TRVEFRYKT ZINE

PRISMA – SLEEP

Während sich der langen Nächte endlich wieder halb erstarrte Monde am Fenster zur Welt vorbeipressen und morgens wieder langsam ein bedrückender Raureif mit unter die Decke schlüpft wie Väterchen Permafrost, bleibt der Verstand wach und es hungert der erste auf den Augen geplatzte Durst nach lähmendem Wahnsinn, der die bis in die Knochen kathartischen Gedanken – gerade dieser Saison – an einen Ort entführt, wo sie bis zum panischen Aufprall in einigen Stunden vorerst enden können.
An ruhigen Schlaf ist aber auch bei diesem Release, trotz des vermeintlichen Titels und schmackhaft idyllischen Covers, nur auf Umwegen zu denken, welche sich aber definitiv lohnen werden – ihr habt hiermit schonmal mein Wort!
Das Leipziger Düsterrock-Tribunal PRISMA lieferte schon im Mittsommer ein geballtes Paket seines – nun auch vollwertig und physisch releasten – erstgeborenen Full-Lengths, dessen volle Streitmacht einen wilden Nachfolger ihrer erst kürzlich schon abreißenden Bestie von Debüt zum Erbe macht.
Stellt euch in den Forst wie eine Kerze unter den Gebetsrock, brennt euch diese sieben Viecher auf die Löffel und ruppt die Hände gen Luna – schmackhaft geschwärzte Wah-Rituale wetzen gerade noch lüstern die Stahlsaiten und bringen euch auf ewig SLEEP!

Schon mit seinem sprunghaften Demo LUNAR SUN SESSIONS hat uns das Dreiergespann aus der Blastropole sofort in eine Trance versetzt, in die mich so zumindest kaum ein Klümpchen Reiberasen hätte dahinraffen können, um derart frequentiv mit rauen Eimern voll Eiswasser an den Drums und einem kaltem Schweißzopf um die splitternde Fontanelle aus der Leere gezogen zu werden.
Wer hier im Zwielicht des Albumtitels einen Wolf im Schlafpelz vermutet, hat diese prall gesprossenen Fänge auch noch nicht live an der Halsarterie gespürt.
Mit eindrucksvollem Ehrgeiz und Antrieb hat das Trio Infernale nun bereits vor knapp zwei Wochen sein erstes Full-Length und zweites Release des welkenden Jahres auf CD rausgebügelt, das besagtem Demo aus den raugereiften Startschritten des Jahres heraus dampfend, in eine noch ominösere Vertonung hinein, ’n mächtiges Heer aus Hufen macht!

Die noch eifrig das Demo schmückenden Einleitungen halten sich auf den ersten Metern der insgesamt satten Dreiviertelstunde von SLEEP noch recht verdichtet und flott, bleiben aber für Fans dieser Clean-Klampforgien auf dem Endspurt des Albums auf jeden Fall nicht unterbesetzt vertreten – heißt: das fiese Finale dieser ansehnlich geknüpften CD folgt den Sporen großer Klasse und wird im Ausklang dieser verträumten Ankündigung auch nur unterernährt beschrieben!

PrismaBassEin stets wie Dante durch sämtliche Höllentrichter melodischer Tänzelei groovender Bass und klirrende Becken in Verbindung mit dem schrot-rauen Gesang geben einen gut selbst gewürzten Schuss in Richtung NO MERCY FOR MAYHEM ab, was dem Gespann immer wieder den Ruß in die Augenhöhlen seiner Klänge treibt – z. B. der kvltig benannte Titeltrack vermischt gekonnt die beiden hier vernarrt beliebäugelten Facetten dieses Tonwuchters in einem Streich und sollte somit gerade vom Frischfleisch der Prismaten nicht ungehört bleiben.

PrismaGuitVoc
Im permanenten Wechsel von Tiefen und Höhen – beim Riffing, wie bei den unheimlich authentischen Wander-Vocals  – bringt mein, hiermit mehr als begründeter, Favorit für Gletscherpsych 2018 genau auf den Gefrierpunkt, was ich gerade während der glasklar rieselnden Zwischenspiele der drei letzten Tracks von SLEEP und erst recht tropfend wie ein Kieslaster nach dem Vorglühen des Debüts in solcher Manier hören wollte.

