TRVEFRYKT ZINE

Interview – ANGST (90´s Metalcore/ Hannover)

Nachdem mich ANGST letztens in Erfurt live umgehauen haben und die Band sowieso momentan in aller Munde zu sein scheint, habe ich mich dazu entschlossen Sänger Steffen eine Mail zu schreiben und ihm ein paar Fragen zu stellen. Wer mehr über die Metal/HC Combo aus Hannover erfahren möchte, kann jetzt das komplette Interview nachlesen und sich mit neuen Infos vollsaugen.

Moin Leute, klasse das Ihr die Zeit gefunden habt uns ein paar Fragen zu beantworten. Ich habe euch gestern in Erfurt, zum ersten Mal, live gesehen und war hin und weg. Für alle die ANGST noch nicht auf dem Schirm haben, wer seid Ihr?
Hey! Schön, dass es dir gefallen hat! Wir sind André an den Drums, Flo am Bass, Alex spielt Gitarrre und ich, Steffen, versuche mich am Gesang. Kennengelernt haben wir uns alle in Hannover und auf diversen Shows.

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Der Sound erinnert mich eindeutig an 90er Metalcore Combos wie DISEMBODIED, COLD AS LIFE oder auch HATEBREED. Ist die finstere, metallische Hardcore-Sparte von vornherein zum Ziel erklärt worden, oder kam das nach dem ersten jammen von allein?
Gut erkannt! Glücklicherweise stehen wir alle auf dieselbe Musik und genau das ist die Dekade des Hardcore, die uns am meisten geprägt hat. So war es selbstverständlich, dass es in diese Richtung gehen muss. Da gab es keine Zweifel. Eine Band zu gründen um eine weitere Expire-Kopie abzugeben kam nicht in Frage.

Der Bandname ANGST und auch die Artworks der beiden 7“ erinnern eher an Punk, als an wuchtigen Metallic Hardcore. Habt Ihr euch bewusst für diesen Schritt entschieden, um etwas vom Einheitsbrei der deutschen Hardcore Szene wegzurücken und im Kopf zu bleiben?  Oder habt ihr einfach ein Faible für pissige 90er Punkrock Coverart?
Auch wenn wir uns musikalisch eher in Richtung Metal bewegen, hat Hardcore in unseren Augen immer etwas mit Punk zu tun. Das spiegelt sich deshalb auch in unserer persönlichen Einstellung, in den Texten, als auch im Artwork wider. So haben wir den Schriftzug z.B. bewusst gewählt und einfach von der Band CRASS geklaut. Wir finden es wichtig, dass man sich mit der Vergangenheit und den Wurzeln des Ganzen beschäftigt. Nur so kann man verstehen, worum es im Hardcore im Kern überhaupt geht und warum diese Musik aus dem Punk entstanden ist. Prinzipiell ist es uns dabei aber komplett egal, was der „Einheitsbrei“ macht, wir wollen niemanden etwas vorschreiben, doch für uns als Hardcoreband empfinden wir eine Notwendigkeit, die Grundgedanken des Punk immer beizubehalten.Auch beim Namen haben wir uns natürlich ein paar Gedanken gemacht.
Angst ist ein persönliches Gefühl, das jeder kennt, was Denken und Handeln beeinflussen und ganze Gesellschaften prägen kann. Es wird gefährlich, wenn Menschen sich, durch unbegründete Angst vor etwas Fremden, mit rechtem Gedankengut blenden lassen. Dieses akute Beispiel und der generelle Einfluss von Angst auf das eigene Verhalten finden wir bedrohlich, aber auch interessant. Deshalb haben wir uns für den Namen entschieden.

10288792_489557631177264_4426540182001744462_nWie seid Ihr zur Szene gekommen? Gab es den klassischen Einstieg als Kiddie Zecke, oder habt ihr direkt mit Hardcore begonnen?
Die einzelnen Werdegänge unterscheiden sich natürlich individuell bei uns. Die extreme Musik war wahrscheinlich bei allen der Ausgleich zum öden Dorfleben. Alex wurde dann evtl. etwas mehr durch Metal beeinflusst und ich war der typische Dorfpunk. Ich denke aber, dass uns allen diese kreative Welt im Untergrund, schnell sehr gefallen hat. Unsere Wege sind dann auch zwangsläufig zusammengelaufen auf Shows in Hannover oder Wunstorf. Hier haben wir kleine Konzerte lieben gelernt und Freundschaften geschlossen. Wenn man sich mit Leuten austauscht, sich in Läden wie der Wohnwelt oder der Korn rumtreibt, erfährt man, dass die „Szene“ einem mehr gibt, als den schlichten Konsum der Musik – so platt das auch klingen mag. Aber man beschäftigt sich dann mit Themen wie Politik und den Gedanken selbst in den Kreisen aktiv zu werden. Eben den Dingen, was dieses Umfeld auszeichnet.

