TTT vol. 2: Witchfinder – s/t

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WITCHFINDER, das bedeutet für mich seit Mai diesen Jahres „Doom aus Frankreich, um den Boden bis zum Kern aufzubrechen“.
Oh, wie lange lauert dieses Biest schon mit einer Flinte und seinem langen, knöchrigen Finger am Abzug neben meiner Schläfe? Wie lange gähnt es schon verteufelt in meine entleerten Augen, fordernd, geradezu selbstsicher erzwingend, sich von mir auf Knien vergöttern zu lassen.
TTT vol. 2 soll sich heute mit einem Fund beschäftigen, den ich schon seit einigen Monaten in Anbetracht dieser Reihe vor mir hertrage, fast schon zu ungeduldig, mein peinliches Schweigen zu brechen.

Was damals noch frisch ins Netz gestellt wurde wie ein Lauffeuer jeglicher Doom-Eskalation, ist bis heute für mich ein unvermeidlicher Soundtrack zum Dahinqualmen geworden und könnte jene von euch ansprechen, die mit dem düster-trippigen Fokus dieser Plattform oder artäquivalenten Truppen vertraut sind.
WITCHFINDER haben, nachdem sie einen Monat zuvor eine Single herausbrachten, am 02.05.17 ihr gleichnamiges Debüt in die trockene Haut von Bandcamp gestanzt und machen damit in meinem Kopf ebenso seit Mai ihre dick aufgefahrene Runde.
Das schwer mit Druckluftmusik beladene Dreierpack aus Clermont-Ferrand, Frankreich, kam mir mit einem überschaubaren Bündel an Aufrufen auf Youtube entgegen, wie ein Zug einer Kuh entgegen kommen könnte und riss mich fortlaufend innerhalb der ersten Takte sofort in seine auditive Mythologie und das Spiegelbild eines Doom-Kultes herein, aus dem ich nie wieder entlassen werden wollte.

Der Bruchteil einer Sekunde, in dessen Fortgang ein Album seinen Hörer sofort mitreißt, ist für mich einer der entscheidensten Momente, wenn ich auf eine neue, am besten mir bisher unbekannte Band treffe, die mich da gerade mit ihrem mental entmarkendem Zauber erschlägt.
Während WITCHFINDER größtenteils auf billige Illusionen und Taschentricks verzichten, liegt es ihnen anscheinend mit diesem explosionsverdächtigem Debüt näher, das innere eures Verstandes in diesen vertonten Scheiterhaufen zu verwandeln, der sich aus dem Cover wie dichter Rauch in die Noten zieht, die euch gleich umgeben werden und euch mental ausblutend in Trance zu versetzen versuchen, um euch zu ihrem schleppendem Takt umherwanken zu lassen wie ein Gummiboot im haushohen Wellenbad.
Schon auf dem Cover, unglaublich kunstvoll und brutal zugleich von Maciej Kamuda gestaltet, lodert das Feuer einer schändlichen Hexenverbrennung und macht nur wenig erste Eindrücke von den Flammen, die gleich von den drei Franzosen in eure fuzz-gierenden Ohren gegossen werden.

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Sowohl der Name, als auch die ersten Töne der Band lassen vielleicht auf einen Versuch deuten, als hätten sich drei weitere Zerberster aus einem anderen Eck des unglaublich überwucherten Doom-Waldes auf den Wizard stürzen wollen, aber wer das nicht spätestens mit Einsatz des unglaublich überraschend einfließendem Gesangs aus seinem Kopf schmelzen lässt, ist selbst schuld.
Für mich entfaltet sich im schwer gepanzerten Anlauf des ersten Tracks SNOWY GRAVE, den die drei Walzer übrigens bereits einen Monat vorher als Single rausgeballert haben, ein unvergesslicher Eindruck in meinem Kleinhirn, der nach viel Tetrahydroknallerei schreit.
Schreien ist ein gutes Stichwort, denn die fast schon echo-artig angehauchten, aber auch überaus kräftigen Vocals senken im insgesamt vierzig-minütigen Raubzug dieses Killer-Debüts, bis auf einige Clean oder von growlend, bis krächzend eingefangene Passagen, die Übermacht ihres ersten Eindrucks nicht wirklich – und das ist auch gut so!

WITCHFINDER setzen mit dem, für mich, hoch ausgespreizten Gesang und seinen, eben schon erwähtnen, vereinzelten Akzenten, bzw. komplett okkupierten Abschnitten ein klares Zeichen in Richtung TTT-Blutdruckhochkocher und machen mir die Arbeit, ihr erstes Lebenszeichen in voller Länge zu bewerten, hier mehr als leicht und erschweren es mir zunehmend, hier kurz und bündig zu bleiben – wie immer.
Raue, schwere und vor allem eingängige Riff-Walzen und Refrains sprechen in altbekannten Bildern und strecken ihre Finger hinter den massiven Baumstämmen des Basses nach euch aus, während das unsagbar dick aufgenommene Drumset mit einer Macht und einem Arsenal an adrenalin-geschwängerten Hieben, die ihresgleichen suchen und immer wieder im Stande sind, dem Hörer seine Bildgewalt mit aller Monströsität einzuhämmern, euch kaum die Zeit geben, diesen, eben eingeleiteten Horror-Trip als geistig nährend oder doch eher verdammt tödlich einzustufen.

0010047727_10Es ist heutzutage nicht selten, dass ein Doom-Debüt mit solcher Tragweite und von so jungem Dasein so einen Sound vorweisen kann, aber mit einem Mastering von Esben Williams, den einige von euch vielleicht aus dem stark brodelndem Bügeleisen namens MONOLORD kennen, haben die drei Franzosen wirklich weder einen schlechten, noch unüberlegten ersten Luftschlag für euer Gehör gezogen, denn sowohl Raufasersound-Liebhaber, als auch vor allem Trommelfell-Gourmets kommen mit diesem übermächtigen Master-Sound voll auf ihre Kosten!

Facettenreiche Riffs, von Sludge, zu Groove, bishin zu schnellen Galopps, untermalt vom unermüdlichen Rest der wütenden Bande, liefern einen Teil der Torte für jeden und sogar Sprach- und Atmosamples, die genauso aus den Sound-Schmieden betagter Vorgänger entsprungen sein könnten, machen dieses Release zu einem mehr als drückenden, satten und vor allem rundgeschliffenem Debüt, das sich sicher auch live oder auf Langrille für den Heimritualgebrauch mehr als lohnen sollte.
WITCHFINDER könnten, wenn es nach mir ginge, dieses Vieh im Vorprogramm der ganz Großen aufreißen und würden sicherlich so manchen Schädel für den Rest des Abends mit ihren Flüchen befallen.
Mit dieser Platte wecken sie auf jeden Fall bei mir ein Meer aus Böcken auf neues Material – hoffentlich bald auch live direkt aus ihren verkabelten Kanonen in mein unwürdiges Gesicht gestrahlt – und liefern bei mir die Ahnung, dass ihr heute zur Zauberstunde oder zum Feierabendtrunk mit feinster Fuzz-Atmo versorgt werdet, wenn ihr euch dazu entscheidet, auf Bandcamp mal in diesem Sarg aus Hymnen einzusteigen.
Haltet euch’n Zehner für die digitale Version bereit, falls euch das Ding gut reingeht, für mich ist sie jeden Penny wert.
Bis nächste Woche im Dunst!

Vurd

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