Heiteres Grabenstürmen zwischen jeanshaltigem 70’s Heavy Meddl, kohleartigem Darkthrone-Gefluche und fast aggressiv-funkigen Bassspuren hat auf ein Neues seinen frischen Start und sein gewohnt prismatisches Siegel gefunden, wobei eurem messerscharfen Gehör nun gleich sieben Songs im Umfang von vier bis sieben Minuten auf dem Ritus-Stein dargelegt werden, die im Reaktorraum bei mir die Kühlstäbe durchgehen ließen noch bevor die Vollzerre überhaupt losblättern konnte.PrismaDrums

Mit dem Blaster LEVIATHAN HUNGER sollte sich definitiv euer Hunger stillen lassen, wenn dem noch nicht so geschehen sei, wobei dieser Moloch wie sein Vorgänger THE RABBIT CARAVAN für mich die grad schon kläglich zu verbildlichen versuchte Lederstulpen-Mische hinter dem Helvete-Tresen wohl am besten rüberschieben sollte wie ein ein Blizzard.

Im Tausch gegen einen schmalen Taler ist hier, stellenweise heftig überraschend und verschmolzen, alles dabei, was manches Ohr in dieser Jahreszeit an musikalischem Nährboden begehren könnte. Vor allem die Gratwanderung zwischen fiesestem Roh-BM und der spitz-geschlagenen Rockfassade, welche hier und da chirurgisch in glasklar gebrochene Effekt-Spielereien und spiegelnde Atmos ausartet, ist für einen Sprung aus dem Demo gleichen Jahres heraus mehr als ein beeindruckender Ritt, dessen einschlägiges Tempo durch ihre dreifache Harmonie auf diesem Album mehrmals gleitend vorgeben wird.
Für Fans vom kürzlich schon satt gelieferten Drive der Garde von SACROSCUM oder einem Flair in Richtung von UNCLE ACID mit Rotsicht auf einen Zirkelreigen zwischen BLOOD CEREMONY und ONE TAIL, ONE HEAD ist hier auf eine dicke Dreiviertelstunde Laufzeit und für einen schmalen Sofort-Band-Support alles verteilt, was das stockende Organ in der Brust für die kommenden Tage braucht.

PrismaCDDieses funkelnde Resultat ist nun seit breiten zwei Wochen auch als extrem scharf gestaltete CD in physischer Form und auf Bestellung bei den Jungs erhältlich, wozu ich euch dringlich raten möchte, wenn ihr nicht unbedingt ein verstecktes Kristallhäubchen dieses Jahres an euch vorbeikriechen lassen wollt.

Nachdem ich mir jetzt schon wieder ’n Zahn locker getippt hab‘ wie schon lange nicht mehr und dieser streng schyttliche Dämon auch schon über sechs Monate in kaum zählbaren Durchläufen mehrere Nachbarn beschallt hat, tue ich mich noch genauso schwer, PRISMA in einen Kasten mit wirren Verbildlichungen zwängen zu wollen.

Mit meinem Favoriten des Trägers lässt sich’s jetzt vielleicht erstmal gut in ein Ja-Ja-Jahr voller brütend erwarteter Releases reinrutschen und für mich zudem vorrangig den Kult der Prismaten hoffentlich mal live mitzunehmen ärztlich verschrieben.
Loswerden kann ich nur noch, dass unter der Masse einer größtenteils inflationär elitaristischen Szene an den Ufern von Black’n’Roll voller Luftpumpen, diese Jungs eine der rundum sympathischen und talentierten Truppen sind, von denen ich mit stolz behaupten kann, neben guten Freunden und Schüttstreitern, einen empfehlenswerten Vertreter mehr in diesen partiell sehr vernebelten Genrezweigen  gefunden zu haben.
Unterstützt die Jungs bei ihrem ofenfrischen Rasierscheiben, den lichtbrechenden Shirts oder holt sie euch Live in die Lieblingshütte eures Kiez – als eurer Anwalt kann ich das nur nochmals abschließend raten, während ich halb-verdaute Kartoffeln auf Local-Band-Memes spucke.  Hier unten findet ihr alles Unheilige, was noch beim Namen genannt werden muss. Ich koch jetzt erstmal in dem Sud, der euch hier grad vorgekaut wurde und decke mich mit diesen Plastiksprengkörpern und sündhaften Blickfängerlaken aus den Klauen der Bücherstadt ein.
Viel Vergnügen mit dem giftgrünsten Blitzknaller des Gehörnten auf’m Fliesentisch:

Satisfy your ears!
Facebuch
CDs sind unter dieser Adresse bestellbar!

Grüße,
Vurd der Stumme

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