Die BURDEN OF LOSS EP ist unfassbar wütend. Was hat euch auf die Palme gebracht? Erzählt doch mal, mit welchen Thematiken Ihr euch in den Lyrics der Scheibe auseinandersetzt?
Ich bin zuständig für die Lyrics und es ist meine erste Banderfahrung. Immer noch bin ich etwas unsicher, aber mir gefällt es Gedanken und Emotionen rauszulassen. Deshalb verarbeite ich natürlich persönliche Themen, wie den Verlust nahestehender Menschen, als auch Dinge, die mich allgemein in der Welt stören. Das sind zum Beispiel Religionskritik oder politische Themen. Der inzwischen salonfähige, gesellschaftliche Rechtsruck, das blinde Klammern an einen Glauben, das Folgen leerer Phrasen.
All das lässt mich oft an das Gute und der Vernunft im Menschen zweifeln. Hardcore gibt Platz solche Themen anzusprechen und man kann einfach mal aus dem Alltag auszubrechen. Insbesondere auch persönlicher Kram, über den ich nicht gerne spreche, kann ich so kanalisieren. Das gibt mir Kraft damit umzugehen.

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Inwiefern spielt das Thema Straight Edge in Leben, Band, aber auch allgemeinen Kunstbereich für euch eine Rolle?
Drei von uns leben Straight Edge. Flo lässt es zwar in letzter Zeit ziemlich plakativ auf der Bühne raushängen, doch generell hat dies keine Bewandtnis für die Band. Außer natürlich, Alex entscheidet sich auch endlich mal dazu! Nein, Spaß – Das ist ein bleibt eine individuelle Entscheidung! Deshalb möchte ich auch nicht ins Detail gehen, warum sich jeder von uns dazu entschlossen hat, wobei der Schritt natürlich durch Hardcore und Punk geebnet wurde. Nach so vielen Jahren, die wir nun Edge sind, ist es für uns zur Normalität geworden und eben unsere Art zu leben. Der Entschluss dazu, verschiebt die Denkweise, das eigene Bewusstsein, sowie das Handeln einfach auf andere Dinge. In Bezug auf die (Punk-) Szene waren und sind Leute, die nüchtern durchs Leben laufen, bei vielen (immer noch) ein Dorn im Auge. Straight Edge kann jedoch auch eine wichtige und logische Fortentwicklung des Punkbegriffs sein, indem, anstelle von destruktivem Verhalten, positive, klare Gedankengänge in den Mittelpunkt rücken. Punk kann nicht nur zerstören, sondern auch kreativ selbst gestalten und Straight Edge kann Motivator und Impulsgeber sein.

194859_494407460602714_445360440_oEure bisherigen beiden Releases habt ihr über STREET SURVIVAL RECORDS veröffentlicht. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit SSR gekommen? Werden auch zukünftige Tonträger dort erscheinen?
Ich erinnere mich noch, als André und ich, grün hinter den Ohren, bei Timo Platten und Shirts gekauft haben. Und so ging es wohl einigen in unserer Region. Er hat uns alte und neue Bands gezeigt und ist inzwischen ein langjähriger Freund. Da gab es keine Zweifel, dass wir bei ihm releasen und ich kann mir bei bestem Willen auch nicht vorstellen woanders zu veröffentlichen. Wozu auch? Solange Timo auch auf uns Bock hat, ist STREET SURIVIAL unsere erste Wahl.

Wo wir gerade bei anstehenden Releases sind. Wann kann man denn mit der ersten Full Length rechnen? Seid ihr schon dran, oder nehmt ihr euch erst mal die Zeit, um viel aufzutreten?
Die Frage haben wir schon öfters gehört und irgendwie ist das ja ein ungeschriebenes HC-Gesetz, dass nach zwei 7 Inches dann auch mal gefälligst ein Album zu folgen hat. Aber wir setzen uns da nicht unter Druck. Auch funktionieren Bands oftmals nicht so gut auf Longplayern – meine Meinung. Deshalb ist unser Fokus derzeit tatsächlich eher darauf gerichtet mehr aufzutreten. Auch weil wir in der bisherigen Bandgeschichte auch noch nicht so super viele Shows gespielt haben.

