TRVEFRYKT ZINE

TTT vol. 5: No Funeral – Mankind is Carrion, Fit for Nothing

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Neues Jahr, abgelaufene Vorsätze – wenn der gute Geist mal schimmelt und das Gewissen die Moral mit Enttäuschung entsichern will, kann eine Kapelle wie diese kaum schnell genug damit loslegen, den Teppich unter den eigenen Füssen wegzuzerren, um alles in nichts zu verwandeln und den zentrifugierten Schädel mit brodelnder Leere zu füllen wie eine Vakuumsogspülung.
Das folgende TTT-Programm umwirbt daher ein nihlistisches Vollpaket aus den zwei hasserfülltesten Songs, die der letzte Atemzug des vergangenen Jahres nicht drückender hätte mit zerrendem Funeral Doom Tempo bewaffnen und aus der Fuhrwerkschmiede von kaum einer anderen Kombo als NO FUNERAL zum finalen Keulenhieb sämtlicher letzten Zuckungen machen können – also Kopfhörer auf und Clipper durchladen!

Dieses vierköpfige Ungetüm aus Funeralopolis bläst schon seit 2011 die dunkelsten Hymnen verbitterter Misantrophie an den Pranger und bringt ebenso einen imposanten Schweif einer Diskografie auf die Wage – sicherlich sehr wohl behütet im Deckmantel des sehr gut vertrauten Diy-Labels LIVE FAST DIE RECS, ebenfalls in Minnesota stationiert.
Ihre neueste Raffinesse, nach einer Split mit LIVID, ist ein giftgrünes, bösartiges Magnetband-Manifest im geballten Zerstörungswahn einer Dampfalze, die durch eine Prozellanwerkstatt schlurft.
Der mittlerweile fünfte und fast schon winterstarrste TTT-Artikel soll sich nun mit diesem, etwas anders kickendem, Sludge-Wahnsinn befassen, den NO FUNERAL hier innerhalb von etwa zwölfeinhalb Minuten nackter Gewalt mit böswilligen Bässen im Tonus von Rammböcken wie FISTULA, GRIEF oder 71TONMAN auf euch loslassen.
So verschärft das Tape auch aussehen und sicherlich auch klingen mag, bin ich mir nicht einmal sicher, ob eines davon überhaupt die Staaten verlassen hat.
Der trifftige Titel dieser übersichtlichen EP; MANKIND IS CARRION, FIT FOR NOTHING; kerbte sich sofort in meine staubige Schädelrückwand, als ich das schlichte, aber großartige Cover-Artwork in Augenschein nahm und mich von den ersten Tönen des Openers CARRION hinfortreißen ließ. Das dickflüssige Intro sickert wie weißglühende Butter durch die Boxen und kündigt, ebenso im Stil des Covers, eine schlichte, aber in ihrer bloßen Ausartung, derartig monströse Eskalation im Schlepptempo an, die sich von eben diesen Down-Tempi, bishin zu etwas groovigeren Parts in tief besungenen Growls entladen.

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Der teils dialogartig abwechselnde Gesang spielt sich an ausgewählten Stellen mehr als angenehm in den Rest des Quartetts ein und lässt euch keine Silbe verpassen, an denen man sich so oder so schnell auch am ersten Wort anheften kann, während tief trister Zorn durch die Trommelfelle brennt und dem hinzu vor allem die hohen, verzweifelten Vocals im Stande sind, jeden Knochen rings herum abwetzen zu können.
Spätestens mit der Hook sollte jedes zermürbte Ohrenpaar hochgehen und sich an jedem Tropfen dieser zähflüssigen Verse hochzerren, während sich der Klimax dieses Ausbruchs noch immer kaum in immer weiter aufklaffenden Zweikämpfen zwischen Instrumenten und Vocals versteckt. HYPERALGESIA, der zweite Track im Bunde, macht sich zu diesem Zeitpunkt langsam schon warm, um noch mehr von dem zu entwurzeln, was bis dato noch zu stehen scheint.
Da diese EP ’nur‘ zwei Songs fasst, will ich mich gleich mal zurückhalten, aber trotzdem auf den Groove, von dem ich vorher bereits sprach, verweisen, da dieser hier seinen stärksten Anklang an die oben genannten Trip-Kommandos findet.
HYPERALGESIA ist deutlich kürzer als der erste Song, wiegt dies aber völlig mit seinem abgedichtetem Kern von einem Brett und seiner entrückenden Botschaft locker wieder auf.

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NO FUNERAL gaben uns und ihren Hörscharen mit dieser EP nicht nur einen scharfen Brocken kurz vor dem Neujahrsknall, sondern ebenso auch eine gelungene Fortsetzung ihres vier Track starken Releases im August des gleichen Jahres und definitiv reichhaltige Kost für die Nachhut ihrer Split.
Beide Songs entwickeln sich hier in ihrer wuchtigen Signatur, aber doch individuell überzeugend und passten genau den Moment ab, in dem ich meine Augen nicht mehr von einem sinnlos verwualmten Eck des Raumes lösen konnte und mein Verstand so einladend wie möglich für den lyrischen Stachel und die instrumental niederbrechenden Scheren dieses Skorpions aus Minneapolis zu wirken schien.
0008535952_21Wer noch nicht über NO FUNERAL oder LIVE FAST DIE RECS gestolpert ist, kann locker beide Ohren und etwas Zeit auf meine wärmsten Empfehlungen investieren.
Leider ist das besagte Tape auf eine limitierte Auflage begrenzt, bereits ausverkauft und sicherlich gerade auf dem Weg zu seinen 50 glücklichen Abnehmern, aber mein Tipp wäre, auf die angegebenen vier Dollar noch einen angekauten Quarter für die digitale Version auf Bandcamp draufzulegen und den Jungs nicht nur eine der magsichsten Zahlen in der Bandkasse, sondern zugleich auch eine in Paypal-Knete codierte Metabotschaft und Support vom Feinsten zu vermitteln.
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Wer noch etwas mehr Zaster im Futon hortet, kann auch gern mal, falls nicht schon geschehen, durch die anderen Veröffentlichungen von NO FUNERAL und LIVE FAST DIE stöbern, wo ihr sicherlich etwas finden werdet, das euch im stilistischen Rahmen dieser Kombo gefallen könnte – für mich bleibt es nun angefixt und jetzt schon auf kaltem Entzug abzuwarten, was uns aus den Gruben dieser beiden Kolosse in Zukunft noch emporspringen könnte!
Beim nächsten Tape in der Richtung halt ich meine Augen etwas früher unbefrostet und gebe eher Bescheid – die bunten Lichter von Montagmorgen haben mich etwas abgelenkt.
Bis dahin, frohes Noisiges und straffes Wochenende gewünscht!
LG, Vurd

______LINKS______
Hier geht’s zur EP!          Live Fast Die Recs
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