album IRON SURGEON im Jahr 2015 nicht zum ersten Mal mit einem Gesicht, das jedes Haar am Körper zu verrenken mächtig ist.
Rauer Black Metal vermischt sich mit ambienten Atmos und artet in bombastische Züge von erdrückendem Noise und schwebenden Post- / Doomelementen aus.
Der bitterlich kalte, metallische Klang ihrer archaischen Stücke erzeugte bisher einen unvergleichlich erschütternden Graupel, den man so nicht allzu leicht auf dem heißesten Kontinent dieses Staubbrockens zu erleben bekommt.
Ganz dieser Bauform soll ein neues Album, heute, am 14. November diesen Jahres die digitalen Pforten von Bandcamp, sowie des Presswerks, durchwaten und euch genau diesen Schauer mit vollster Gewalt und einer brandheißen Darbietung zurückbringen.

MAN IS WOLF TO MAN erscheint erneut, wie vom eindrucksvollen Vorgänger gewohnt, in Teile, bzw. genau zwei Songs unterteilt, die sich insgesamt im weiten Mantel von satten fünfzig Minuten abspielen.
Schon vom ersten Ton an wird die Thematik dieses Albums in einem Pesthauch aus fast dronigen Synth-Teppichen mit melodischen Auswüchsen der Saiten und einer erdrückend vertonten Gesangsleistung angeschnitten und findet ihren Zenith in einem, von Anfang bis Ende, verzweifelten Chaos und einem gnadenlos klar abgenommenem Ansturm aus vielschichtigen Eindrücken und einem kathartischen Klangcharakter.
Ganz nach dem Setting, das hier auf mich einwirkte, wunderte ich mich kaum, als ich erfuhr, dass sich die Band mit diesem Album auf eine schwermütige Reise durch die letzten Gedankengänge der Insassen eines Gulags vor ihrer Exekution begab.
So schwer eine Thematik wie diese auch zu interpretieren oder thematisieren wirkt, spricht das Produkt dieses dahinraffenden Tonträgers in Bänden aus albtraumhaften Visionen, gekrönt von berauschenden Instrumental-Betten, die euch keine Wahl lassen werden, außer euch schmerzverzerrt in sie zu werfen und dahingerafft zu werden.
Zu viel verraten will ich jedoch nicht mehr, als ich ohnehin schon hervorgeschäumt hab.

1boltgunMit einem noch definierterem und flüssiger ineinander gewebtem Sound, der vor allem die dynamischen Verläufe und Songwechsel nahezu unsichtbar macht, könnte MAN IS WOLF TO MAN zu einem absoluten Schmankerl für viele verschiedene Ohren und allem voran für Fans von einer genre-übergreifenden Höchstleistung werden, die sich mit der Psyche des Hörers ringt, mit ihr spiel und sie letztendlich unter der Last ihrer tonalen Verdammnis erwürgt.

Neben den üblichen, aber weitaus positiv ausgereizteren, Genre-Einflüssen, die deutlich in die Tragik und Aufschwünge der Vocals, wie Samples, einfließen, spielen auf diesem Tonträger auch eher ungewohnte, leicht bluesige Post-Zwischenspiele einen großen Bonus zu diesem Paket hinzu, das sich somit komplett abrundete, als es die ersten zwanzig Durchläuge machte, ohne, dass ich etwas von einem Dauerplay merken konnte.
Sollte BRIQUEVILLEs aktuellster, nicht allzu lang vergangener Killer-Ouput bei euch eingeschlagen sein, wird dieses karge Schauspiel euch ebenso fangen, wie die stundenlange Diskog von GY!BE mich anfangs in ihrem Bann hielt, wobei ich sagen muss, dass mir wenige Aspekte, neben dem musikalischen und stimmungsorientierten Talent dieser zuletzt erwähnten Truppe, noch zuzusagen scheinen.

Solltet ihr nach einem Soundtrack wie diesen für die, sich anbahnenden, Herbst- und Wintertage gesucht haben, kann ich euch dieses Schwellen stürmende Rundumpaket nur bestens zum abendlichen Gefrierbrand empfehlen.
Der ungeahnte Fächer, den diese Band mit ihrem aktuellen Album aufspreizt, macht mich nicht nur heiß auf mehr und das vor allem, hoffentlich irgendwann, live, sondern es schleudert MAN IS WOLF TO MAN weit in meine Spätjahres-Favoriten hinein, wo es sich festgebissen hat wie ein auslaugender Keim, ohne den ich einige Zeit nicht mehr frisch einatmen konnte.
Seit heute könnt ihr das Album auf Bandcamp streamen und die digitale Version für eine angemessene Spende erwerben. MAN IS WOLF TO MAN PART I, den ersten Titel im Gefüge, gibt’s bei ART AS CATHARSIS schon seit einiger Zeit als kleinen Ausschnitt im oben verlinkten Video zu streamen, was euch mit einer perfekt auf diese Akustik abgestimmten, optischen Melancholie niederreißen könnte.
Wer eh immer mehr auf die Langrillen geiert, wird hier sicherlich ebenso fix von ART AS CATHARSIS versorgt und könnte somit mal in ihrem Shop vorbeischauen, da BOLT GUN sich mit diesem Release sicherlich zu einem weiteren Totem dieser Tanke für qualitativ guten, musikalischen Export erwiesen haben und eine Vinyl-Version sicher nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird.
Wir bleiben gespannt auf neues Feuer aus dem Süden, was sowohl Label, als auch BOLT GUN angeht!

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