Als ich euch in Erfurt gesehen habe, ist mir vor allem die zurückhaltende Ausstrahlung positiv aufgefallen. Wütende Musik von wütenden Menschen ohne übertriebenes oder gar aufgesetztes Gehampel. Mich, als ruhigen Menschen, hat das mitgerissen und besonders angesprochen, da ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass es hier noch wirklich um ehrlichen Frust und Ärger geht, nicht nur um reine, musikalische Gewalterzeugung im Pit. Was ist euch am wichtigsten bei einer Liveperformance? Wie versucht ihr das Publikum zum Ausrasten, zu motivieren?
Ich finde es befremdlich, wenn eine Hardcore-Show zu einem Event wird. Das passt für mich nicht so richtig in mein Weltbild dieser Underground-Szene. Seitdem ich das erste mal vor Publikum aufgetreten bin, verstehe ich es, dass man sich auf der Bühne etwas anders verhält. Bei mir ist das vor allem wegen der Aufregung so, doch versuche ich mich nicht zu verstellen. Denn das ist es, was bei mir funktioniert, wenn ich Bands auf der Bühne sehe: Der Funke springt meist über, wenn die Bands authentisch sind. Wir ticken da zum Glück ähnlich, sodass es uns primär darauf ankommt, die Songs richtig zu spielen und selbst Spaß zu haben. Ich bin zudem auch nicht der größte Redner oder Entertainer. Das können andere besser. Ob deepe Ansagen und Moshcalls zu einer Show dazugehörigen muss dann wieder jeder selbst entscheiden. Wir passen da leider nicht ins Schema.

2017 ist gerade vorbei, Zeit für ein kleines Resümee. Was waren eure schönsten Erlebnisse, als Band im letzten Jahr, neben dem Release der BURDEN OF LOSS EP?
Unterwegs und auf Shows zu sein. Das sind die tollsten Momente. Fällt schwer irgendetwas besser oder schlechter zu bewerten, aber die Shows in Gießen sind immer ein Highlight für uns – so war es auch in 2017 wieder! Man spürt, dass die Leute dort auf einer Wellenlänge liegen und gemeinsam eine gute Zeit verbringen.
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Habt ihr auch negative Erfahrungen machen müssen?
Wenn man gar kein Geld für Benzin bekommt wird’s schwierig. Aber grundsätzlich hält uns das auch nicht davon ab, überall zu spielen, worauf wir Lust haben! Mit dem Grundsatz, immer das Beste aus etwas zu machen, sind wir bisher gut gefahren.

Gibt es schon bestätigte Termine für 2018? Wo kann man euch demnächst Live erleben und wo wollt Ihr hin?
Wir dürfen das erste mal ins Saarland! Dann sind noch Hameln, Münster und Aachen bis Ende Februar bestätigt. Zwei Weekender mit befreundeten Bands sind im März und Mai angedacht, aber da steht noch nichts Genaues fest. Ein Traum wäre es, mehr in anderen Ländern zu spielen.

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Könnt ihr den Fokus eigentlich zu 100% auf ANGST legen, oder wird eure Leidenschaft nebenher auch noch in anderen Projekten ausgelebt?
André und Alex haben bis vor kurzem bei TWIN RED gespielt. Nach der Auflösung gibt es derzeit nur ANGST für uns. Etwas gebremst wird das nur durch Bachelor- und Masterarbeiten, die ja auch erst einmal geschrieben werden müssen.

Zeit für letzte Worte, aber vorher noch eine finale Frage.
Die besten 5 Musikveröffentlichungen, vor dem Jahr 2000, sind?
Ich hasse und ich liebe die Frage! Denn es gibt so viele Releases, die man nennen kann, aber gleichzeitig ist die Entscheidung so schwer, sich auf die einzig wahren Veröffentlichungen zu beschränken. Deshalb haben wir etwas getrickst:

Vor 2000:
Buried Alive – Death Of Your Perfect World
Strife – One Truth
Hatebreed – Satisfaction
Cro Mags – Alpha Omega
Madball – Set It Off

Vor 1990:
Agnostic Front – Victim In Pain
Killing Time – Brightside
Cro Mags – Age Of Quarrel
Minor Threat – Out Of Step

Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit genommen habt. Wir sehen uns bestimmt bald vor irgendeiner Bühne. Viel Erfolg und Gesundheit weiterhin!
Vielen Dank auch dir und bitte weiter so!

EP Review: ANGST – BURDEN OF LOSS
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